Jean-François Fayet: Eine internationale Sprache für die Weltrevolution? Die Komintern und die Esperanto-Frage

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 9-23

Als das Esperanto, eine internationale Sprache, die von Ludwik L. Zamenhof 1887 erfunden wurde, auch in Russland aufkam, zog sie sich schnell die Feindschaft des dortigen Zarenregimes zu. Vielen russischen Esperantisten kamen da die Ereignisse von 1917 wie eine große Chance vor. Seit den ersten Jahren des sowjetischen Regimes sahen die Vereinigungen der esperantistischen Arbeiter viele Berührungspunkte mit den sowjetischen Institutionen und dem internationalen Kommunismus überhaupt, wobei sie in letzteren die Hoffnung setzten, dass er die Konditionen für einen effektiven proletarischen Internationalismus schaffen könne. Jedoch schien die gemeinsame Sprache hinter der Frage der Kontrolle des internationalen Kommunismus ob der Vorherrschaft von mehrsprachigen Intellektuellen in den wichtigen Führungspositionen, von nur zweitrangiger Bedeutung. Auch berührte das Thema einer gemeinsamen Sprache, zu sehr die Frage nach der eigentlichen Natur der KI und den proklamierten Idealen der Bewegung, als das sie zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion gemacht werden konnte. Die ganze Strategie der KI-Exekutive hinsichtlich der Esperantisten bestand darin, auf verschiedene Art und Weise deren Arbeit zu blockieren. So verhinderten sie die Einführung einer gemeinsamen Sprache, ohne jedoch jemals das Esperanto oder deren Anhänger zu verurteilen.

Über den Autor

Dr. Litt. Jean-François Fayet, Master Assistent an der Universität Genf, geb. 1965 in Genf, Studium der politischen Geschichte am Institut d’Études Politiques de Paris, der Anthropologie an der Universität Paris VIII und der sowjetischen Geschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales, EHESS Paris. Veröffentlichungen u. a.: Karl Radek (1885 – 1939): biographie politique, Bern, 2004; »Paul Levi and the Turning Point of 1921: Bolshevik Emissaries and International Discipline in the Time of Lenin«, in: Norman LaPorte, Matthew Worley & Kevin Morgan (Hrsg.), Stalinisation and beyond: Problems in the History of International Communism, Basingstoke 2008; »The VOKS: The third dimension of the Soviet foreign policy«, in: Jessica C. E. Gienow-Hecht & Mark C. Donfried (Hrsg.), Searching for a Cultural Diplomacy, Oxford, New York 2008, S. 32 – 53; Mithrsg.: Archives d’histoire, histoires d’archives, Lausanne 2006; Cahiers d’histoire du mouvement ouvrier, n°23: Les solidarités internationales, Lausanne 2007; Histoire(s) de l’anticommunisme en Suisse, Zürich 2008.
Kontakt: jean-francois.fayet@lettres.unige.ch