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Aktuelle Meldung vom 27.08.2014

Wehrdienst ohne Waffe: 50 Jahre Bausoldaten in der DDR

Bundesstiftung Aufarbeitung erinnert an die Bausoldatenbewegung

Am 7. September 1964 trat die Bausoldatenverordnung der DDR in Kraft. Diese ermöglichte es pazifistisch eingestellten Wehrpflichtigen, ihren 18-monatigen Wehrdienst bei den Baueinheiten der Nationalen Volksarmee (NVA) abzuleisten. Die Bausoldaten trugen keine Waffen, leisteten statt des Fahneneides ein leicht abgewandeltes Gelöbnis und hatten Spatenysmbole auf ihren Uniformen.

„Die Entscheidung für den Dienst als Bausoldat in der NVA war die Wahl zwischen einem kleineren und einem größeren Übel“, sagt Rainer Eppelmann, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Aufarbeitung, der in einem der ersten Jahrgänge als Bausoldat eingezogen wurde. Wer aus religiösen Gründen nicht den „Ehrendienst“ an der Waffe leisten wollte, wurde dennoch für 18 Monate mit allen Konsequenzen Soldat: „Wer wie ich aus Gewissensgründen das Gelöbnis verweigert hat, musste ins Gefängnis. Ich wurde damals zu acht Monaten verurteilt“, erklärt Rainer Eppelmann. Auch nach ihrer Dienstzeit mussten Bausoldaten mit gravierenden Nachteilen rechnen. So wurde ihnen zumeist ein Studium verwehrt.
Diejenigen, die sich für den waffenlosen Bausoldatendienst entschieden, demonstrierten ihre Distanz zum SED-Regime. Den Bausoldaten kam damit eine besondere Bedeutung für Opposition und Widerstand in der DDR zu. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur widmet dem 50. Jahrestag der Einführung des Bausoldatendienstes daher ein besonderes Augenmerk.

Broschüre „Die DDR-Bausoldaten“ der Bundesstiftung Aufarbeitung

Gemeinsam mit der Thüringischen Landeszentrale für politische Bildung hat die Bundesstiftung Aufarbeitung die Broschüre „Die DDR-Bausoldaten. Politischer Protest gegen die SED-Diktatur“ herausgegeben. Der Autor Thomas Widera gibt darin einen pointierten Überblick über die Geschichte der DDR-Bausoldaten von den Anfängen bis zur Friedensbewegung der 1980er Jahre und beleuchtet das Spannungsverhältnis von Kirche und Staat sowie christlich-pazifistisch eingestellter Jugend und militaristischer DDR-Gesellschaft, das in den Auseinandersetzungen um die Bausoldaten ihren Ausdruck fand.

Thomas Widera: Die DDR-Bausoldaten. Politischer Protest gegen die SED-Diktatur, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und Bundesstiftung Aufarbeitung, 2014.
Die Broschüre kann über die Bundesstiftung Aufarbeitung bezogen werden:
www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/opposition-und-widerstand-2471.html?PAGE=artikel_detail&artikel_id=300


„Friedenszeugnis ohne Gew(a)ehr“ – Bausoldatenkongress 2014 in Wittenberg

Aus Anlass des 50. Jahrestages findet vom 5. bis 7. September in Wittenberg der bundesweite Bausoldatenkongress 2014 statt. Unter dem Titel „Friedenszeugnis ohne Gew(a)ehr“ diskutieren Expert/-innen und Zeitzeug/-innen über die Geschichte der Wehrdienstverweigerung in der DDR und die Bedeutung der Bausoldaten für die politische Opposition. Der Kongress wird von der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e.V. und dem Vorbereitungskreis „Bausoldatenkongress 2014“ organisiert und unter anderem von der Bundesstiftung Aufarbeitung gefördert.

Weitere Informationen: http://ev-akademie-wittenberg.de/bausoldatenkongress

Ausstellung „Zeitsplitter“ in Prora

Auf Rügen fördert die Bundesstiftung Aufarbeitung eine neue Außenausstellung, die die Bedeutung Proras als größtem Standort der Bausoldaten in der DDR würdigt. Im Rahmen der Ausstellung „Opposition und Widerstand – Bausoldaten in Prora 1964 – 1989/90“des Prora-Zentrums und des Förderkreises Bausoldaten wurden mehrere „Zeitsplitter“ geschaffen, die die Geschichte der Bausoldaten auf dem Gelände festhalten. So wurde eine ehemalige Arrestzelle hergerichtet und eine Gedenktafel an der ehemaligen NVA-Turnhalle angebracht, dem Ort, an dem die Bausoldaten Proras ab 1982 ihr Gelöbnis ablegen mussten.