Norman LaPorte/Kevin Morgan: Der Rote Frontkämpfer und der militante Gewerkschafter: Konstruktionen der proletarischen Führerfigur in Deutschland und Großbritannien

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 68-79

In seinem bahnbrechenden Werk "Wandlung des deutschen Kommunismus" hat Hermann Weber seine Stalinisierungstheorie auf deutsche Verhältnisse angewendet. Die Stringenz und Präzision des Modells erlaubt es der jüngsten vergleichenden Forschung voranzukommen. In diesem Beitrag wird versucht, Webers vierten Punkt des Stalinisierungsmodells (die Situation im eigenen Land) um einen vergleichenden Blick auf Deutschland und Großbritannien zwischen 1924 und 1929 (den Jahren der Stalinisierung der internationalen kommunistischen Bewegung) zu ergänzen. Als Beispiele werden die Rolle Ernst Thälmanns, als Führer des Roten Frontkämpferbunds und Harry Pollitts, als einer der zwei leitenden Figuren des National Minority Movement, angeführt. Thälmann verkörperte als uniformierter Reichsführer des RFBs den militanten und aggressiven Charakter des Weimarer Kommunismus. Die Straßenkämpfe waren gegen alle politischen Feinde gerichtet, so auch gegen das sozialdemokratische Reichsbanner. Im Gegensatz dazu, war Harry Pollitt die leitende Figur im National Minority Movement, welche im Rahmen der von der Labour Party beherrschten Arbeiterbewegung fungierte und sich als Bestandteil dieser Bewegung betrachtete.

Über die Autorn

PhD (Stirling) Norman LaPorte, geb. 1964 in Edinburgh. Seit 2000 Fellow in History an der Universität Glamorgan in Wales. Veröffentlichungen u. a.: The German Communist Party in Saxony, 1924 – 1933, Bern 2003; Hrsg. (mit Stefan Berger): The Other Germany. Perceptions and Influence in British-East German Relations, 1945 – 1990, 2005; Hrsg. (mit Stefan Berger): Friendly Enemies. Britain and the GDR, 1945 – 90, Oxford, im Druck; Hrsg. (mit Kevin Morgan und Matthew Worley): Bolshevism, Stalinism and the Comintern: Perspectives on Stalinisation, Basingstoke 2008. Mitglied des Wiss. Beirats des Jahrbuchs für Historische Kommunismusforschung; Mitglied des Beirats von Socialist History; Mithrsg.: Communist History Network Newsletter.
Kontakt: nlaporte@glam.uc.ak

Dr. phil. Kevin Morgan, geb. 1961 in Birmingham, 1979 bis 1987 Studium der Politik und Geschichte an der Universität Manchester; Professor für Politik und Zeitgeschichte an der Universität Manchester. Veröffentlichungen u. a.: Against fascism and war: ruptures and continuities in British communist politics 1935 – 41, Manchester 1989; Harry Pollitt, Manchester 1993; Labour Legends and Russian Gold: Bolshevism and the British Left (Bd. 1), London 2006; The Webbs and Soviet Communism: Bolshevism and the British Left (Bd. 2), London 2006; mit Gidon Cohen und Andrew Flinn: Communists and British Society 1920 – 90, London 2007; 1999 – 2005 Hrsg.: Socialist History; 1996 – 2007 Hrsg. bzw. Mithrsg.: Communist History Network Newsletter; Mitglied des Beirats von 20th Century British History, International Newsletter of Communist Studies und Socialist History.
Kontakt: kevin.morgan@man.ac.uk