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Aktuelle Meldung vom 02.12.2015

Datsche, Kneipe, FKK: War die DDR eine „Nischengesellschaft“?

Abschluss der Diskussionsreihe „Erinnerungsort DDR. Alltag. Herrschaft. Gesellschaft“

Die Abschlussveranstaltung der Reihe „Erinnerungsort DDR“ im Jahr 2015 widmet sich am 8. Dezember der Frage, ob sich die SED-Diktatur im Rückblick als „Nischengesellschaft“ charakterisieren lässt. Der von Günter Gaus geprägte Begriff beschreibt den Rückzug ins Private, durch den sich die Bürgerinnen und Bürger in der DDR dem Zugriff von Partei und Staat hätten entziehen können. Ob in der Familie oder im Freundeskreis, im Kleingarten mit Datsche oder am FKK-Strand, beim Briefmarkensammeln oder in der Hausmusik – die Menschen fänden dort ihr „individuelles Glück im Winkel“.

25 Jahre nach dem Ende der DDR gehen die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer der Frage nach, ob diese These für die historisch-politische Einordnung des SED-Staates noch Bestand hat. Kann man Freizeit und Hobby wirklich aus dem staatlich reglementierten Alltag herauslösen? Nutzte, bekämpfte oder tolerierte die SED die als „Nischen“ bezeichneten privaten Lebenswelten ihrer Bürger? Verfügten die „Nischen“ über eine gesellschaftliche Ventilfunktion, die das diktatorische Regime stabilisierten, oder entwickelte sich in ihnen gar politischer Widerstand, der zum Sturz der SED-Herrschaft beitrug?

Nach einem Vortrag von Professor Richard Schröder diskutiert dieser mit dem ehemaligen Punk-Sänger und Publizisten Michael „Pankow“ Boehlke, dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt Professor Wolfgang Böhmer, der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer Iris Gleicke sowie dem Psychiater und Schriftsteller Jakob Hein. Das Gespräch wird moderiert von der Journalistin Jacqueline Boysen.

Die Veranstaltung ist der achte und letzte Teil der Reihe „Erinnerungsort DDR. Alltag. Herrschaft. Gesellschaft“. Diese widmet sich am Beispiel verschiedener Politik- und Gesellschaftsfelder dem Spannungsfeld von Alltagsleben und Herrschaft in der DDR und fragt nach den Spuren, die die SED-Diktatur im Alltag hinterlassen hat.

Podiumsdiskussion: Datsche, Kneipe, FKK. War die DDR eine „Nischengesellschaft“?

Veranstalter: Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, Deutsche Gesellschaft e. V., Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Datum: Dienstag, 8. Dezember 2015
Uhrzeit: 18 Uhr
Ort: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur | Kronenstraße 5 | 10117 Berlin-Mitte


Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.