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Aktuelle Meldung vom 23.05.2018

Stalins langer Schatten: Zwei Vorträge zur Aufarbeitung der Geschichte Georgiens

Aus der ehemaligen Sowjetrepublik Georgien stammte der Diktator Josef Stalin, dessen Terrorregime in den 1930er-Jahren auch sein Heimatland nicht verschonte. Bis in die Gegenwart prägt Stalins Schatten die Kaukasusrepublik. Zwei Vorträge beleuchten am 30. Mai und 6. Juni den Vergangenheitsdiskurs im diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse:

Der Historiker Prof. Dr. Giorgi Maisuradze spricht am 30. Mai über die Besonderheiten des georgischen Stalinkultes und dessen Fortwirken bis in die Gegenwart. Die Kaukasusrepublik nutzte Stalins Herkunft aus, um eine symbolische Sonderstellung in der „Familie der sowjetischen Brüdervölker“ zu inszenieren. Stalin wurde zum georgischen Nationalhelden stilisiert, wobei die „Größe“ Stalins auf sein Heimatland übertragen wurde. Dadurch entstand ein spezifischer Kult, der auch nach dessen Tod 1953 und der Entstalinisierung ab 1956 fortwirkte.

Am 6. Juni spricht der Historiker Davit Jischkariani in seinem Vortrag „Stalins Volk“ über die nationale Identität in Georgien. Kritiker und Gegner der sowjetischen Herrschaft in Georgien warfen Moskau vor, das Land seiner nationalen Identität beraubt zu haben. Diese Rhetorik ist in Georgien weithin verbreitet, wird von Jischkariani aber hinterfragt. Denn es waren lokale Eliten, die die Moskauer Politik in der Peripherie ausführten und dabei nach Stalins Tod wachsende Handlungsspielräume ausnutzten. Davit Jischkariani wird englisch sprechen, eine Übersetzung wird nicht angeboten.

Die zweitteilige Veranstaltungsreihe „Stalins langer Schatten“ wird gemeinsam ausgerichet von der georgischen Organisation SOVLAB Tbilisi (Soviet Past Research Laboratory), dem Georgian National Book Center , dem Lehrstuhl Geschichte Osteuropas an der HU Berlin und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Vortrag von Prof. Dr. Giorgi Maisuradze: Stalin und Georgien – gestern und heute
30. Mai 2018, 18 Uhr
Bundesstiftung Aufarbeitung | Kronenstraße 5 | 10117 Berlin

Vortrag von Davit Jischkariani: Stalins Volk. Nationale Identität in Georgien (in englischer Sprache)
6. Juni 2018, 18 Uhr
Bundesstiftung Aufarbeitung | Kronenstraße 5 | 10117 Berlin

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.