Ulrich Mählert: Der »Fall Lohagen« und der Machtkampf im SED-Politbüro zur Jahreswende 1951/52

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 131-145

Im Frühjahr 1952 stand die Entmachtung von SED-Generalsekretär Walter Ulbricht unmittelbar bevor. Ende 1951 hatten die Sowjets eine stalinistische Kampagne angestoßen, in deren Rahmen die Parteibasis zur schonungslosen Kritik an übergeordneten Partei- und Staatsführern aufgefordert wurde. Journalistischer Motor dieser Kampagne wurde Rudolf Herrnstadt. Der Chefredakteur des SED-Zentralorgans Neues Deutschland war zugleich Kandidat des SED-Politbüros. In diesem Gremium wurde er gemeinsam mit Staatssicherheitsminister Wilhelm Zaisser Wortführer derer, die Walter Ulbricht selbstherrliches und autoritäres Verhalten vorwarfen. Der Beitrag formuliert die These, dass sich die Kampagne in den ersten Wochen des Jahres 1952 zunehmend gegen Walter Ulbricht richtete. Nachdem die Sowjets dies zunächst beförderten, sorgten sie Ende Februar überraschend für die Aufrechterhaltung des Status quo und eine Pattsituation im Politbüro, die Ulbricht erst im Sommer 1953 für sich entscheiden konnte.

Über den Autor

Dr. phil. Ulrich Mählert, geb. 1968 in Neckarsulm, 1987 bis 1992 Studium der Politischen Wissenschaft, Anglistik und Germanistik, 1994 Promotion und bis 1998 Mitarbeiter eines internationalen Forschungsprojekts an der Universität Mannheim zur Geschichte der Parteisäuberungen im Kommunismus, seit 1999 Referent für Wissenschaftsförderung, Förderung der Archive und Internationale Zusammenarbeit bei der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Veröffentlichungen u. a.: Die Freie Deutsche Jugend 1945 – 1949, Paderborn 1995; Hrsg.: Vademekum DDR-Forschung, Berlin 2002; Mithrsg.: Bilanz und Perspektiven der DDR-Forschung, Paderborn u. a. 2003; Kleine Geschichte der DDR, 5. Aufl. München 2007; Mithrsg.: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung.
Kontakt: u.maehlert@stiftung-aufarbeitung.de