In einem Haftkrankenhaus 1955 geboren, wächst Detlef Jablonski bei Pflegeeltern auf, die er später nur „Schlägeeltern“ nennen wird. Durch einen Zufall erfährt er, dass diese gar nicht seine richtigen Eltern sind und seine Mutter im Westen lebt. Mit 15 unternimmt der drangsalierte Junge den ersten Fluchtversuch, mit 18 den zweiten. Jedes Mal will er nur eines: zu seiner leiblichen Mutter. Doch statt bei ihr landet er wegen „Republikflucht“ in Haft und schließlich im Arbeitslager Schwarze Pumpe.

In seinem Buch „Einer von Tausend“ erzählt er drastisch, aber zuweilen auch mit brachialer Komik von seinen Erlebnissen: der Gewalt, die er in seiner Kindheit und Jugend erleben musste – das erste Kapitel heißt nicht zufällig „Siebenstriem“ - , vom Aufwachsen in Ost-Berlin mit Jugendweihe und erster Liebe unter erschwerten Bedingungen, von seinen vergeblichen Ausbruchs- und Fluchtversuchen, und schließlich der Verhaftung, den Gefängnisaufenthalten in Pirna, Dresden, Berlin Keibelstraße, Berlin Rummelsburg und im Strafgefangenenlager Schwarze Pumpe.

Erzählt wird die Geschichte eines unfreiwilligen „Staatsfeindes“, der eigentlich nur zu seiner Mutter wollte und dafür hinter Gittern landete. Vermutlich erstmalig werden die brutalen Zustände in einem Arbeitslager der DDR geschildert. Das Buch ist sehr lebendig und höchst authentisch geschrieben. (Die „Berliner Schnauze“ lässt sich nicht verleugnen.) Beinahe nebenbei klärt der Autor auf über die Zustände in den Gefängnissen des SED-Regimes.

Nach der Haft wurde Detlef Jablonski in die DDR entlassen und verließ diese 1987 per Ausreiseantrag. Er lebt heute als Liedermacher in Berlin, erschienen ist außer dem hier empfohlenen Buch eine ebenso empfehlenswerte CD mit dem Titel „Andenken“ – mit kraftvollen Songs gegen das Vergessen, die er auch bei seinen Auftritten als Zeitzeuge singt.

Eine Anmerkung von Frau Poppe: "Da es sich um einen sehr kleinen Verlag handelt, empfiehlt es sich, das Buch direkt beim Verlag zu bestellen."

Bibliografische Angaben

Detlef Jablonski: „Einer von Tausend. Eine Berliner Geschichte“, Klak Verlag, 244 Seiten, ISBN 978-3-948156-42-8

Detlef Jablonski

Einer von Tausend. Eine Berliner Geschichte

Lesetipp von Gritt Poppe, Autorin, zuletzt erschienen: „Rabenkinder“ (Ullstein), „Die Weggesperrten“, zusammen mit Niklas Poppe (Propyläen).
Lesetipp von Gritt Poppe mit den Büchern "Häftling 46" von Alexander Richter-Kariger (rechts) und "Einer von Tausend" von Detlef Jabolnski (links)