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Aktuelle Meldung vom 25.07.2013

Ehemalige Gulag-Häftlinge erinnern an Workuta-Aufstand vor 60 Jahren

Projekttagung in Berlin vom 1. bis 3. August mit Förderung der Bundesstiftung Aufarbeitung

Die Lagergemeinschaft Workuta/GULag Sowjetunion, eine Vereinigung der ehemaligen deutschen politischen Häftlinge des sowjetischen Gulag, erinnert mit ihrer Jahrestagung vom 1. bis 3. August 2013 in den Räumen der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur an den blutig niedergeschlagenen Aufstand der Lagerhäftlinge vor 60 Jahren in der Strafregion Workuta.

Mehr als 40.000 deutsche Zivilisten wurden zwischen 1945 und 1955 in der SBZ/DDR durch sowjetische Militärtribunale verurteilt, viele von ihnen mussten ihre Haft unter unmenschlichen Bedingungen in den Arbeitslagern des Gulag verbüßen. Nach dem Tod Stalins und der Verhaftung des sowjetischen Geheimdienstchefs und Innenministers Berija 1953 hofften die politischen Häftlinge des sowjetischen Lagerkomplexes Workuta nördlich des Polarkreises auf eine Amnestie.

Um ihrer Forderung nach Freiheit Nachdruck zu verleihen, traten die Zwangsarbeiter in Workuta im Juli 1953 in den Streik. Nach ergebnislosen Verhandlungen eröffneten sowjetische Soldaten am 1. August 1953 im Lager 10 das Feuer auf die Streikenden, 64 Menschen wurden bei diesem Massaker getötet, weit über 150 verwundet. „Die Haftbedingungen haben sich danach schrittweise verbessert, dies war sicher auch ein Verdienst der Häftlinge, die mutig für ihre Freiheit aufgestanden sind“, sagt der Sprecher der Lagergemeinschaft, Horst Schüler. „Für die Überlebenden des Gulag ist es heute von großer Bedeutung, dass die Leiden der Lagerhaft nicht in Vergessenheit geraten.“

Einen Beitrag dazu leisten auch die Angehörigen ehemaliger Lagerhäftlinge. Zum 60. Jahrestag der blutigen Niederschlagung des Aufstandes reisen sie auf Einladung der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern und der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, unterstützt von der Bundesstiftung Aufarbeitung, ins russische Workuta, um dem Schicksal ihrer Angehörigen zu gedenken.

Bei der parallel stattfindenden Tagung in Berlin treffen sich die inzwischen hoch betagten Überlebenden des sowjetischen Lagersystems zu Austausch und Diskussion, darunter auch die letzten deutschen Überlebenden des Workuta-Aufstandes, von denen einige bei der Niederschlagung zum Teil schwer verletzt wurden.

Projekttagung: 60 Jahre gewaltsame Niederschlagung der Streiks im Straflager Workuta
Vortrag von Dr. Jan Foitzik (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin) mit anschließender Diskussion.
Datum: Freitag, 2. August 2013
Uhrzeit: 10 Uhr
Ort: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Kronenstraße 5, 10117 Berlin