Werner Müller: Kontinuität und Wandel im deutschen Kommunismus

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 261-273

Die Wandlungen und Brüche im deutschen Kommunismus im Zeitraum von mehr als siebzig Jahren sind wiederholt thematisiert worden. Kaum behandelt wurde die komplementäre Frage, welche Elemente dann dessen Stabilität und Kontinuität ausmachen. Im historischen Längsschnitt wird das an Hand von fünf Themenkomplexen untersucht: zunächst die Haltung zur Sowjetunion, die ununterbrochen als Richtmaß ihrer Politik wahrgenommen wurde. Das bezog sich allerdings auf das idealisierte und jeweils aktuelle Bild, das KPD und später SED in die Sowjetunion hineinprojizierten. Zum zweiten wird die Frage des Weges zur Macht analysiert, also zur proletarischen Revolution und/oder Volks- und Einheitsfront, zum dritten das Feld der Parteistruktur, letztlich also der „demokratische Zentralismus“, viertens die Gesellschaftsutopie, die Beseitigung des Kapitalismus und der Aufbau einer Welt des Sozialismus und fünftens und letztens ihre Rolle als radikaler Flügel der sozialen Bewegung. Alle dieser Elemente weisen trotz vielfältiger programmatischer, ideologischer sowie strategisch-taktischer Wandlungen ein hohes Maß an Kontinuität auf, die letztlich über den mehrfachen generationellen Wandel hinweg die historische Identität des deutschen Kommunismus bewirken.

Über den Autor

Prof. Dr. Werner Müller, geb. 1946, 1976 Promotion in Bonn, 1977 bis 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Hochschulassistent in Mannheim, 1986 Habilitation, seit 1994 Professor für Zeitgeschichte an der Universität Rostock. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte des deutschen Kommunismus, der DDR, von Parteien und Gewerkschaften.
Kontakt: werner.mueller@philfak.uni-rostock.de