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Aktuelle Meldung vom 05.06.2015

24. Annalise-Wagner-Preis für die Studie „Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen 1939 – 1948“

Der mit 2.500 Euro dotierte Annalise-Wagner-Preis geht in diesem Jahr an die von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderte Studie „Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen 1939- 1948: Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, Repatriierungslager, sowjetisches Speziallager“ der Historikerin Dr. Natalja Jeske.

Erstmals hat Natalja Jeske die wechselvolle Geschichte des Lagers Fünfeichen in einer Gesamtperspektive dargestellt. In Neubrandenburg-Fünfeichen gab es von 1939 bis 1945 drei Kriegsgefangenenlager mit mehr als 120.000 Gefangenen aus 11 Ländern. Tausende Kriegsgefangene wurden hier Opfer kriegs- und völkerrechtswidrigen NS-Terrors. Nach Kriegsende warteten im sowjetischen Repatriierungslager Nr. 165 über 20.000 ehemalige Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter auf Rückkehr in die Heimat. Von 1945 bis 1948 waren im Speziallager Nr. 9 des sowjetischen Geheimdienstes NKWD etwa 15.000 Deutsche und hunderte Sowjetbürger interniert.

Der Autorin gelinge es, so die Annalise-Wagner-Stiftung, „historische Zusammenhänge, Fakten und Zeitzeugenberichte so klar strukturiert und informativ, sachlich und unaufgeregt, lebendig und verständlich zu vermitteln, dass die Publikation sowohl wissenschaftlichem Informationsbedarf, vor allem aber breit gefächertem Interesse an historisch-politischer Bildung gerecht wird.“

Die Publikation „Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen 1939-1948“ ist das Ergebnis einer zweijährigen Forschungsarbeit, die gefördert wurde durch die Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, den Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Politische Memoriale Mecklenburg-Vorpommern e. V., Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen e. V. und die Stadt Neubrandenburg. Sie erschien als erster Band der Reihe „Erinnerungsorte in Mecklenburg-Vorpommern“.

Natalja Jeske wurde 1962 in Tomsk geboren, lebt seit 1990 in Rostock und forscht zu zeitgeschichtlichen Themen, darunter zur Geschichte der Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, der NS-Konzentrationslager und der sowjetischen Speziallager in Deutschland.