Kurzbiographie

Bettina GreinerDr. Bettina Greiner, Historikerin, ist Mitarbeiterin des Hamburger Instituts für Sozialforschung und koordiniert die „Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte“ und des „Berliner Kolleg Kalter Krieg | Berlin Center for Cold War Studies“. Sie arbeitet zu politischer Repression und (Lager-) Haft im 20. Jahrhundert.

Kurzbeschreibung der Dissertation

Verdrängter Terror. Geschichte und Wahrnehmung sowjetischer Speziallager in Deutschland

cover-verdraengter-terror Die Dissertation handelt von Terror und Willkür und der Verdrängung dieser Erfahrungen: Mit Ende des Zweiten Weltkriegs richtete der sowjetische Geheimdienst in der SBZ und späteren DDR zehn Speziallager ein. Neben Nationalsozialisten unterschiedlicher Belastungsgrade wurden in ihnen Zehntausende festgehalten, denen „konterrevolutionäre Verbrechen“ vorgeworfen wurden. Sie alle galten gleichermaßen als Feinde der Besatzungsmacht, die mehrheitlich ohne Gerichtsverfahren über Jahre weggesperrt wurden – schätzungsweise 154.000 Männer und Frauen, von denen etwa ein Drittel in der Haft verstarb.

Die Geschichte der Speziallager wird in drei Schritten untersucht: Zunächst wird auf Grundlage der sowjetischen Befehle verdeutlicht, dass die Lager nicht Teil der sowjetischen Entnazifizierungspolitik waren. Obwohl zahllose Nazis inhaftiert wurden, ging es in erster Linie um Pazifizierung und Herrschaftssicherung, um die Ausschaltung aller, die man in Feindverdacht hatte. Anschließend wird anhand von mehr als 750 Erinnerungsberichten die Lagerhaft ausführlich geschildert. Neben der Erfahrung von Gewalt und dem Alltag im Lager, der von Hunger und Untätigkeit geprägt war, werden auch die Selbstorganisation der Gefangene und ihre internen, meist gewaltsam ausgetragenen Konflikte beleuchtet. Schließlich wird gefragt, weshalb den Opfern stalinistischer Verfolgung noch heute die gesellschaftliche Anerkennung versagt bleibt. Anhand der Hafterinnerungen werden die Schwierigkeiten aufgezeigt, gebrochene Biografien zu erzählen und in ihrer Ambivalenz zu akzeptieren – wer einmal Täter war, kann kein Opfer sein, und umgekehrt.

"Verdrängter Terror. Geschichte und Wahrnehmung sowjetischer Speziallager in Deutschland" wurde 2010 in der Hamburger Edition veröffentlicht. Das Buch wurde unter anderem wurde mit dem Übersetzungspreis „Geisteswissenschaften International“ ausgezeichnet und erschien 2014 unter dem Titel Suppressed Terror. History and Perception of Soviet Special Camps in Germany bei Lexington Books.