Jens Hüttmann: »Erfahrungsgesättigte Rationalität«. Hermann Weber im Feld der bundesdeutschen DDR-Forschung seit den 1950er-Jahren

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 207-222

Hermann Weber zählt zu den wenigen aktiven Forschern, die die bundesdeutsche DDR-Forschung seit den 50er-Jahren maßgeblich bestimmen. Seine akademische Biografie zeigt die enge Verflechtung von lebensgeschichtlicher Erfahrung und wissenschaftlicher Laufbahn. Webers „erfahrungsgesättigte Rationalität“ umfasst entscheidende historische Ereignisse wie die Stalinisierung der kommunistischen Bewegung, den sich verschärfenden Kalten Krieg, die Spaltung Deutschlands und den Aufbau der SED-Diktatur. Auf welche Weise ging Weber mit dem scheinbaren Gegensatz seiner eigenen Standortgebundenheit und wissenschaftsinternen Anforderungen um? Wie gelang es ihm, seine akademische Ausnahmekarriere zu begründen? Diese Fragen werden im Kontext der spezifischen Bedingungsfaktoren der „alten“ bundesdeutschen DDR-Forschung beantwortet. Argumentiert wird, dass es die Doppelperspektive von Erfahrung und wissenschaftlichem Erkenntnisdrang ist, die die enorme Produktivität von Webers Forschungen bis heute ausmacht.

Über den Autor

Dr. phil. Jens Hüttmann, geb. 1975 in Hamburg; 1995 bis 2001 Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und VWL an der Universität Leipzig, von 2003 bis 2005 Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft, 2007 Promotion. Von 2001 bis 2007 Mitarbeiter am Institut für Hochschulforschung an der Universität Halle Wittenberg, seit 2007 Mitarbeiter der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur im Projektbüro »20 Jahre friedliche Revolution«. Veröffentlichungen u. a.: Mithrsg. DDR-Geschichte vermitteln. Ansätze und Erfahrungen in Unterricht, Hochschullehre und politischer Bildung, Berlin 2004; Mithrsg. Bildung und Wissenschaft in Wittenberg nach 1945, Wittenberg 2004; DDR-Geschichte und ihre Forscher. Akteure und Konjunkturen der bundesdeutschen DDR-Forschung vor und seit 1989, Berlin 2008.
Kontakt: jens.huettmann@googlemail.de