Ottokar Luban: Die Finanzierung der illegalen Antikriegsflugschriften im Ersten Weltkrieg: Spartakusgruppe und linksbürgerliche Pazifisten im Bund »Neues Vaterland«

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 32-45

Der vom 28. Januar bis Anfang Februar 1918 dauernde Massenstreik für Frieden und Demokratie in Deutschland mit fast 1 Million beteiligter Arbeiterinnen und Arbeiter – oft als „Generalprobe“ für die deutsche Novemberrevolution gekennzeichnet - war von einer massiven - hauptsächlich vom Kreis um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (Spartakusgruppe) getragenen - Flugblattagitation vorbereitet und begleitet, was einen erheblichen Finanzierungsaufwand für die Papier-, Druck- und Versandkosten erforderte.
Auf der Grundlage neu erschlossener Quellen („Kassenbuch“ des Leiters der Spartakusorganisation Leo Jogiches, Korrespondenz zwischen Hermann und Käte Duncker, Reichsgerichts- und Polizeiakten, unveröffentlichte Erinnerungen) kann nachgewiesen werden, dass 2/3 der Gelder aus linksbürgerlichen Pazifistenkreisen um Richard Witting, dem Präsidenten der Darmstädter und Nationalbank, stammten, mit dem Besitzer der Steindruckerei „Pittius“ Julius Gerson und dem Kunsthistoriker Eduard Fuchs, beide Berlin, als Verbindungspersonen. 1/3 der Gelder kam aus der Arbeiterschaft. In der Studie werden einige personelle Vernetzungen zwischen Spartakusgruppe und linksbürgerlichen Pazifisten sowie der Verlauf ihrer Zusammenarbeit in 1917 und 1918, auch bei der Herausgabe und Verbreitung der Lichnowsky-Broschüre, aufgezeigt.

Über den Autor

Ottokar Luban, geb. 1937, Berlin; Studium der Geschichte, Pädagogik, Psychologie und Sonderpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Berlin-Lankwitz und der Freien Universität Berlin; Lehrer, Sonderschullehrer 480 JHK 2008 Anhang (pens.); (ehrenamtl.) Sekretär der Internationalen Rosa-Luxemburg-Gesellschaft; Veröffentlichungen zum Kreis um Rosa Luxemburg, z.B. biografische Studien zu Mathilde Jacob, Leo Jogiches, Fanny Jezierska-Thomas (1993, 1995, 2002, 2003); »Rosa Luxemburg und die KPD-Führung im Januaraufstand 1919« (1999), 2004 auch auf Englisch: »Rosa at a Loss«; eigene Beiträge und Mitherausgeberschaft: Rosa Luxemburg im internationalen Diskurs, Berlin 2002; China entdeckt Rosa Luxemburg, Berlin 2007; detaillierte Angaben sowie weitere Veröffentlichungen unter: http://freenet homepage.de/Ottokar.Luban
Kontakt: oluban@gmx.de