Depositum amnesty international

Der Bestand „amnesty international“ beinhaltet nicht nur Schreiben von Sektionen, Gruppen und Mitgliedern von ai, sondern auch Briefe anderer Menschenrechtsgruppen, NGO’s, politischer Organisationen und Privatpersonen bezüglich politischer Häftlinge und Ausreisewilliger in der DDR.

Es finden sich Briefe von antikommunistisch orientierten Personen und Parteien ebenso wie von Vertretern linker Gruppen. Vielfältig ist auch die Zahl der Institutionen, der die Verfasser angehören: Universitäten, Krankenhäuser, Veteranenorganisationen, Parlamente u.a. Das Gros der Briefe stammt aus Nordamerika und Westeuropa. Besonders erwähnenswert erscheinen ein Brief des Gouverneurs von Oregon, eine Petition von Vertretern von vier im Schwedischen Reichstag vertretenen Parteien (darunter die schwedischen Kommunisten) und eine Postkarte aus der UdSSR, die alle die Freilassung politischer Häftlinge in der DDR fordern.



Im Bestand befinden sich nicht nur Briefe an den Minister des Innern der DDR, sondern auch Briefe an den Staatsrat, die Volkskammer, verschiedene Massenorganisationen der DDR, die Leiter von Strafvollzugsanstalten und an viele Häftlinge.

Die Mitglieder von ai gingen bei ihren Schreiben nach festen Regeln vor. Zuerst wurde oft die Organisation vorgestellt. Dann wurde auf den strikt unparteiischen Charakter von ai verwiesen. Anschließend wurden die fallbezogenen Informationen wiedergegeben. Zudem wurde oft erklärt, dass das Vorgehen der DDR-Behörden nach Meinung von ai einen Verstoß gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte darstellt. Außerdem wurde um mehr Informationen über den jeweiligen Fall und bei aus politischen Gründen inhaftierten Häftlingen um deren Freilassung gebeten.



Der ca. 3,5 laufende Meter umfassende und durch ein Findbuch erschlossene Bestand „amnesty international“ beinhaltet Schriftgut aus den Jahren von 1975 bis 1985. Er wurde in der Abteilung „Verwaltung Strafvollzug“ des Ministeriums des Innern der DDR gebildet. Nach der friedlichen Revolution wurde das Schriftgut der DDR-Ministerien vom Bundesarchiv übernommen. Da nur ein Teil der „ai-Unterlagen“ Aufnahme in das Bundesarchiv fanden, wurden die restlichen Unterlagen ai angeboten. Die Menschenrechtsorganisation entschloß sich, den Bestand der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur als Depositum zu übergeben.