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Aktuelle Meldung vom 01.07.2014

Zum Tod von Christian Führer

Nach schwerer Krankheit ist Pfarrer Christian Führer, der Begründer der Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche, aus denen die Leipziger Montagsdemonstrationen hervorgingen, am 30. Juni 2014 verstorben. Erst in der vergangenen Woche war Führer für seine Verdienste während der friedlichen Revolution 1989 mit dem Deutschen Nationalpreis geehrt worden.

Der 1943 in Leipzig geborene Christian Führer kam 1980 an die Leipziger Nikolaikirche, in die er seit 1982 zu Friedensgebeten und Gesprächskreisen einlud. Seine Kirche war offen für alle – alle, die es in der DDR nicht mehr aushielten und ausreisen wollten; alle, die bleiben und das Land von innen heraus verändern wollten und sogar für jene Stasi-Mitarbeiter, die den Auftrag hatten, die Friedensgebete zu stören und in der Gemeinde Unruhe zu stiften.

Unvergessen bleibt die Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989, nachdem es am 40. Jahrestag der DDR-Staatsgründung zwei Tage zuvor in mehreren Städten zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen war. Rund 70.000 Menschen zogen mit Kerzen in den Händen über den Leipziger Innenstadtring und stellten sich mit den Rufen "Keine Gewalt!" und "Wir sind das Volk!" friedlich den Sicherheitskräften entgegen. Die einsatzbereiten Einheiten von Volkspolizei, Staatssicherheit und Nationaler Volksarmee griffen nicht ein. Vier Wochen später fiel die Berliner Mauer.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur nimmt Anteil am Tod eines mutigen und engagierten Mannes, der sich auch im wiedervereinigten Deutschland in politische Debatten einmischte und sich stets für jene einsetzte, die Hilfe brauchten.