Wladislaw Hedeler/Alexander Vatlin: Wer gründete die Komintern? Zur Geschichte einer Fotografie.

Abstract

In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008. Berlin. Aufbau-Verlag, S. 1-8

Um die Gründungsgeschichte der Komintern in Moskau ranken sich bis auf den heutigen Tag zahlreiche Legenden. Deren Nährboden war und ist neben dem konspirativen Charakter der Tätigkeit der Weltorganisation die lückenhafte Überlieferung ihrer Dokumente. Die im Kominternarchiv aufbewahrten Dokumente beleuchten schlaglichtartig die Extremsituation und die Umstände, unter denen die Komintern gegründet wurde. Da keine Hoffnung auf die Anreise von Delegierten aus weit entfernten Staaten bestand, mussten sie durch in Russland lebende Kommunisten unterschiedlicher Nationalität ersetzt werden. Die entscheidende Rolle fiel der Föderation der ausländischen Gruppen beim ZK der KPR(B) sowie dem Zentralbüro der kommunistischen Organisationen der Völker des Ostens zu. Was die Anstrengungen der mit der Suche nach geeigneten Delegierten beauftragten Institutionen letztendlich bewirkten, hält das zum Abschluss des Kongresses aufgenommene Gruppenbild fest, auf dem 55 Personen zu sehen sind. Ihre Biographien werden erstmalig in diesem Kontext dokumentiert.

Über die Autoren

Dr. phil. Wladislaw Hedeler, geb. 1953, Historiker, Übersetzer und Publizist. Arbeiten zur Geschichte der KPdSU(b) und der Komintern. Veröffentlichungen u. a.: Übersetzer (mit Birgit Schliewenz): Georgi Dimitroff: Tagebücher 1933 – 1943. Hrsg. von Bernhard H. Bayerlein, Berlin 2000; mit Nadja Rosenblum: 1940 – Stalins glückliches Jahr, Berlin 2001; Hrsg.: Stalinscher Terror 1934 – 41, Berlin 2002; Chronik der Moskauer Schauprozesse 1936, 1937 und 1938. Planung, Inszenierung und Wirkung, Berlin 2003; Übersetzer: Alexander Vatlin: Tatort Kunzewo. Opfer und Täter des Stalinschen Terrors 1937 / 38, Berlin 2003; Mithrsg.: Nikolai Bucharin: Philosophische Arabesken. Dialektische Skizzen, Berlin 2005.
Kontakt: w.hedeler@gmx.net

Prof. Dr. Alexander Vatlin, geb. 1962, Studium der Geschichte, Aspirantur und 1987 Promotion am Lehrstuhl für Moderne Geschichte an der Moskauer Lomonossow-Universität, 1988 bis 1991 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für Geschichte der Komintern am Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, 1997 Dozent am Lehrstuhl für Neue und Neueste Geschichte der Lomonossow-Universität, 1998 Habilitation zum Thema »KPdSU und Komintern. Probleme ihrer Wechselbeziehungen«. Professor an der Lomonossow-Universität. Veröffentlichungen u. a.: Die Komintern 1919 – 1929, Mainz 1993; Mithrsg.: Das erste Tribunal. Das Moskauer Parteiverfahren gegen Brandler, Thalheimer und Radek, Mainz 1993; Germanija v XX. veke (Deutschland im 20. Jahrhundert), Moskau 484 JHK 2008 Anhang 2002; Mithrsg.: Deutscher Oktober 1923. Ein Revolutionsplan und sein Scheitern, Berlin 2003; Tatort Kunzewo. Opfer und Täter des Stalinschen Terrors 1937 / 38, Berlin 2003; Mithrsg.: Piggi Foxy and the Sword of Revolution. Bolshevik Self-Portraits, New Haven / London 2006.
Kontakt: vatlin_alex@mail.ru