Bildungskatalog: SED-Diktatur und deutsche Teilung

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Jugendliche Inoffizielle Mitarbeiter (IM) am Beispiel des IM "Shenja"

Art des Materials

Materialheft mit Arbeitsbögen für den Unterricht

Kurzbeschreibung

Ziel der SED-Führung war es, die Jugendlichen in der DDR zu "sozialistischen Persönlichkeiten" zu erziehen. Sie sollten vom sozialistischen Ideal zutiefst überzeugt sein. Gelang diese Anpassung an das System nicht aus freien Stücken, setzte ein umfangreicher staatlicher Disziplinierungsapparat ein, der auf allen Ebenen - nicht nur beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) - aktiv war. Dazu gehörten die Schule, Jugendorganisationen, Jugendwerkhöfe und eben das MfS. Das MfS selbst setzte sogar Jugendliche als Spitzel ein, am Gesamtbestand der Inoffiziellen Mitarbeiter von zuletzt insgesamt 173 000 hatten sie schätzungsweise einen Anteil von zehn Prozent.
Ein solcher Fall wird in dem vorliegenden Quellenheft aus einer MfS-Akte vorgestellt. Anhand dieser Akte lässt sich der Weg von der Kontaktaufnahme des MfS über die Verpflichtung einer Schülerin bis zu den von ihr an das MfS gelieferten Berichten nachvollziehen. Die Mutter der späteren inoffiziellen Mitarbeiterin war 1959 von Rostock nach Hamburg umgezogen. Als sie 1961 zu Besuch in die DDR zurückkehrte, wurde ihr die Rückreise nach Hamburg verweigert. Eingestuft als "Republikflüchtling" sah sie sich wiederholt Repressalien ausgesetzt. In der DDR wurde ihre Tochter geboren. 1971 stellte die Mutter einen Ausreiseantrag, 1973 wurde sie wegen asozialen Verhaltens zu zehn Monaten Haft verurteilt und die neunjährige Tochter in ein Heim eingewiesen. Nach der Haft wurde die Mutter ohne ihre Kinder in die Bundesrepublik Deutschland entlassen. Versuche, die Kinder ebenfalls in die Bundesrepublik zu holen, scheiterten. Im Jahre 1980 nahm das MfS Kontakt zur Tochter auf, 1981 verpflichtete sich die Schülerin als IM "Shenja" der Staatssicherheit und blieb auch als Studentin als IM aktiv, bis 1987 die Zusammenarbeit beendet wurde.

Didaktische Aufbereitung

Das in der Reihe "Quellen für die Schule" der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen erschienene Arbeitsheft enthält einen umfangreichen Auszug aus der Personalakte und der Arbeitsakte von "Shenja". Er eignet sich zur Verwendung im Unterricht. Dazu gibt es Schülerarbeitsbögen mit Arbeitsaufträgen für Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit. Mit Hilfe dieser Materialien soll den Fragen nachgegangen werden, warum "Shenja" vom MfS angeworben wurde, welche Motive sie selbst gehabt haben könnte, welche Legende sie entwickelt hat und wie ihre Tätigkeit während des Studiums aussah.

Herausgeber/Institution

Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU)

Bibliographische Angabe, Technische Hinweise

Jugendliche Inoffizielle Mitarbeiter (IM) am Beispiel des IM "Shenja". Auszug aus einer Akte des MfS. Hrsg. von der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik Berlin 2004 (= Reihe BStU für Schulen, Quellen für die Schule 1)

Bezugsmöglichkeit, Preis

Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR

Verwendbar für Klassenstufe:

5-10, 11-13

Verwendbar im Unterrichtsfach/in den Unterrichtsfächern:

Geschichte

Material behandelt folgende(s) Jahrzehnt(e):

1960er, 1970er, 1980er