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Broh, James

* 9.11.1867, † 1942

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 9. November 1867 in Perleberg/ West-Prignitz. Nach dem Studium Rechtsanwalt in Berlin, dann Justizrat. Stadtverordneter in Charlottenburg, ab 1917 führend in der USPD, linker Kritiker bei den Programmdebatten. 1920 trat Broh zur KAPD über, dort mit Franz Pfemfert und Otto Rühle Vertreter der »Einheitsorganisation« (Allgemeine Arbeiter-Union). Auf dem Parteitag der KAPD im Februar 1921 in Gotha stand im Mittelpunkt der Streit zwischen dem »föderalistischen Flügel«, den Broh zusammen mit Pfemfert vertrat, und dem »zentralistischen Flügel« mit Karl Schröder, Alexander Schwab und Fritz Rasch. Broh und Pfemfert verließen die KAPD und führten die AAU-E, 1926/27 gehörten sie mit Iwan Katz zum »Spartakusbund II«. Broh veröffentlichte politische und theoretische Artikel in der »Aktion«, etwa 1925 gegen Otto Rühle, vor allem aber wandte er sich gegen KPD und SPD. Er gehörte zu den engagiertesten Strafverteidigern von radikalen Kommunisten in der Weimarer Republik, war 1921 einer der Verteidiger von Max Hoelz. 1930 vorübergehend Mitglied der KPD, Zusammenarbeit mit der Roten Hilfe. Sofort nach dem Reichstagsbrand verhaftet und in einem der SA-Keller in Charlottenburg mißhandelt, erlitt er eine schwere Augenverletzung. Seine Frau Rosa (* 4. 10. 1863) erreichte seine Freilassung. Nach Ausschluß aus der Rechtsanwalt-Kammer flüchtete Broh 1933 zunächst in die Tschechoslowakei, anschließend nach Paris. Mitarbeit an antifaschistischen Blättern (»Das neue Tagebuch«) und in kleinen sozialistischen Gruppen, z. B. der von Willi Eichler geleiteten »Sozialistischen Warte« des ISK. Am 26. Oktober 1937 von der NS-Regierung ausgebürgert, lebte er mit seiner Frau nach dem Einmarsch der Wehrmacht zurückgezogen und starb im Sommer 1942 in Paris an einer Lungenentzündung. Henry Walter Brann widmete ihm in der Zeitschrift »Aufbau« im Oktober 1942 einen Nachruf, in dem es u. a. hieß: »Broh gehörte Zeit seines Lebens zu den wenigen selbstlosen und nur der Sache hingegebenen Politikern, die man auch auf der Linken mit der Laterne suchen mußte. Wäre er weniger gewissenhaft und nicht so vollständig integral gewesen, so hätte er zu den höchsten Posten aufsteigen können.«
(* 1903 – † 1942?)
Geboren am 28. November 1903 in Bernau bei Berlin; lernte das Schlosserhandwerk. 1923 wurde er Mitglied der KPD und arbeitete ehrenamtlich als Funktionär im Arbeitersport und im RFB. Von Dezember 1928 bis Dezember 1929 Orgleiter des 5. Verwaltungsbezirks der KPD in Berlin-Friedrichshain, anschließend Kassierer im KPD-UB Ost. Im Dezember 1930 vom Reichsgericht zu Festungshaft verurteilt, entzog sich Brückmann dieser Strafe durch die Flucht in die Sowjetunion. Hier war er unter dem Emigrantennamen Albert Müller »Kader-Müller« zunächst im Mitteleuropäischen Ländersekretariat der Komintern tätig, später mit Grete Wilde als Referent für die KPD-Angelegenheiten in der Kaderabteilung der Komintern. Er nahm als Beobachter des Mitteleuropäischen Sekretariats an der »Brüsseler Konferenz« im Oktober 1935 in Moskau teil, wurde 1936 Mitglied der Kommission zur Überprüfung der Politemigranten. »Kader-Müller« war tief in die Säuberungen verstrickt, insbesondere wegen seiner vielen Untersuchungsberichte, die zum Parteiausschluß von hunderten KPD-Emigranten führten. Er gab aber auch »Mitteilungen« an das NKWD weiter, die zu Verhaftungen und Verurteilungen der KPD-Funktionäre genutzt wurden. Im Herbst 1938 geriet er selbst in die Säuberungen. Er wurde mit Grete Wilde verhaftet und am 7.April 1941 durch das Sondertribunal des NKWD zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Georg Brückmann kam in das Lager Kotlas bzw. nach Workuta, wo er 1942 verstorben sein soll. Das Militärtribunal des Moskauer Militärbezirks »rehabilitierte« ihn am 26. März 1958.
(* 1901 – † 1986)
Geboren am 29. Mai 1901 in Leipzig; Tischler, 1919 Mitglied der USPD, 1922 der KPD. Expedient bei der BL Westsachsen in Leipzig, später auch Portier des Parteihauses in Leipzig (Czermaks Garten), Mitarbeiter des AM-Apparates für Sachsen, Ende 1931 verantwortlich für die Zersetzung bzw. Aufklärung innerhalb der Polizei. Als Vorgänger von Karl Plesse gehörte Brüderlein mit zu den führenden AM-Apparate-Leuten in Sachsen, nach 1933 illegale Arbeit, ab Juni 1934 Leiter des AM-Apparates in Leipzig. Er emigrierte in die Tschechoslowakei, war Mitarbeiter der Roten Hilfe und machte Grenzstellen- und Kurierarbeit. Im März 1939 verhaftet, wurde er während der Gestapoverhöre zur Zusammenarbeit gepreßt. Brüderlein selbst wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Freilassung V-Mann der Leipziger Gestapo, maßgeblich an der Verhaftung von Leipziger Widerstandskämpfern beteiligt. Nach dem Einmarsch der Amerikaner Flucht aus Leipzig, zunächst nach Kornwestheim, später in Esslingen am Neckar wohnhaft, war dort Schreinermeister. Alfred Brüderlein starb am 19. Mai 1986 in Esslingen.

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Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
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