1956 – die ungarische Revolution: 60. Jahrestag der ungarischen Revolution am 23. Oktober 1956

Im Herbst 2016 jährt sich die ungarische Revolution zum 60. Mal. Sie zählt zu den wichtigsten Erhebungen gegen die kommunistischen Diktaturen hinter dem Eisernen Vorhang. Wie zuvor der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR und später der „Prager Frühling“ 1968 in der Tschechoslowakei, wurde auch die Revolution in Ungarn durch das brutale Eingreifen des sowjetischen Militärs gewaltsam niedergeschlagen.

Im Zuge des „Tauwetters“, der von Staats- und Parteichef der Sowjetunion Nikita Chruschtschow auf dem XX Parteitag der sowjetischen Kommunistischen Partei im Februar 1956 eingeleiteten Entstalinisierung, war es bereits im Juni 1956 zu einem Aufruhr der Posener Arbeiter gegen das kommunistische Regime gekommen. Auch in der ungarischen Gesellschaft machte sich nach dem XX Parteitag eine Aufbruchsstimmung breit.

Am 23. Oktober 1956 versammelten sich Studenten in Budapest, um ihre Solidarität mit den Reformen in Polen zu bekunden. Sie forderten freie Wahlen, die Freilassung aller politischen Häftlinge, die Abschaffung der Zensur und den Abzug sowjetischer Truppen aus dem Land. Das brutale Vorgehen der Staatssicherheit gegen die Demonstranten ließ die friedliche Massenkundgebung in einen bewaffneten Konflikt umschlagen. Für die Moskauer Führung bestand die Gefahr, Ungarn könne sich aus ihrem Machtbereich lösen. Am Morgen des 24. Oktober versuchten deshalb die im Land stationierten sowjetischen Truppen die Reformbewegung mit Gewalt einzudämmen. In zahlreichen Städten bildeten sich dennoch Revolutionskomitees und Arbeiterräte. Die Erhebung wandelte sich binnen weniger Tage zu einem nationalen Freiheitskampf des ungarischen Volkes gegen die „sowjetische Besatzungsmacht“. Vier Tage später, am 28. Oktober 1956, zogen sich die sowjetischen Truppen vorerst aus Budapest zurück. Als sich aber die neu gebildete Regierung unter dem populären Reformkommunisten und Ministerpräsidenten Imre Nagy auf die Seite der Aufständischen stellte und am 1. November die Neutralität Ungarns sowie den Austritt des Landes aus dem Warschauer Pakt verkündete, entschloss sich die sowjetische Führung zur gewaltsamen Niederschlagung der Erhebung. In den Morgenstunden des 4. November 1956 rollten sowjetische Panzer erneut ins Land ein. Die Aufständischen leisteten gut eine Woche lang erbitterten Widerstand gegen den übermächtigen Feind: Am 11. November 1956 war die Erhebung niedergeschlagen; sie hatte auf ungarischer Seite rund 2.500 Todesopfer und fast 20.000 Verletzte gefordert. Auf sowjetischer Seite kamen über 700 Soldaten ums Leben, weitere 1.450 wurden verletzt.

Obwohl die Revolution nur wenige Tage dauerte, hinterließ sie in der ungarischen Gesellschaft tiefe Spuren. Unter dem von Moskau eingesetzten Kommunisten János Kádár setzte eine Verfolgungs- und Terrorwelle gegen Anhänger und Sympathisanten der Revolution ein. In Schauprozessen wurden bis 1958 wichtige Persönlichkeiten der Reformbewegung, unter anderem Imre Nagy, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Insgesamt ergingen 800 Todesurteile, 400 von ihnen wurden vollstreckt. Etwa 15.000 Personen kamen in Arbeitslager, 20.000 Menschen mussten langjährige Haftstrafen verbüßen. Rund 200.000 Ungarn flohen aus dem Land.

Der Wunsch, die Ereignisse des Oktobers 1956 für die Nachwelt festzuhalten, entstand bereits während der Revolution. Schon am 24. Oktober 1956 errichteten die Einwohner der südungarischen Stadt Baja auf dem Sockel eines gestürzten Stalin-Denkmales ein Mahnmal für die Opfer der ersten Kämpfe in Budapest. Es wurde wie andere Zeugnisse der Aufständischen auch nach dem Einmarsch der Interventionstruppen zerstört. Die Revolution wurde offiziell zu einem Putsch umgedeutet und das Gedenken an die Erhebung in den nächsten Jahrzehnten verboten. Unter den tausenden Flüchtlingen im Westen blieb die Erinnerung jedoch gegenwärtig. Das erste Mahnmal entstand ebenfalls noch während der Revolution am 24. Oktober 1956 in Bolzano (Italien). Ihm folgten in den kommenden Jahrzehnten dutzende weitere auf allen Kontinenten. Mit dem Sturz des sozialistischen Regimes 1989 kehrte die Erinnerung an die Revolution nach Ungarn zurück. Es entstanden seither zahllose Gedenkorte, die auf die Initiative verschiedener Vereine, Parteien vor allem aber ehemaliger Aufständischer und deren Angehörige zurückgehen.

In diesem Themenschwerpunkt finden Sie neben weiterführenden Informationen zum Thema auch eine Auswahl historischer Fotografien zu den revolutionären Ereignissen im Herbst 1956. Außerdem hat die Bundesstiftung Aufarbeitung im Rahmen ihres Dokumentationsprojekts „Erinnerungsorte an die kommunistischen Diktaturen“ bereits zum 50. Jahrestag der Revolution 2006 die Übersicht „Erinnerungsorte an die Ungarische Revolution 1956 (Budapest)“ erarbeitet. Darin vorgestellt werden über 90 Gedenkzeichen, die in der ungarischen Hauptstadt an die dramatischen Ereignisse im Oktober 1956 erinnern. Dargestellt werden die Erinnerungsorte dabei nicht nur in ihrem heutigen Erscheinungsbild, sondern auch im Kontext der historischen Ereignisse. Die Dokumentation steht hier [21,6 MB] zum Herunterladen bereit. Sie ist außerdem als Online-Datenbank verfügbar.