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Aktuelle Meldung vom 17.04.2019

Zum Tode von Roland Bude

Roland BudeKurz nach seinem 93. Geburtstag ist Roland Bude in der Nacht zum 17. April 2019 verstorben. Bude war nicht nur mehrere Jahre lang Vorsitzender der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft sowie Vizepräsident der Internationalen Assoziation ehemals politischer Gefangener und Opfer des Kommunismus, er hat als Mitglied des Fachbeirates für Gesellschaftliche Aufarbeitung / Opfer und Gedenken auch die Entwicklung der Bundesstiftung Aufarbeitung über viele Jahre intensiv begleitet.

Triebfeder seines Engagements war seine fünfjährige Haftzeit im sowjetischen Gulag: Zum Wintersemester 1948/49 begann Roland Bude ein Slawistik-Studium an der Universität Rostock. Er trat in die neu gegründete FDJ ein, lernte oppositionelle Studenten wie den Liberalen Arno Esch kennen, der 1951 in der Moskauer Lubjanka erschossen wird. Er will sich dem wachsenden Einfluss der SED auf die FDJ widersetzen und dazu möglichst viele kritische Köpfe zum Eintritt in den Hochschulverband bewegen. Die Leitung der SED erwirkt darauf im Juli 1950 seine Verhaftung. Roland Bude wird angeboten, zukünftig für die Staatssicherheit zu spitzeln, er lehnt ab. Daraufhin wird er den Sowjets überstellt, die aus seinen Kontakten zu geflüchteten Rostocker Studenten in West-Berlin den Vorwurf der Spionage konstruieren. Nach quälenden Verhören unterschreibt er ein Geständnis. Am 31. Oktober 1950 verurteilt das Sowjetische Militärtribunal in Schwerin den 24-Jährigen wegen „Spionage und antisowjetischer Hetze“ zu zweimal 25 Jahren Zwangsarbeit. Roland Bude wird in das sowjetische Straflager Workuta am Polarkreis geschickt, fünf Jahre lang muss er in den Kohlegruben Zwangsarbeit leisten.

Im Oktober 1955 wird er zusammen mit den letzten deutschen Kriegsgefangenen entlassen und geht zu Frau und Kind nach München. Nachdem er sein Slawistik-Studium beendet hat, arbeitet er ab 1959 in Bonn, zunächst im Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen (später Bundesministerium für Innerdeutsche Beziehungen), dann im Bundesinnenministerium. Nach 1989 wurde er ein hochgeschätzter und geachteter Antreiber der Aufarbeitung der kommunistischen Diktaturen und eine wichtige Stimme für die Diktaturopfer. Sein Tod hinterlässt eine Leerstelle. Es bleibt die Aufgabe, an das Schicksal der deutschen Gulag-Häftlinge zu erinnern, der sich die Bundesstiftung Aufarbeitung auch in Zukunft stellen wird.

Ein Podiumsgespräch mit Roland Bude über den Widerstand gegen die kommunistische Diktatur in der Frühzeit von SBZ und DDR vom 16. März 2009 kann auf unseren Nachleseseiten gehört werden.

Auf der Website „Jugendopposition in der DDR“ ist ein lebensgeschichtliches Interview mit Roland Bude veröffentlicht.