Gerhard Wettig: Der Kreml und die Machtkämpfe in der SED-Führung 1953–1958

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 146-158

Als Stalin seine Herrschaft und sein System in den abhängigen Staaten mit rabiater Repression durchgesetzt hatte, wurden loyale Kader der Verfolgung ausgesetzt. Spitzenfunktionäre wie Rákosi und Ulbricht gelang es, den Schlag von sich auf Rivalen in der Parteiführung abzulenken. Gegen Dahlem wurde nur eine langjährige Haftstrafe verhängt, da Stalins Nachfolgern Schauprozesse und Todesstrafen nach dem 17. Juni 1953 nicht mehr opportun erschienen. Ulbricht konnte Zaisser und Herrnstadt im Sommer 1953 und von Schirdewan und Wollweber 1957/58 ausschalten, weil er über bessere Verbindungen nach Moskau verfügte und sich dort als zuverlässiger Anwalt des sowjetischen Interesses darzustellen verstand, welcher den "Verrätern" bzw. unsicheren Kantonisten an der Spitze der SED entschlossen entgegentrat.

Über den Autor

Dr. phil. Gerhard Wettig, geb. 1934 in Gelnhausen, 1966 bis 1999 zunächst Referent, dann Leiter des Forschungsbereichs Außen- und Sicherheitspolitik am Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien in Köln, 1990 bis 1999 Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift Außenpolitik, 1998 bis 2003 Mitglied der Gemeinsamen Kommission zur Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen. Zahlreiche Veröffentlichungen über die sowjetische Deutschland-Politik seit dem Zweiten Weltkrieg, über die innerdeutschen Beziehungen in der Zeit der nationalen Spaltung und über Probleme des Kalten Kriegs in Europa. Jüngste Veröffentlichungen: Bereitschaft zu Einheit in Freiheit? Die sowjetische Deutschland-Politik 1945 bis 1955, München 1999; Chruschtschows Berlin-Krise 1958 – 1963. Drohpolitik und Mauerbau, München 2006.
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