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Aktuelle Meldung vom 08.10.2014

9. Oktober 1989 in Leipzig: 43 Prozent kennen den „Tag der Entscheidung“

Bundesweite Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag der Bundesstiftung Aufarbeitung

Nur 43 Prozent der Deutschen kennen den 9. Oktober 1989 als Datum der bis dahin größten Montagsdemonstration gegen das SED-Regime in Leipzig. Das ergab eine repräsentative Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. „Die Demonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig machte klar, dass die Staatsführung der DDR die Friedliche Revolution nicht mehr aufhalten konnte“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer der Bundesstiftung Aufarbeitung, Robert Grünbaum. „Dieses wichtige Ereignis der jüngsten deutschen Geschichte sollte insbesondere bei Schülerinnen und Schülern besser bekannt sein. Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass die deutsche Nachkriegsgeschichte und die Geschichte der Diktatur in der DDR stärker im Unterricht berücksichtigt werden“, sagte Robert Grünbaum.

Bei den älteren Befragten ist das Datum präsenter als bei Jüngeren: 53 Prozent der über 60-jährigen kennen den 9. Oktober 1989 als Tag der bis dahin größten Montagsdemonstration in Leipzig, bei den 14- bis 29-jährigen sind es nur 31 Prozent. Das Wissen um das Datum unterscheidet sich außerdem zwischen Ost und West: Im Osten Deutschlands können 56 Prozent der Befragten den Tag richtig zuordnen, in den westlichen Bundesländern sind es dagegen nur 40 Prozent.

31 Prozent der Befragten ordneten das Datum der Vereinigung von Bundesrepublik und DDR zu (Deutschland West: 34 Prozent, Deutschland Ost: 22 Prozent). Sechs Prozent der Befragten verbanden den 9. Oktober 1989 mit der Gründung des Neuen Forums, 20 Prozent konnten das Datum gar nicht zuordnen.

70.000 Menschen demonstrierten in Leipzig für Freiheit und Selbstbestimmung

Am 9. Oktober 1989 spitzte sich die Lage in Leipzig im Vorfeld der geplanten Montagsdemonstration gefährlich zu: Bewaffnete Sicherheitskräfte wurden in der Stadt zusammengezogen, Krankenhäuser bereiten sich auf den Ernstfall vor. Für den Abend war zu befürchten, dass die DDR-Regierung mit Gewalt auf die friedlichen Demonstrationen reagieren würde, wie wenige Wochen zuvor die chinesische Regierung auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ in Peking.
Trotz der angespannten Lage demonstrierten am Abend 70.000 Menschen friedlich in der Innenstadt, „Wir sind das Volk!“ war dabei der bestimmende Ruf. Die Sicherheitskräfte mussten sich angesichts der überwältigenden Menschenmenge zurückziehen. Es war die größte Protestdemonstration in der DDR seit dem 17. Juni 1953 und aus der Rückschau eines der entscheidenden Daten für die Friedliche Revolution 1989 in der DDR.

Datum des Mauerbaus 1961 ist bekannter als der 9. Oktober 1989

Bei einer vergleichbaren Umfrage der Bundesstiftung Aufarbeitung zum 13. August 1961 hatten 50 Prozent der Befragten das Datum richtig dem Bau der Berliner Mauer zugeordnet. Auch diese Umfrage hatte gezeigt, dass das Wissen um den 13. August 1961 im Osten Deutschlands mit 69 Prozent deutlich weiter verbreitet ist als im Westen Deutschlands mit 45 Prozent.