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Aktuelle Meldung vom 05.08.2014

Bundesstiftung Aufarbeitung protestiert gegen die Zerstörung der Gedenkstätte "Perm 36"

Mit einem Brief an den Präsidenten der Russischen Föderation sowie an den Gouverneur der Region Perm hat sich die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gegen die drohende Zerstörung der Gedenkstätte "Perm 36" und die Entlassung seiner Mitarbeiter gewandt. Sie unterstützt ausdrücklich die Petition von MEMORIAL Perm zugunsten der Gedenkstätte, die bereits über 63.000 Personen unterschrieben haben.

Lesen Sie nachfolgend die Erklärung im Wortlaut:

"Mit Sorge und Empörung verfolgen wir die Nachrichten zum Umgang mit der einzigen Gulag-Gedenkstätte in der Russischen Föderation, dem Museum zur Geschichte der politischen Repression in Perm 36 und deren Leitung und Mitarbeitern. Perm 36 ist in den vergangenen Jahren nicht nur für jene, die während der stalinistischen Repressionen verfolgt wurden und zu Tode kamen, sondern auch für deren Familien und Freunde, zu einem Gedenkort geworden, an dem an die Millionen unschuldiger Opfer erinnert wurde.

Dieser Gedenkort und das Museum waren in Russland aber auch weltweit ein Symbol dafür, dass in Russland ein differenziertes Gedenken an die dunkelste Zeit der sowjetischen Geschichte möglich ist. Dass dieser einzigartige Ort bestanden hat, war Tausenden von Aktivisten und Freiwilligen zu verdanken. Die Existenz dieses Ortes war international ein Symbol dafür, dass die Russische Föderation eine zivilgesellschaftlich getragene Erinnerung ohne staatliche Repression ermöglicht und die russische Führung die Aufarbeitung der totalitären Vergangenheit unterstützt und nicht be- und verhindert.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Gouverneur, sehr geehrte Frau Pamfilova, sehr geehrter Herr Fedotov,

wir schließen uns den Forderungen der Petition nachdrücklich an und fordern Sie auf, die Maßnahmen gegen die Gedenkstätte zur Geschichte politischer Repressionen "Perm-36" rückgängig zu machen und die unabhängige und kritische Auseinandersetzung mit der totalitären Vergangenheit wieder zu ermöglichen und die verdiente Direktorin des Museums, Tatjana Kursina, wieder als Direktorin des Museums einzusetzen."

Den vollständigen Text - in russischer Sprache - können Sie hier [510 KB] nachlesen.

Vertiefende Informationen zur aktuellen Situation finden Sie auch in dem Text "Russland: Die nächste Rolle rückwärts von Putin? Gedenkstätte Perm-36 vor der Schließung bewahren" [200 KB] von Karl Hafen (Geschäftsführender Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Frankfurt am Main).