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Aktuelle Meldung vom 13.09.2013

Zum Tod von Erich Loest

Mit dem Schriftsteller Erich Loest ist nicht nur ein bedeutender Chronist der SED-Diktatur und ihrer Überwindung aus dem Leben geschieden, sondern auch eine Person der Zeitgeschichte, die der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur über viele Jahre auf besondere Weise verbunden war. Die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung, Anna Kaminsky, erklärt dazu: „Erich Loest hat mit seinem Schaffen einen unschätzbaren Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geleistet. Temperamentvoll und engagiert hat er die DDR als die brutale Diktatur geschildert, die sie gewesen ist. Wer hätte das glaubhafter tun können als Erich Loest, der selbst viele Jahre in politischer Haft verbringen musste und die DDR erst verließ, als die Repressalien gegen ihn und sein Werk unerträglich wurden? Wir hatten das Glück, Erich Loest in einer langjährigen Zusammenarbeit kennenlernen zu können und trauern nicht nur über den Weggang eines bedeutenden Chronisten der deutsch-deutschen Geschichte, sondern über den Tod eines besonderen Menschen, dessen Klugheit, Scharfsinn und Witz eine große Bereicherung waren."

Zahlreiche Romane und Erzählungen Erich Loests sind von der Auseinandersetzung mit der deutschen Teilung und Wiedervereinigung geprägt. Erich Loest war als freier Schriftsteller in der DDR zunächst ein überzeugtes Mitglied der SED, bis der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR sein Weltbild nachhaltig erschütterte. Die Volksaufstände 1956 in Polen und Ungarn verstärkten seine kritische Haltung, für die er wegen angeblicher „konterrevolutionärer Gruppenbildung“ zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Nach seiner Haftentlassung 1964 arbeitete Loest wieder als Schriftsteller und veröffentlichte in der DDR eine Reihe von Romanen und Erzählungen. 1979 geriet er erneut in Konflikt mit der DDR-Staatsführung, als er sich mit anderen Autoren gegen die Zensur in der DDR engagierte. Wegen der folgenden Repressionen ging Loest 1981 in die Bundesrepublik. Nach der Friedlichen Revolution ließ er sich im Frühjahr 1990 in Leipzig nieder. Loest blieb sich treu, mischte sich ein und stritt wider die Verharmlosung der SED-Diktatur.

Mehr als 70 Bücher hat Erich Loest in seinem Leben verfasst. Erich LoestSein 1995 erschienener Roman „Nikolaikirche“, der die Geschichte der Leipziger Montagsdemonstrationen des Jahres 1989 und den Weg zur Friedlichen Revolution erzählt, wurde zum verfilmten Bestseller. Eines seiner letzten Bücher mit dem augenzwinkernden Titel „Man ist ja keine Achtzig mehr“ stellte er im Februar 2011 gemeinsam mit der Bundesstiftung Aufarbeitung vor.