„Bittere Wasser“ von Tina Pruschmann erzählt gefühlvoll die Geschichte des Zirkuskindes Ida, die Tochter einer Trapezkünstlerin und eines Elefantendompteurs. Das Elefantenbaby Hollerbusch ist dabei ihr engster Weggefährte. Doch mit Schulbeginn zieht Ida ins Erzgebirge zu ihren Großeltern väterlicherseits und kann nur noch in den Ferien am umherziehenden Zirkusleben teilnehmen. Der Schulalltag erscheint unbeschwert, doch das alltägliche Leben in der Bergbauregion zieht nicht spurlos an ihr vorbei. In der Kneipe ihrer Oma, in der Ida ab und an aushilft, vertrinken die Bergleute ihre Zulagen. Ihr eigener Opa, ein wortkarger Bastler und selbst Bergmann hat zunehmend Aufenthalte im Sanatorium wegen des Hustens. Er stirbt an der sogenannten Schneeberger Krankheit.
Der Roman hat einerseits mit dem Uranbergbau seine Schattenseiten und wirft mit dem bunten Zirkusleben andererseits wieder Licht in dieses Dunkel der DDR-Geschichte. Der Autorin gelingt dadurch eine ausgewogene Geschichte, die nicht in der DDR stehen bleibt, sondern das Leben ihrer Protagonist:innen bis weit in die wiedervereinigte Republik verfolgt. Doch vor dem Chaos der 1990er Jahre, der Arbeitslosigkeit und Stasi-Vorwürfen in ihrer Familie, flieht Ida in die Ukraine zu ihrer Brieffreundin aus DDR-Zeiten – und Hollerbusch, der an den Kiewer Zoo verkauft wurde. In der Einfachheit des dortigen Lebens findet sie Halt.
Sanft, aber eindrucksvoll und äußerst berührend zeichnet Pruschmann ihre Figuren von Ida, über die Großeltern bis hin zu Eltern und Freunden. Der Roman widmet sich eines Themas der DDR-Geschichte, dem Uranbergbau aus alltagsgeschichtlicher Perspektive, das bisher in diesem Genre kaum Aufmerksamkeit erhielt. Unbedingte Leseempfehlung!
Tina Pruschmann: „Bittere Wasser“, Rowohlt, 288 S., ISBN-10 3498003151