Bruderland ist abgebrannt

Eine Ausstellung von Reistrommel e.V.

Über 90.000 Vertragsarbeiter halfen noch 1989 dabei, in der maroden DDR-Wirtschaft die Pläne zu erfüllen. Damit war fast die Hälfte aller in der DDR lebenden Ausländer Vertragsarbeiter, ins Land geholt als billige Arbeitskräfte auf Zeit. Sie kamen aus Ungarn, Polen, Algerien, Kuba, Mosambik, Vietnam, Angola, Nordkorea und China. Es waren junge Menschen, die in ihrer Heimat weniger verdienten (Polen und Ungarn) oder Krieg und zerstörter Wirtschaft zu entfliehen suchten.

Obwohl sie in zwei und drei Schichten in den DDR-Betrieben produzierten, wollten sie mehr sein als nur Arbeitskräfte. Sie wollten auch leben, lieben und eigene Pläne verwirklichen, anders als von der DDR vorgesehen. Außerdem versuchte fast jeder Vertragsarbeiter, seine Familie in der Heimat zu unterstützen - Ansprüche, die mit den strengen Regeln der Heimatländer und des Gastgebers kollidierten und verfolgt wurden.

Mit dem Ende der DDR waren die eben noch geschätzten ausländischen Kollegen Konkurrenten um die Arbeitsplätze. Sie verloren als Erste ihre Stellen, die Wohnheime kündigten ihre Zimmer, und entgegen den bestehenden Verträgen sollten sie nur noch weg.

Ihr „Bruderland“ ging zweifach verloren, einmal, weil schon in der DDR-Realität wenig von der versprochenen Solidarität und Brüderlichkeit blieb und zum zweiten, weil mit dem Ende der DDR die Verträge beendet wurden, die ihre Arbeits- und Lebensgrundlagen definierten. Diese Ausstellung zeichnet ein Bild vom Alltag der Vertragsarbeiter in der DDR und stellt ehemalige Vertragsarbeiter vor, die hier blieben und sich ihre neue Heimat erkämpft haben.

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