Stefan Karner/Peter Ruggenthaler: Stalin, Tito und die Österreichfrage. Zur Österreichpolitik des Kreml im Kontext der sowjetischen Jugoslawienpolitik 1945 bis 1949

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 81-105

Gegen Kriegsende marschierten in Südösterreich Tito-Partisanen mit dem Ziel, große Teile Kärntens und auch der Steiermark zu annektieren, ein. Tito musste schließlich dem Druck Churchills nachgeben und seine Truppen zurückziehen. Bis zum Bruch Titos mit Stalin unterstützte Moskau in den Verhandlungen über einen Staatsvertrag für Österreich die jugoslawischen Gebietsforderungen. Auf der zweiten Konferenz der Kominform im Juni 1948 wollte Stalin Belgrad ursprünglich wegen seines zu eigenständigen politischen Kurses ächten. Letztendlich wurde Tito allerdings wegen ideologischen Abweichlertums gebrandmarkt. In den Konzeptionen der sowjetischen Außenpolitik spielte der Österreichfaktor als Legitimität der Präsenz sowjetischer Truppen in Ungarn und Rumänien eine wesentliche Rolle. War die Grenzfrage bis 1948 tatsächlich das vermeintliche Haupthindernis zum Abschluss des Staatsvertrages oder war die sowjetische Besatzung Ostösterreichs ein zu wichtiges Mittel zur Konsolidierung des Ostblocks, auf das der Kreml nicht verzichten wollte? Die Autoren gehen im Beitrag der Frage nach, inwiefern Titos Verhalten in der Kärntner Frage ein Mitauslöser des Bruchs mit Stalin war.

Über die Autoren

Prof. Dr. Stefan Karner, geb. 1952, Vorstand des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Universität Graz, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung, Graz / Wien / Klagenfurt, Anhang JHK 2008 479 Österreichischer Vorsitzender der Österreichisch-Slowenischen Historikerkommission. Veröffentlichungen u. a.: Die Steiermark im Dritten Reich 1938 – 1945. Aspekte ihrer politischen, wirtschaftlich-sozialen und kulturellen Entwicklung, 3. Aufl. Graz 1994; Im Archipel GUPVI. Kriegsgefangenschaft und Internierung in der Sowjetunion 1941 – 1956, Wien / München 1995; Die deutschsprachige Volksgruppe in Slowenien 1939 – 1997, Klagenfurt / Ljubljana / Wien 1998; Mithrsg.: Kalter Krieg. Beiträge zur Ost-West- Konfrontation 1945 bis 1990, Graz 2002.
Kontakt: bik-graz@bik.ac.at

Dr. phil. Peter Ruggenthaler, geb. 1976, Studium der Geschichte und Slawistik in Graz und St. Petersburg, seit 1998 Mitarbeiter am Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung in Graz, Promotion 2003, Veröffentlichungen u. a.: Warum Österreich nicht sowjetisiert wurde: Sowjetische Österreich-Politik 1945 bis 1953 / 55, in: Stefan Karner / Barbara Stelzl-Marx (Hrsg.): Die Rote Armee in Österreich. Sowjetische Besatzung 1945 – 1955. Beiträge. Graz / Wien / München 2005, S. 649 – 726; mit Stefan Karner: Zwangsarbeit in der Land- und Forstwirtschaft auf dem Gebiet des heutigen Österreich 1939 – 1945, Wien / München 2004.
Kontakt: peter.ruggenthaler@bik.ac.at