Sowjetische Straf- und Arbeitslager: »Gulag«

Wer "Gulag" hört, denkt an unmenschliche Lebensbedingungen, schwere körperliche Arbeit, drakonische Strafen, Mangelernährung, Erschöpfung, Krankheit, Tod. Der Begriff Gulag ist zum Synonym für das sowjetische Repressionssystem geworden, dem Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Die Abkürzung Gulag steht für das russische "Glavnoe Upravlenije Lagerej" und bedeutet "Hauptverwaltung der Lager". Es bezeichnet ein umfassendes System von Straf- und Arbeitslagern ("Besserungsarbeitslager") sowie Verbannungsgebieten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, das in den 1920er Jahren eingerichtet und systematisch ausgebaut wurde. Bis Mitte der 1950er Jahre durchliefen schätzungsweise 20 Millionen Menschen das Lagersystem, welches zu diesem Zeitpunkt mehr als 200 Standorte, zumeist in den unwirtlichen Gegenden Sibiriens und des Hohen Nordens, umfasste.

Die genaue Zahl der Todesopfer ist unbekannt. Die sowjetische Führung nahm den Tod der Insassen infolge der katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen billigend in Kauf, andere überlebten bereits die Deportation nicht oder wurden, insbesondere während des Großen Terrors der Jahre 1937/38, hingerichtet.

Nicht nur vermeintliche und tatsächliche politische Gegner aus der Sowjetunion kamen in die Lager des Gulag oder der Verbannung. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden hunderttausende Menschen aus allen sowjetisch besetzten Gebieten sowie Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit in den Gulag verschleppt. Darunter befanden sich auch deutsche Staatsangehörige. Allein im Lagerkomplex Workuta am nördlichen Polarkreis waren zeitweilig bis zu 50.000 Deutsche inhaftiert. Nach Kriegsende brachten neue Repressionswellen hunderttausende Menschen erneut in die Lager.

Unter unmenschlichen Bedingungen wurde die Arbeitskraft der Lagerinsassen für die infrastrukturelle und industrielle Erschließung erbarmungslos ausgebeutet. Das Gulag-System entwickelte sich damit zu einem wichtigen Wirtschaftsunternehmen in der Sowjetunion.

Nach dem Tod des sowjetischen Diktators Stalins wurden große Teile des Gulags aufgelöst. Viele Insassen kamen im Zuge von Amnestien bis Ende der 1950er Jahre frei. Die westdeutsche Regierung unter Konrad Adenauer erwirkte im Oktober 1955 die Entlassung der letzten 10.000 deutschen Häftlinge. Gleichwohl bestanden die Arbeitslager bis zum Ende der Sowjetunion weiter.

Die Bundesstiftung Aufarbeitung versammelt in diesem Themenschwerpunkt Zeitzeugenerinnerungen und Veranstaltungsmitschnitte. Es werden einschlägige Ausstellungen, filmische Dokumentationen und weiterführende Internetportale vorgestellt sowie eine Bestandsübersicht zur Literatur bereitgestellt, die in der stiftungseigenen Bibliothek zur Nutzung zur Verfügung steht.

Gulag Sowjetunion Stalin / Stalinistischer Terror Workuta