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Aktuelle Meldung vom 15.10.2015

Veranstaltungsnachlese: Landleben in der DDR: Wie sah der Alltag im sozialistischen Dorf aus?

Sechster Teil der Diskussionsreihe „Erinnerungsort DDR. Alltag. Herrschaft. Gesellschaft“

Die sechste Veranstaltung der Reihe „Erinnerungsort DDR“ im Jahr 2015 thematisierte am 13. Oktober das Landleben im Sozialismus. Fast ein Drittel der DDR-Bevölkerung lebte auf dem Land. Die von der SED forcierte sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft veränderte auch den Alltag der Menschen in den Dörfern des „Arbeiter- und Bauerstaates“.

Bodenreform und Kollektivierung, die Proletarisierung des Bauernstandes und die Industrialisierung der Landwirtschaft brachen die traditionellen dörflichen Sozialmilieus auf. Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften traten an die Stelle von Einzelbauern und Familienbetrieben, gigantische Ackerflächen und Monokulturen ersetzten die herkömmliche Bewirtschaftung. Doch zwischen Viehzuchtkombinat und ländlicher Idylle, zwischen ideologisch aufgeladenen „Ernteschlachten“ und rauschenden Dorffesten blieben bäuerliche Lebensweisen und Werte bestehen. Auch sie prägten den Alltag jenseits der großen Städte.

Wie unterschied sich der Alltag der Landbevölkerung in der DDR-Mangelwirtschaft von dem der Menschen in den Zentren? Wie stark war der Einfluss des SED-Staates in den Dörfern zu spüren? Gab es auf dem Land gar besondere Freiheiten und Rückzugsmöglichkeiten, von denen Stadtbewohner nur träumen konnten? Nach einer Einführung des Historikers Jens Schöne diskutierte dieser mit der Schauspielerin und Autorin Petra Nadolny, der Kulturwissenschaftlerin Barbara Schier und dem ehemaligen Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium Gerald Thalheim über diese Fragen. Das Gespräch wurde moderiert vom Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur Peter Lange.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Erinnerungsort DDR. Alltag. Herrschaft. Gesellschaft“. Diese widmet sich am Beispiel verschiedener Politik- und Gesellschaftsfelder dem Spannungsfeld von Alltagsleben und Herrschaft in der DDR und fragt nach den Spuren, die die SED-Diktatur im Alltag hinterlassen hat.

Zum Thema hat Jens Schöne jüngst den Band „Die Landwirtschaft der DDR 1945 – 1990“ vorgelegt, der von der Bundesstiftung Aufarbeitung mit herausgegeben wurde. Weitere Informationen finden Sie hier: www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/leben-in-der-diktatur-4003.html?PAGE=artikel_detail&artikel_id=337

Die Veranstaltung wurde in Bild und Ton dokumentiert und kann in voller Länge unter diesem Link nachgehört werden.