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Fichtmann, Leo

* 16.8.1873, † 27.5.1942

Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:


Geboren am 16. August 1873 in Elbing/Westpreußen, lernte Schlosser und arbeitete später als Steinmetz. Nach seiner Übersiedlung nach Berlin vor dem Ersten Weltkrieg in anarchistischen und linksradikalen Kreisen aktiv und mehrfach vorbestraft (Hausfriedensbruch, Aufruhr usw.). Er wurde wegen seines rabiaten und aggressiven Auftretens gegen den Krieg sogar zur Untersuchung seines »Geisteszustandes« in eine Irrenanstalt eingewiesen. Während der Revolution in Berlin durch seinen Radikalismus bekannt, gehörte er 1920 zu den Mitbegründern der KAPD und spielte auch in der AAU eine führende Rolle. Da er sich 1921 wie andere »Sozialrebellen« ( Max Hoelz, Karl Plättner) extremistisch für den organisierten Bandenkampf einsetzte, war er politisch isoliert. Ab Mai 1923 gab er dann die Zeitschrift »Der Arbeitslose« heraus. Leo Fichtmann sprach wiederholt im Berliner Friedrichshain und vertrat hier seine Ideen einer freien Gesellschaft, die ohne Staatsbürokratie und Parteien, allein auf der direkten Demokratie beruhen sollte. Bereits 1933 von den Nazis verhaftet und mißhandelt, wurde er nach dem Brandanschlag der Widerstandsgruppe um Herbert Baum im Lustgarten am 27. Mai 1942 erneut mit anderen Unbeteiligten verschleppt. Leo Fichtmann wurde am 28.Mai 1942 im KZ Sachsenhausen erschossen. Seine Frau Clara Fichtmann, geborene Fuchs (*6. 4. 1877), deportierten die Nazis am 6. Juni 1942 nach Theresienstadt. Von dort kam sie nach Auschwitz, wo Clara Fichtmann am 18. Mai 1944 ermordet wurde.

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