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Aktuelle Meldung vom 03.01.2017

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur verleiht 2017 erstmals Aufarbeitungspreis

Der ehemalige Fluchthelfer Dr. Burkhart Veigel stiftet die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung

Wie ehrt man Persönlichkeiten, Organisationen oder Projekte, die in herausragender Weise die Aufarbeitung historischer Erfahrungen aus Unfreiheit und Diktatur vorantreiben? Der Publizist und ehemalige Fluchthelfer Dr. Burkhart Veigel hat mit seiner Spende an die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur einen Preis ermöglicht, der 2017 erstmals vergeben wird. Damit soll das Engagement für Freiheit, Demokratie und Zivilcourage im vereinten Deutschland und in Europa nicht nur gewürdigt, sondern mit 20.000 Euro Preisgeld auch dessen Fortsetzung ermöglicht werden. Weitere 5.000 Euro sind für die Vergabe eines Nachwuchspreises vorgesehen.

„Wir sind sehr froh, mit dem Aufarbeitungspreis einen weiteren Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit demokratischen Werten zu leisten. Diese Auszeichnung soll auch dazu anregen, sich mit den Unterschieden von Demokratien und Diktaturen in Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen“, sagte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Dr. Anna Kaminsky. Auch der Stifter Dr. Burkhart Veigel betonte den Wert kritisch-historischer Aufarbeitung für die Demokratie: „Mit dem Preis sollen Persönlichkeiten und Institutionen ausgezeichnet werden, die durch ihre Auseinandersetzung mit Diktaturen und deren Folgen das Bewusstsein für die Werte der Demokratie fördern und uns mahnen, Respekt vor dem Menschen zu haben“. Der Preis soll zum 17. Juni 2017 erstmals vergeben werden. Mit der Wahl des Datums wird zugleich der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR in Erinnerung gerufen, als über eine Million Menschen ihren Protest gegen die kommunistische Herrschaft in der gesamten DDR auf die Straßen und Plätze trugen und das Ende der SED-Herrschaft, freie Wahlen und die Einheit Deutschlands forderten.

Der 1938 geborene Stifter Burkhart Veigel verhalf zwischen 1961 und 1970 Hunderten Menschen zur Flucht aus der DDR. Durch Tunnel, mit umgebauten Autos oder durch komplizierte Manöver mit falschen Papieren und Doppelgängern verhalf er vielen zur Freiheit. Zwei Mal scheiterte die DDR-Staatssicherheit mit dem Versuch, Veigel zu entführen. Nachdem Burkhart Veigel viele Jahre als Orthopäde in Westdeutschland praktiziert hatte, übergab er seine Arztpraxis an seinen Sohn und widmet sich seit 2007 wieder in Berlin als Autor der Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Für sein Engagement erhielt Veigel 2012 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Dr. Burkhart Veigel ist Mitglied des Portals zeitzeugenbuero.de der Bundesstiftung Aufarbeitung und kann darüber für Veranstaltungen und Interviews angefragt werden.

Das Archiv der Bundesstiftung Aufarbeitung verwahrt den Vorlass von Burkhard Veigel, der vielfältige Einblicke in dessen Tätigkeit als Fluchthelfer und Autor ermöglicht.