Manfred Klein, Arno Esch, Hermann Flade, Herbert Belter, Wolfgang Natonek, Erwin und Charlotte Köhler, Edeltraut Eckert, Werner Gumpel, Siegfried Jenkner, ... Ihnen sagen diese Namen nichts? Im vierten Jahrzehnt nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft in der DDR gibt es noch immer eine beträchtliche Leerstelle in unserer Erinnerungskultur. Unser Blick auf die Nachkriegsjahre ist bis heute defizitär. Die Frauen und Männer, die sich unter großen Gefahren gegen die Errichtung der neuen Diktatur zur Wehr setzten, sind weithin in Vergessenheit geraten.

Rüdiger Mai setzt ihnen in seinem Buch „Der kurze Sommer der Freiheit“ ein Denkmal. Er verbindet ihre Schicksale mit dem Aufbau der Diktatur in SBZ und DDR. Mai beschreibt plastisch, wie eine Diktatur entsteht und ihre Kritiker zum Schweigen gebracht und ermordet werden. Ihn treibt die Frage um, ob es nach dem Zweiten Weltkrieg in Ostdeutschland tatsächlich die Chance auf Freiheit und eine demokratische Entwicklung gegeben hat. Die jungen Leute, die sich zum Beispiel für freie Wahlen eingesetzt hatten, glaubten daran. Und sie bezahlten dies mit langen Haftstrafen und sogar mit ihrem Leben.
Rüdiger Mai widmet sich auch den Folgen für die Familien, die teils erst nach 1989 Klarheit über das Schicksal verschwundener Angehöriger erhielten. Wenn Sie sich ein Bild von der brutalen Durchsetzung der kommunistischen Herrschaft machen wollen: Greifen Sie zu diesem Buch.

Bibliografische Angaben

Rüdiger Mai: Der kurze Sommer der Freiheit. Wie aus der DDR eine Diktatur wurde. Freiburg: Herder-Verlag 2023, 320 Seiten, ISBN: 978-3-451-39463-8

Rüdiger Mai

Der kurze Sommer der Freiheit. Wie aus der DDR eine Diktatur wurde

Lesetipp von Dr. Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Dr. Anna Kaminsky hält das Buch "Der kurze Sommer der Freiheit" von Klaus-Rüdiger Mai in der Hand.