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Aktuelle Meldung vom 22.06.2016

Film und Diskussion am 28.06.: Die Macht der Erinnerung – Wie wird der GULAG heute in Russland gesehen?

Filmvorführung und Diskussion zum Umgang mit dem stalinistischen Lagersystem

Wie erinnert man sich heute in Russland an den GULAG und die Millionen Opfer des sowjetischen Straflagersystems? Dieser Frage geht der Dokumentarfilm „Die Macht der Erinnerung – GULAG-Gedenken in Russland“ der Filmemacherin Kerstin Nickig nach, die am 28. Juni in der Bundesstiftung Aufarbeitung gezeigt wird. Schon unter Chruschtschow und dann in den 1990er Jahren wurden viele Opfer der stalinistischen Terrorherrschaft rehabilitiert, eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in Gang gesetzt. Dieser Prozess wurde jedoch in den vergangenen Jahren teilweise in sein Gegenteil verkehrt: Stalin wird in russischen Geschichtsbüchern als „effektiver Manager“ gelobt, nach aktuellen Umfragen glauben 42 Prozent der Menschen in Russland, dass die Repressionen des Diktators notwendig für den Aufbau des Landes gewesen seien.

Dennoch prangern Menschen in Russland die staatlichen Verbrechen an, sie fragen nach der gesellschaftlichen Verantwortung und suchen eigene Wege des Gedenkens an die Opfer. Kerstin Nickig besuchte für ihre Dokumentation Perm-36, die einzige GULAG-Gedenkstätte Russlands, die sich auf dem Gelände eines authentischen Straflagers für politische Gefangene befindet. Sie spürt in Gesprächen mit ehemaligen Lageraufsehern, Neostalinisten, Bürgerrechtsaktivisten und dem ehemaligen Häftling Sergej Kovaljov, Mitbegründer der Gedenkstätte, den verschiedenen Sichtweisen auf die Geschichte des GULAG und der politischen Verfolgung in Russland nach.

Im Anschluss an die Filmvorführung diskutieren die Slavistin Anke Giesen (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg), der Geschäftsführer des Vereins „Deutsch-Russischer Austausch“ Stefan Melle, der Direktor des Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst Jörg Morré und der Journalist Boris Reitschuster über die aktuellen Interpretationen der sowjetischen Geschichte in Russland und deren Auswirkungen auf das gegenwärtige und zukünftige Selbstverständnis des Landes. Das Gespräch wird moderiert von der Journalistin Sigrid Hoff.

Die Dokumentation „Die Macht der Erinnerung – GULAG-Gedenken in Russland“ von Kerstin Nickig ist eine gemeinsame Produktion von Time Prints und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg, gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Filmvorführung und Gespräch: Die Macht der Erinnerung – GULAG-Gedenken in Russland
Veranstalter: Time Prints KG – Film & Medien, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Datum: Dienstag, 28. Juni 2016
Uhrzeit: 18 Uhr
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur | Kronenstraße 5 | 10117 Berlin-Mitte
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.