Am frühen Morgen des 7. September 1982 wurde Alexander Richter-Kariger auf dem Weg zur Arbeit von der Staatssicherheit verhaftet. Elf Monate verbringt er in Untersuchungshaft des MfS in Potsdam, im sogenannten „Lindenhotel“. Behandelt wird „Häftling 46“ wie ein Schwerverbrecher.
Grund für die Inhaftierung: Einer Freundin im Westen schickte er per Post über Jahre hinweg ein umfangreiches Romanmanuskript zu – Brief für Brief, Seite für Seite. Im Manuskript geht es auch um die Zustände in der DDR. Was er nicht ahnt: Die Stasi liest längst mit.
Der Autor erzählt seine Haftzeit minutiös nach. Lesend wird man in den Bann gezogen, scheint selbst in der Zelle zu hocken, erlebt alles hautnah mit. Die Verhöre, das Gebrüll der Schließer, nächtliche Lichtkontrollen, die schreckliche Verlorenheit, einen unangenehmen Mitinsassen – der Autor erzählt alles genau, detailreich und dabei sehr spannend. Tag für Tag, Nacht für Nacht wird der zermürbende Alltag hinter Gittern geschildert. Wer wissen möchte, wie es in Stasi-Haft wirklich zuging, dem ist unbedingt dieses Buch zu empfehlen.
Alexander Richter-Kariger wurde 1983 wegen „Staatsfeindlicher Hetze“ zu sechs Jahren Haft verurteilt. Bis 1985 verbüßte er die Strafe im Zuchthaus Brandenburg, ehe ihn die Bundesrepublik freikaufte. In der Freiheit schreibt er zahlreiche Bücher, u. a. den Roman „Zuchthaus Brandenburg“ und das hier empfohlene Gedächtnistagebuch „Häftling 46“. Er gründete einen eigenen Verlag, den First minute Taschenbuchverlag, und tritt als Zeitzeuge auf.
Eine Anmerkung von Frau Poppe: "Da es sich um einen sehr kleinen Verlag handelt, empfiehlt es sich, das Buch direkt beim Verlag zu bestellen."
Alexander Richter-Kariger: „Häftling 46 – Gedächtnistagebuch 1982 bis 1983“, Firstminute Taschenbuchverlag