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Braun, Otto

* 28.9.1900, † 15.8.1974
1. Sekretär des Schriftstellerverbandes

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Ismaning (b. München); Vater Buchhalter, Mutter Lehrerin; 1906 – 13 Volksschule in Weyarn (Krs. Miesbach); 1913 – 19 Lehrerbildungsanstalt in Pasing (b. München), Lehrer; 1917 Hilfsarb. u. Schreiber beim Vaterländ. Hilfsdienst in München; 1918 Militärdienst; Dez. 1918 Mitgl. der Freien Soz. Jugend, bis 1919 Mitgl. der BL Bayern; April 1919 KPD; 1919 – 26 mit Unterbrechung Ltg.-Funktionen im Abwehr- u. Nachrichtendienst der KPD bzw. militär.-pol. Apparat der KPD; 1919 – 21 Gelegenheitsarb. in Hamburg; an der Errichtung der Bayr. Räterep. u. 1921 an den Mittelostdt. Aufständen beteiligt; 1922 wegen »Aktenraubs bei russ. Weißgardisten« zu sieben Mon. Gefängnis verurteilt; 1921 – 26 Red. der KPD-Presse, 1923 in Suhl; 1921 – 23 Mitarb. der Informations-Abt. des ZK der KPD; zeitw. Ortssekr. der KPD in Thür.; Anf. 1924 Org.-Sekr. der illeg. KPD-BL Thür., verantw. für die »Proletar. Hundertschaften« in Süd-thür.; Frühj. 1924/25 Abwehrltr. des zentr. M-Apparates der KPD in Berlin; 1925/26 Mitarb. der Auslandsabt. des sowj. Nachrichtendienstes GRU in Berlin (»Spezialaufträge«); bis 1926 Mitgl. der Nachrichtenzentr. (NZ) der KPD (»Karl O. Wagner«); 1926 – 28 wegen »Hochverrats« in U-Haft bzw. Gefängnis in Berlin-Moabit; April 1928 durch eine Spezial-Gruppe des M-Apparates (zu der auch Olga Benario gehörte) befreit u. nach Moskau geflohen; ab 1928 staatenlos; 1928/29 Proletar. Schützendiv. in Moskau; 1929 – 32 Hörer an der Frunse-Militärakad. in Moskau, Rgt.-Kdr., unterrichtete zeitw. parallel militär. Fächer an der Internat. Lenin-Schule in Moskau u. auf Spezialkursen (M-Schule); April – Dez. 1932 Resident der 4. HV des Gen.-Stabs der Roten Armee (militär. Nachrichtendienst GRU) in Charbin (China); 1932 – 39 im Auftrag der GRU militär. Berater der KI u. Offz. der Roten Bauernarmee in China (»Li De«, »Hua Fu«); ab 1933 in Schanghai, 1934 – 39 im Innern Chinas; Teiln. am »Langen Marsch« der chin. Roten Armee u. am antijapan. Krieg; in dieser Zeit umfgr. Publ. u. militärpol. Prop., die ins Chinesische übersetzt wurden; Ende 1939 nach Moskau; Dez. 1939 strenge Rüge mit Verwarnung für »militär. Fehler« während seines Einsatzes 1934 in China vor der IKK der KI; Dez. 1939 – 41 dt. Übersetzer u. Red. u. als engl. Kontrollred. im Verlag für fremdspr. Lit. in Moskau; 1941 – 46 Polit-Instrukteur des sowj. Innenmin. in versch. Kriegsgefangenenlagern (unter dt., später auch unter japan. Offz.), Mitgl. des NKFD; 1946 – 48 Lehrer an der Zentr. Antifa-Schule in Krasnogorsk; Sommer 1948 – 51 Übersetzer zahlr. russ. Bücher (z. B. Scholochow »Ein Menschenschicksal«) im Verlag für fremdspr. Lit. in Moskau u. Krasnogorsk; Nov. 1948 – 54 sowj. Staatsbürgerschaft; 1951 – 54 freier Schriftst. in Moskau u. Krasnogorsk; ab 1952 Mitgl. des sowj. Schriftst.-Verb.
1.6.1954 nach wiederholtem Bemühen Rückkehr in die DDR; SED; 1954 – 61 wiss. Mitarb. des späteren IML beim ZK der SED u. verantw. Red. für die dt. Ausgabe der Werke W. I. Lenins; Mitarb. des Vorst. der Ges. zur Verbreitung wiss. Kenntnisse, Mitgl. des Büros des Präs.; 1961 Mitgl. des Vorst. des DSV, 1961 – 63 dessen 1. Sekr. (Nachf. von  Erwin Strittmatter), nach internen Auseinandersetzungen im DSV abgesetzt; 1961 Ruhestand; schrieb anschl. seine Memoiren als wiss. Mitarb. des IML; 1967 VVO; 1969 NP (im Koll.), April 1970 sowj. Orden des Vaterländ. Krieges; 1970 KMO; Nov. 1970 Lenin-Erinnerungsmedaille; gest. in Warna (Bulgarien).

Publ.: In der Münchner Freien Soz. Jugend. Berlin 1959; Chinesische Aufzeichnungen (1932 – 1939). (Autobiogr.). Berlin 1973.
Sek.-Lit.: Mader, J.: O. B. – leidenschaftlicher Internationalist. In: Horizont (1974) 38; Litten, F. S.: O. B. frühes Wirken in China (1932 – 1935). München 1988; ders.: O. B. in Dtl. In: IWK (1991) 2; ders.: O. B. Curriculum Vitae – Translation and Commentary. In: Twentieth-Century China, Nov. 1997.
BRB; WiO

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Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 28. September 1900 in Ismaning bei München, Sohn eines Buchhalters, der bereits 1901 verstarb. Er besuchte (Freistelle) die Lehrerbildungsanstalt Pasing. 1917 dem »Vaterländischen Hilfsverein« beigetreten, wurde er 1918 eingezogen und kam als Soldat an die Front. Im Dezember 1918 Mitglied der FSJ. Im April 1919 Mitglied der KPD. Wegen Teilnahme an den Kämpfen der Münchner Räterepublik flüchtete Braun und hielt sich bis Frühjahr 1921 in Norddeutschland auf, wirkte u. a. in Hamburg als Referent der BL Wasserkante. Nach dem Kapp-Putsch schloß sich Braun zeitweilig der KAPD an, kehrte im Herbst 1920 aber zur KPD zurück. Von Frühjahr 1921 bis 1923 im AM-Apparat der Zentrale der KPD angestellt. Braun wurde am 28. Juli 1921 wegen eines von ihm organisierten Aktenraubs bei dem weißgardistischen Oberst Freyberg in Untersuchungshaft genommen, aber auf Kaution freigelassen. Vor Gericht behauptete er, nur zum Schein mit Kommunisten zu verkehren, in Wirklichkeit sympathisiere er mit den Rechtsparteien. Am 9.Mai 1922 zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, ging auf Anweisung der KPD in die Illegalität. Volontär beim Pressedienst der KPD bzw. Redakteur der Parteizeitung »Volkswille« in Suhl. Anfang 1924 Orgsekretär für die illegale BL Thüringen. 1923/24 Anhänger der Mittelgruppe, nach dem IX. Parteitag 1924 wieder in den Apparat des ZK übernommen. Als Leiter der Abwehr führte er »Spezialaufträge« durch und schrieb Artikel in der militärpolitischen Zeitschrift »Oktober«. Am 10.September 1926 als sogenannter Reichsnachrichtenleiter der KPD in Berlin verhaftet, er blieb eineinhalb Jahre in Untersuchungshaft. Der Prozeß im Mai 1928 gegen Braun sollte die illegale Arbeit der KPD enthüllen. Doch am 11.April 1928 gelang es der KPD, ihn in einem Handstreich durch fünf Bewaffnete gewaltsam aus der Untersuchungshaft zu befreien, er floh mit seiner Freundin Olga Benario nach Moskau. Dort lebte er unter dem Decknamen Wagner. Ab Sommer 1928 in Moskau militärische Ausbildung, anschließend Kursant an der Frunse-Kriegsakademie, die er 1932 mit »Auszeichnung« und dem Dienstgrad Regimentskommandeur abschloß.
Im April 1932 entsandte ihn die Komintern nach Charbin/China. Hier war Braun zunächst Resident der GRU, fungierte von Herbst 1932 bis 1939 als militärischer Berater des EKKI-Vertreters (1932–1934 war das Arthur Ewert) beim ZK der KP Chinas. Braun war der einzige deutsche Teilnehmer des legendären »langen Marsches« von Maos Armee. Ende 1939 nach Moskau zurückgekehrt, erhielt er durch die IKK eine strenge Rüge wegen angeblicher fachlicher und politischer Fehler 1934 in China. Er war bis Oktober 1941 Übersetzer und Redakteur im Moskauer Verlag für fremdsprachige Literatur. Bis Frühjahr 1946 Politinstrukteur in verschiedenen Kriegsgefangenenlagern für deutsche und später auch japanische Offiziere. Von 1948 bis 1954 erneut im Verlag für fremdsprachige Literatur, wurde 1948 sowjetischer Staatsbürger. Im April 1952 in den sowjetischen Schriftstellerverband aufgenommen, lebte er bis Mai 1954 als freier Schriftsteller in Moskau. Nach wiederholten Bemühungen übersiedelte Otto Braun im Juni 1954 in die DDR und wurde Mitglied der SED. Mitarbeiter am IML, Übersetzer zahlreicher russischer Bücher und ein verantwortlicher Redakteur für die deutsche Ausgabe der Werke W. I. Lenins, von 1961 bis 1964 Erster Sekretär des Schriftstellerverbandes der DDR. Im »Neuen Deutschland« vom 27. Mai 1964 wandte er sich scharf gegen die chinesische Führung. Unter der Überschrift: »In wessen Namen spricht Mao Tse-tung?« griff er seine ehemaligen chinesischen Genossen an, deren Politik ihn »schmerzlich berühre«. 1970 erhielt er den Karl-Marx-Orden. Otto Braun starb am 15. August 1974 während eines Erholungsaufenthalts in Warna/Bulgarien.

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