Andreas Pehnke: Max Kosler – Ein Kämpfer gegen Antisemitismus und ideologische Zwänge

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 351-360

Mit Max Kosler (1882-1966) wird an einen Brückenbauer für ein harmonisches deutsch-jüdisches Zusammenleben erinnert, der sich dem 1890 gegründeten „Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ anschloss. Er avancierte zum Reichsausschussmitglied und Mitherausgeber der Vereinszeitschrift. Zugleich wurde er Gründungsvorsitzender des Dresdner Ortsvereins. Innerhalb dieser Tätigkeitsfelder setzte sich der Volksschullehrer zuvörderst dafür ein, antisemitische Lügen wissenschaftlich fundiert zu widerlegen. Seine 1922 veröffentlichte Aufklärungsbroschüre „Deutschlands Jugend rette Deutschlands Zukunft!“ forcierte die Jugendarbeit im Abwehrverein. Dem von den Nazis im März 1933 entlassenen Pädagogen gelang es trotz wiederholter Gestapohaft, zahlreichen Juden ins Ausland zu verhelfen und Teile ihres Vermögens als Steuer- und Wirtschaftsberater zu sichern. Der im Mai 1945 zum Schulrat ernannte Kosler geriet rasch ins Visier der Stalinisten. Nach fortwährenden Konflikten mit der SED verlor er im Sommer 1948 seine Arbeit und im Dezember 1948 auch noch seine Freiheit: Wegen „antisowjetischer Tätigkeit“ wurde Kosler durch ein sowjetisches Militärtribunal zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach fünfjähriger Haft öffneten sich für ihn die Bautzner Zuchthaustore im Rahmen einer Amnestie. Sogleich folgte er seiner Familie nach Bayern.

Über den Autor

Andreas Eckhard Pehnke, geb. 1957, Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule Leipzig, 1984 Promotion, 1990 Habilitation mit Reformpädagogik-Themen, war als Erziehungswissenschaftler zunächst in Leipzig, Berlin und Halle / S. tätig, bevor er 1993 auf den o. g. Lehrstuhl an der Universität seiner Geburtsstadt Greifswald berufen wurde. Veröffentlichungen vor allem zum didaktisch-methodischen Gehalt der historischen Reformpädagogik und deren Rezeption in den internationalen Schulreformbestrebungen bis in die Gegenwart sowie zum Transformationsprozess in der deutschen Pädagogik, u. a.: Reformpädagogik aus Schülersicht. Dokumente eines spektakulären Chemnitzer Schulversuchs der Weimarer Republik [Bd. 43 der Grundlagen der Schulpädagogik">, Baltmannsweiler 2002; »Ich gehöre auf die Zonengrenze!« Der sächsische Reformpädagoge und Heimatforscher Kurt Schumann (1885–1970), Beucha (bei Leipzig) 2004.
Kontakt: pehnke@uni-greifswald.de