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Aktuelle Meldung vom 29.08.2012

Zeitgeschichtliche Sommernacht am 28.08.: Versöhnung als Modell der historischen Aufarbeitung?

Veranstaltung der Bundesstiftung Aufarbeitung zum Verhältnis von Versöhnung und Aufarbeitung

Bei der 9. Zeitgeschichtlichen Sommernacht am 28. August wurde die Frage diskutiert, ob Versöhnung ein Modell der historischen Aufarbeitung sein kann. „Versöhnung hat eine existenzielle Bedeutung für jede Gesellschaft“, sagte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky vor rund 200 Gästen in der St. Elisabeth-Kirche in Berlin. „Vor der Versöhnung müssen jedoch Reue und Einsicht stehen bei jenen, die für Unrecht verantwortlich waren.“ Rainer Eppelmann, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Aufarbeitung, erklärte: „Der Prozess von Versöhnung und Erinnerung kann von Gesellschaften angeregt werden, aber nur individuell umgesetzt werden.“

Zuvor hatte der Sozialethiker Professor Sándor Fazakas das Verhältnis von Versöhnung und Aufarbeitung im internationalen Vergleich analysiert. In Deutschland sei die wissenschaftliche und rechtliche Aufarbeitung weiter vorangeschritten als etwa in Südafrika, dort würde hingegen die menschlich-integrative Seite stärker betont, sagte Fazakas im Gespräch mit der Chefredakteurin des Deutschlandfunks Birgit Wentzien. Mit Blick auf Ungarn erklärte Fazakas, dass wissenschaftliche Aufarbeitung und historische Wahrheit Grundlage seien für einen demokratischen Neuanfang. „Aufarbeitung ist eine ewige Aufgabe“, sagte Sándor Fazakas.

In Deutschland wird das Konzept der Versöhnung seit dem Ende der DDR kontrovers diskutiert, zuletzt als die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland Ilse Junkermann 2009 dazu aufrief, Versöhnung zu suchen, wo Bereitschaft vorhanden sei. Auch der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte sich zuvor in ähnlicher Weise geäußert und war, ebenso wie Ilse Junkermann, insbesondere von Opfervertretern scharf kritisiert worden.