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Aktuelle Meldung vom 25.10.2018

Zum Tod von Detlev Putzar

Detlev Putzar ist 15 Jahre alt, als er im September 1945 von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet wird. Der Vorwurf gegen ihn und seine Freunde: Sie sollen der nationalsozialistischen Partisanenorganisation „Werwolf“ angehören. Ohne rechtsstaatliche Beweise wird er zu zehn Jahren Arbeitsstraflager verurteilt. Die Haftstrafe muss Detlev Putzar in Waren (Müritz), Alt Strelitz, im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen und in Untermaßfeld verbüßen. 1951 wird er aus der Haft entlassen, deren unmenschliche Bedingungen sein ganzes weiteres Leben prägen. Bis zuletzt setzt er sich unermüdlich für die Erinnerung an die kommunistischen Verbrechen ein. Am 21. Oktober 2018 ist Detlev Putzar verstorben.

Um seine Hafterlebnisse verarbeiten zu können, zeichnete Detlev Putzar. In seinen Bildern wird der Alltag der Häftlinge lebendig. Man sieht ausgemergelte Gestalten etwa vor dem sowjetischen Militärtribunal, beim Betreten des Lagers, bei der Essensausgabe und bei der Verrichtung der Notdurft. Die eindringlichen Bilder befinden sich heute im Archiv der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Über seine Zeichnungen schrieb Detlev Putzar, sie seien „(…) bildgewordene seelische Impressionen eines Jugendlichen (…), die eine sechsjährige, tief demütigende, entbehrungsreiche und bis zuletzt vom Tod bedrohte Haftzeit illustrieren sollen.“ Seine Bilder waren ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern sind vielmehr Versuche gewesen, den „(…) auch später noch nachklingenden, drängenden Empfindungen Ausdruck zu verleihen (…).“

Detlev Putzar hat sich u.a. um das Gedenken an die 1945 unschuldig verhafteten Malchower Jugendlichen verdient gemacht. Alle die ihn kannten, werden einen unermüdlichen, differenzierenden und überaus humanen Menschen vermissen.

Zum Bestand der Zeichnungen im Stiftungsarchiv: www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/detlev-putzar-4257.html

Weitere Informationen zu Detlev Putzars Biografie und ein lebensgeschichtliches Interview unter: www.zeitzeugen.brandenburg.de/zeitzeugen/detlev-putzar/