Aktuelles

Aktuelle Meldung vom 15.04.2013

In eigener Sache: Stellungnahme zum heutigen SPIEGEL-Bericht

In seiner aktuellen Ausgabe Nr. 16/15.4.13 behauptet das Magazin DER SPIEGEL, die Bundesstiftung Aufarbeitung habe in der biographischen Datenbank "Wer war Wer in der DDR?" die dunklen Seiten des DDR-Sports "verschleiert", indem bei einzelnen Personeneinträgen Fälle von Doping und Stasi-Tätigkeit nicht genannt worden seien.

Die Bundesstiftung Aufarbeitung weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Mit ihrem Online-Angebot der biographischen Datenbank trägt die Bundesstiftung dazu bei, eine Verlagspublikation öffentlich zugänglich zu machen. Die inhaltliche und redaktionelle Verantwortung für die Beiträge liegt bei den Herausgebern. Diese haben drei u.g. Artikel des Nachschlagewerks überarbeitet. Erst auf dieser Grundlage konnte die auf der Homepage der Stiftung zugängliche Datenbank aktualisiert werden.

Damit sich jeder Interessierte ein eigenes Bild machen kann, möchten wir an dieser Stelle den Wortlaut unserer Stellungnahme veröffentlichen, die der SPIEGEL auf seine Nachfrage am 11. April 2013 erhalten hat:

Fragen des SPIEGEL vom 10. April 2013 an die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

1. Bei ehemaligen DDR-Funktionären aus dem Bereich Sport wie Günter Erbach (ehemaliger Staatssekretär für Körperkultur und Sport) oder Dietrich Hannemann (Direktor des Sportmedizinischen Dienstes) bleiben die Verfahren bzw. Verurteilungen wegen Körperverletzung als Folgen der Vergabe von Dopingmitteln unerwähnt. Wie erklären Sie sich die Verkürzungen?

2. Autor von insgesamt 118 Biographien aus dem Bereich des Sports ist Volker Kluge. Kluge war von 1984 bis 1990 Mitglied des Bundesvorstandes der DDR-Sportorganisation DTSB und von 1982 bis 1990 Pressechef des Nationen Olympische Komitees der DDR. War der Bundesstiftung die Vergangenheit Kluges bekannt und wie beurteilen Sie auf dem Hintergrund seiner Funktionärstätigkeit im DDR-Sport Kluges Autorenschaft?

3. In mehreren Veröffentlichungen (siehe auch Wikipedia) wurde Kluges inoffizielle Tätigkeit (IM "Frank") für das Ministerium für Staatssicherheit erwähnt. War der Bundesstiftung die IM-Vergangenheit bekannt und wie beurteilen sie auf diesem Hintergrund Kluges Autorenschaft für die Datenbank?


Antwort der Bundesstiftung Aufarbeitung vom 11. April 2013 zu den Fragen 1 – 3:

Das Lexikon "Wer war wer in der DDR?" wird von fünf Historikern und Sozialwissenschaftlern unter der Federführung von Dr. Helmut Müller-Enbergs und Dr. Jan Wielgohs herausgegeben und inhaltlich verantwortet. Die Bundesstiftung Aufarbeitung hat die Überarbeitung, Erweiterung und Drucklegung der 4. und 5. Ausgabe des Lexikons (Erscheinungsjahre 2006 und 2010) gefördert. Die Herausgeber und der Verlag haben der Bundesstiftung Aufarbeitung das Recht eingeräumt, die biographische Sammlung online zur Verfügung zu stellen, um die Biographien Wissenschaftlern, Journalisten, Mittlern der historisch-politischen Bildung sowie zeithistorisch Interessierten im In- und Ausland besser zugänglich zu machen.

Die Bundesstiftung Aufarbeitung verlässt sich im Hinblick auf die Auswahl der mehr als 130 Autoren auf die Sachkunde und Sorgfalt der Herausgeber. Gleiches gilt für die redaktionelle Bearbeitung sowie Verifikation der Autorenbeiträge. Die Bundesstiftung Aufarbeitung folgt dabei den Gepflogenheiten wissenschaftlicher Projektförderung, die nach der positiven Begutachtung und Bewilligung des Projektantrages den Projektbearbeitern eine eigenverantwortliche wissenschaftliche Forschungs- und Dokumentationstätigkeit garantiert.

Eine biographische Sammlung von rund 4.000 Biographien ist vor Fehlern und Ungenauigkeiten nicht gefeit. Wird die Bundesstiftung Aufarbeitung von Nutzern auf solche hingewiesen, werden diese nach Prüfung und Zustimmung durch die Herausgeber regelmäßig in der Onlineversion korrigiert bzw. geklärt. Der Umstand, dass in den Jahren 2011 und 2012 insgesamt lediglich 14 diesbezügliche Hinweise in der Stiftung eingegangen sind, zeigt, dass dieses rege genutzte Handbuch sowie dessen Onlinedatenbank (hier wurden 2012 47.905 Seitenzugriffe verzeichnet) im Wesentlichen zuverlässig recherchiert sind.

Für die Auswahl der Autoren für einzelne Beiträge sind die Herausgeber verantwortlich. Der Bundesstiftung Aufarbeitung war die IM-Tätigkeit Volker Kluges nicht bekannt. Herr Volker Kluge ist seit der 4. Ausgabe 2006 als Autor in "Wer war wer in der DDR?" vertreten. In den vergangenen sieben Jahren ist uns keine inhaltliche Kritik an den Beiträgen von Herrn Volker Kluge seitens der Nutzer bekannt geworden. Die von Ihnen erwähnten Auslassungen in den Biographien von Günter Erbach und Dietrich Hannemann waren in der Bundesstiftung Aufarbeitung bis zu Ihrer Anfrage nicht bekannt. Aus Sicht der Stiftung hätten diese Verurteilungen nach dem Konzept von "Wer war Wer in der DDR?" in den Kurzbiographien Erwähnung finden müssen.

Wir haben die Herausgeber informiert und um eine Stellungnahme gebeten. Weiterhin haben wir die Herausgeber aufgefordert, uns kurzfristig die erforderlichen inhaltlichen Ergänzungen zu den Einträgen Erbach und Hannemann wie auch zum Eintrag Volker Kluge zu übermitteln. Sobald diese Informationen vorliegen, werden die Einträge in der Datenbank entsprechend ergänzt. Im Rahmen der Frist, in der Sie unsere Antwort erbeten haben, war seitens der Herausgeber eine Reaktion auf unsere Anfragen nicht möglich.

Nachtrag:

Nachdem der Bundesstiftung Aufarbeitung durch die Herausgeber des biographischen Lexikons „Wer war Wer in der DDR?“ entsprechende Ergänzungen übermittelt wurden, konnten die Datenbankeinträge von Günter Erbach, Dietrich Hannemann und Volker Kluge ergänzt werden. Der verantwortliche SPIEGEL-Redakteur erhielt noch am 11. April, also innerhalb der erbetenen Erklärungsfrist und rechtzeitig vor Drucklegung der aktuellen Ausgabe des Magazins, die folgende Mitteilung per E-Mail:

Haben Sie noch einmal herzlichen Dank für die Hinweise bezüglich der Biographien der Herren Erbach, Hannemann und Kluge im Lexikon "Wer war wer in der DDR?". Der zuständige Herausgeber hat diese geprüft und entsprechende Korrekturen in der Datenbank bei uns veranlasst.

Weiterhin hat eine erste Überprüfung der von Herrn Kluge verfassten Biographien durch die Herausgeber ergeben, dass in zahlreichen anderen Fällen auf IM-Tätigkeit und Verurteilungen wegen Dopings hingewiesen wird.

Nachtrag: Die Herausgeber des biographischen Lexikons "Wer war Wer in der DDR?" haben eine eigene Stellungnahme zu den Vorwürfen veröffentlicht, die hier zu finden ist.