Manfred Willke: Jiri Pelikán: die Wandlung eines tschechischen Kommunisten

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 361-372

Die Wandlungsfähigkeit des Kommunismus war im Werk von Hermann Weber ein ständiges Thema. Bis zur gewaltsamen Beendigung des Prager Frühlings 1968 hoffte er auf die Rückgewinnung der Demokratie in den kommunistischen Parteien. Die Politik der Prager Reformkommunisten bestätigte und widerlegte seine Hoffnungen. Jiří Pelikán, der Direktor des tschechoslowakischen Fernsehens, stand auf der sowjetischen Liste der abzusetzenden Kader nach dem Einmarsch der Warschauer Pakttruppen am 21. August 1968 ganz oben. Der DDR-Botschafter in Prag hielt ihn schon im März für ein Mitglied des „Zentrums“ in der KPČ, welches die „Konterrevolution“ in der Partei und über die Medien steuerte. Zum Kommunist wurde Pelikán 1940 im Kampf gegen die Okkupation seines Landes durch das Deutsche Reich. Seine Parteikarriere begann 1945 und endete im erneuten Kampf um die Souveränität der Tschechoslowakei gegen die Sowjetunion. Er erkannte in den dramatischen Tagen des Einmarsches, dass die Treue eines Kommunisten zur Sowjetunion vom Kreml missbraucht wird, um das Selbstbestimmungsrecht der tschechoslowakischen Kommunisten zu unterdrücken. Er durchtrennte bewusst die Nabelschnur zu Moskau. Er ging in das italienische Exil und wurde 1970 von den Machthabern in Prag ausgebürgert.

Über den Autor

Prof. Dr. Manfred Wilke, geb. 1941, 1976 Promotion zum Dr. rer. pol., 1976 bis 1980 Wiss. Assistent an der TU Berlin, 1981 Habilitation im Fach Soziologie an der Freien Universität Berlin, 1985 Professor für Soziologie an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin, 1992 Mitbegründer und bis 2006 gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Schroeder Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU. 1992 bis 1998 sachverständiges Mitglied der Bundestagsenquete- Kommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und deren Folgen. Veröffentlichungen u. a.: Mithrsg.: Entstalinisierung. Der 20. Parteitag und seine Folgen, Frankfurt a. M. 1977; Mithrsg.: Hart und kompromisslos durchgreifen. Die SED contra Polen 1980 / 81, Berlin 1995; Hrsg.: Anatomie der Parteizentrale, Berlin 1998; Die Streikbrecherzentrale. Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) und der 17. Juni 1953, Münster 2004; Der SED-Staat. Geschichte und Nachwirkungen, Weimar 2006. Mithrsg.: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung.
Kontakt: prof.manfred.wilke@googlemail.com