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Aktuelle Meldung vom 18.06.2012

Zum Tod von Jaroslav Šabata

Der tschechische Dissident Jaroslav Šabata ist in der vergangenen Woche im Alter von 84 Jahren in Prag gestorben. „Jaroslav Šabatas hat die Opposition in der DDR vielfach unterstützt“, erklärte Gerd Poppe, Mitglied im Vorstand der Bundesstiftung Aufarbeitung. Šabata war einer der Autoren des bekannten Prager Appells von 1985, in dem sich die Charta 77 unter anderem für die Lösung der deutschen Frage aussprach. Jaroslav Šabata gehörte außerdem zu den Initiatoren der Helsinki Citizen's Assembly, die ab 1990 ihre Arbeit aufnehmen konnte.

Als kommunistischer Funktionär hatte sich Šabata in den 1960-er Jahren für die Reformbewegung des „Prager Frühlings“ eingesetzt. Nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen 1968 in der damaligen Tschechoslowakei wurde er aus der Partei ausgeschlossen und war mehr als fünf Jahre lang inhaftiert. Nach seiner Freilassung engagierte sich Šabata in der Dissidentenbewegung gegen die Staatsführung. Er war von 1978 bis 1981 Sprecher der Bürgerrechtsbewegung Charta 77, zu deren Initiatoren Václav Havel gehörte.

Nach der demokratischen Wende von 1989 wirkte Šabata von 1990 bis 1992 als Minister ohne Geschäftsbereich in der tschechischen Teilregierung unter dem christdemokratischen Ministerpräsidenten Petr Pithart. Vor zwei Jahren war Šabata einer der Mitunterzeichner eines Aufrufs europäischer Staatsmänner zur Rüstungskontrolle. „Jaroslav Šabata hat sich um die deutsch-tschechischen Beziehungen verdient gemacht“, sagte Vorstandsmitglied Gerd Poppe. Jaroslav Šabata sei zudem schon vor den friedlichen Revolutionen von 1989 für eine europäische Integration "von unten" eingetreten.