Nachlese zur 8. Geschichtsmesse 2015

LogoVom 29. bis 31. Januar 2015 lud die Bundesstiftung Aufarbeitung zur 8. Geschichtsmesse unter dem Titel "25 JAHRE DEUTSCHE EINHEIT" ins thüringische Suhl ein.

Den 25. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands nahmen wir zum Anlass, einerseits eine Bilanz des Vereinigungsprozesses zu ziehen. Andererseits fragten wir auf der sehr gut besuchten Tagung nach den Errungenschaften und Problemen der Erinnerungskultur: Welche Erfahrungen einen die Menschen in Europa, welche trennen sie voneinander? Außerdem wurde in mehreren Gesprächsrunden diskutiert, auf welche Weise das Spannungsverhältnis von Demokratie und Diktatur nach 1945 im Schulunterricht und in außerschulischen Bildungseinrichtungen genutzt werden kann.

Die Geschichtsmesse ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung, die jeweils einem Thema der deutsch-deutschen Geschichte im europäischen Kontext gewidmet ist. Die dreitägige Fachtagung zählt jährlich mehr als 300 Besucherinnen und Besucher. Sie vertreten deutschlandweit Kulturämter, Schulen, Volkshochschulen und Bildungseinrichtungen aller Art, sie kommen aus Kultusministerien, aus Aufarbeitungsinitiativen und Geschichtsvereinen, aus Lehrerfort- und Weiterbildungsinstituten und aus der Wissenschaft. Auf der dreitägigen Veranstaltung können eigene Projekte und Initiativen vorgestellt werden. Ziel der Tagung ist es, eine möglichst breite, öffentliche Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Zeitgeschichte zu befördern.

Informationen zur Geschichtsmesse 2015 zum Download:

Programm der Gesamtveranstaltung [120 KB]
Übersicht der Projektpräsentationen [90 KB]
Lesebuch [11,3 MB] mit ausführlichen Informationen zur gesamten Veranstaltung
Plakat der Geschichtsmesse 2015 [3,6 MB]


geschichtsreporter.de:
Die „Geschichtsreporter“ haben drei Tage lang live und vor Ort von der Geschichtsmesse berichtet. Die Jugendredaktion aus Hamburger Schülerinnen und Schüler interviewten, fotografierten und filmten. Begleitet wurden sie von dem Team der Kooperative Berlin. Das Projekt wird von der Bundesstiftung Aufarbeitung gefördert. Die untenstehenden Videos sind Ergebnis ihrer Reporterarbeit auf der Geschichtsmesse.

1. Tag der Geschichtsmesse, 29. Januar 2015

Eröffnet wurde die 8. Geschichtsmesse am Nachmittag des 29. Januar 2015 von Dr. Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung und Dr. Jens Triebel, Oberbürgermeister der Stadt Suhl. Nach einer thematischen Einführung durch Dr. Jens Hüttmann von der Bundesstiftung Aufarbeitung hielt Dr. David Clarke von der University of Bath den Eröffnungsvortrag zum Thema „Geteilte Erinnerung im vereinten Deutschland“. Im Zentrum der ersten Podiumsdiskussion auf der Geschichtsmesse stand anschließend die Frage „Was bedeutet gemeinsames Erinnern 25 Jahre nach der deutschen Einheit?". Dr. David Clarke diskutierte mit Dr. Frank Hoffmann (Institut für Deutschlandforschung, Ruhr Universität Bochum), Dr. Julia Landau (Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora) und Prof. Dr. Heinrich Oberreuter über die erinnerungskulturelle Realität in Deutschland und Europa.
Der erste Abend endete mit einer öffentlichen Präsentation des Multimedia-Projekts „Die Revolution und ihre Kinder – Ostdeutschland eine Generation später“ durch Patrick Stegemann (Kooperative Berlin e.V.) und einem Gespräch mit den Protagonisten des Projekts Wolfgang Triebe und Mirjam Triebe. Die Sprecherin Adele Schlichter trug Passagen aus Texten und Interviews vor.

 

Eindrücke von Maleen Harten [50 KB], Studentische Mitarbeiterin in der Bundesstiftung Aufarbeitung zum Eröffnungsvortrag von Dr. David Clarke -

Eröffnungspodium „Was bedeutet gemeinsames Erinnern“ am 29.1. – Eindrücke von Philip Wulkow [50 KB], FSJ in der Bundesstiftung Aufarbeitung

„Herr Clarke, erklären Sie mal…“
Interview auf geschichtsreporter.de mit Dr. David Clarke

2. Tag der Geschichtsmesse, 30. Januar 2015

Der zweite Tag der Geschichtsmesse stand traditionell im Zeichen der Projektpräsentationen. Mehr als 55 aktuelle Mendienangebote, Publikationen, Ausstellungen und Projekten der historisch-politischen Bildungsarbeit wurden im Laufe des Tages präsentiert. Schülerinnen und Schüler aus Berlin, Zwickau, Witzenhausen und von verschiedenen Schulen in Sachsen stellten ihre Arbeiten vor. Dr. Carmen Everts, Hessische Staatskanzlei – Stabsstelle Bundesratspräsidentschaft, bot einen Einblick in das Veranstaltungs- und Informationsangebot des Landes Hessen zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit. Kathrin Klausmeier (Ruhr Universität Bochum) und Norbert Hanisch (TU Dresden) hatten zu einem Diskussionsforum eingeladen: „Jugendliche aus den Neuen Bundesländern und die DDR: Aktuelle Diskussionslinien und empirische Befunde.“
Am Abend führten Michael Geithner und Martin Thiele, DDR Museum Berlin, in das Spiel „Bürokratopoly – Ein Lehr-Spiel aus der DDR“ ein. Im Gespräch erzählte Dr. Martin Böttger von seiner Idee zum Spiel Anfang der 1980er Jahre. Sabine Börner-Grimm berichtete von Spieleabenden unter Oppositionellen. Anschließend würfelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Geschichtsmesse selbst um die Machtpositionen bis hin zum Posten des SED-Generalsekretärs.

 

Im Interview:
Schülerinnen und Schüler der Johannisberg-Schule Witzenhausen und des 3. Sächsischen Geschichtscamps präsentieren ihre Projekte und stellten sich den Fragen der geschichtsreporter.de

3. Tag der Geschichtsmesse, 31. Januar 2015

Der letzte Tag der Geschichtsmesse begann mit einem Vortrag von Prof. Dr. Bettina Alavi (Pädagogische Hochschule Heidelberg) zum Thema „Demokratie als Unterrichtsgegenstand und -prinzip". Das abschließende Podiumsgespräch drehte sich um die Frage „25 Jahre nach der Einheit – DDR-Geschichte im Klassenzimmer zwischen Verdammung und Ostalgie?". Prof. Dr. Bettina Alavi, Dr. Michaela Hänke-Portscheller (Zentrum für Schulpraktische Lehrausbildung Detmold, Brackweder Gymnasium Bielefeld) und Christian Dietrich (Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur beim Thüringer Landtag) diskutierten die Möglichkeiten und Grenzen der Vermittlung der deutschen Teilungsgeschichte im Schulunterricht.
Zwei der aktuellesten Fragestellungen der Geschichtsmesse waren: Was bedeutet es für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, wenn ein Politiker der Linkspartei ein ostdeutsches Bundesland regiert? Wie lauten die Perspektiven und Herausforderungen der Diktaturaufarbeitung? Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow stellte sich in einem Streitgespräch mit Rainer Eppelmann, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Aufarbeitung, den Fragen nach dem Umgang mit der Diktatur in SBZ und DDR.

 

„Die Jugend ist wichtig, um Brücken zu bauen.“
Geschichtsreporter Niklas interviewt den Thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow auf der 8. Geschichtsmesse

„Gegenwart und Zukunft der Aufarbeitung der SED-Diktatur“
Mitschnitt des Streitgesprächs zwichen Bodo Ramelow, Ministerpräsident Thüringen, und Rainer Eppelmann, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Aufarbeitung