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Aktuelle Meldung vom 24.11.2014

Öffentliche Filmpremiere: „Schauprozesse: Genossen vor Gericht“

Dokumentation zur 20-jährigen Ära der kommunistischen Schauprozesse

Die Ermordung des sowjetischen Funktionärs Kirow am 1. Dezember 1934 lieferte Stalin einen Vorwand für die Entfachung des „Großen Terrors“. 80 Jahre später präsentieren die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Produktionsfirma Zeitzeugen TV den Dokumentarfilm „Schauprozesse – Genossen vor Gericht“, der die stalinistischen Säuberungen in der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten bis in die 50er-Jahre nachzeichnet.

Blaupause für die Schauprozesse im kommunistischen Machtbereich bildeten die berüchtigten Moskauer Prozesse, die Stalin 1936 bis 1938 für seinen Machterhalt und die Ausschaltung von Rivalen nutzte. Nach immer gleichem Muster wurden die Angeklagten unter Folter zu absurden Geständnissen gezwungen und anschließend exekutiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden auch in den osteuropäischen Staaten stalinistische Schauprozesse statt, bei denen führende kommunistische Politiker verurteilt und hingerichtet wurden, etwa 1949 der ungarische Kommunist Laszlo Rajk oder der Generalsekretär der tschechoslowakischen KP Rudolf Slansky 1952 in Prag. Nur der Tod Stalins und der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 verhinderten den in der DDR geplanten Schauprozess gegen Paul Merker.

Der neue Parteichef der KPdSU Chruschtschow rechnete 1956 mit Stalins Verbrechen ab, in den Ländern des Ostblocks begann eine Tauwetterperiode. In der DDR forderte eine Gruppe um Wolfgang Harich und Walter Janka einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz und die Demokratisierung der SED. Doch Walter Ulbricht nutzte die Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes im November 1956 und ließ die Gruppe verhaften. Im letzten Schauprozess gegen die eigenen Genossen in der DDR standen die Urteile von vorneherein fest: Walter Janka wurde zu fünf, Wolfgang Harich zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Der Journalist Gustav Just erhielt vier Jahre, vier weitere Angeklagte zwischen zwei und vier Jahren Zuchthaus.

Mit originalem Archivmaterial dokumentiert die Koproduktion von Zeitzeugen TV und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg die beklemmende Atmosphäre der Zeit. Die Dokumentation „Schauprozesse - Genossen vor Gericht“ kann sich dabei erstmals auf originäre Quellen zum Prozesse gegen Janka und Harich stützen. Gefördert wurde das Filmprojekt von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Öffentliche Filmpremiere der Dokumentation „Schauprozesse - Genossen vor Gericht“
Veranstalter: Zeitzeugen TV, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Datum: Freitag, 28. November 2014
Uhrzeit: 20:00 Uhr
Ort: Akademie der Künste | Pariser Platz | 10117 Berlin