Beim Buch „Krieg und Sühne“ des russischen Journalisten Mikhail Zygar fällt einem unwillkürlich Fjodor Dostojewskis „Schuld und Sühne“ ein. Und das ist auch so gewollt. In beiden Fällen geht es um die Gewissensqualen von Mördern.

Während es 1866 der Student Raskolnikow war, der eine alte Pfandleiherin umbrachte, geht es 2023 um die Russen insgesamt, die seit Jahrhunderten andere Völker unterjochten, um zu einem Imperium aufzusteigen. Zygar will die damit verbundenen Mythen entlarven und die Ursprünge und Entwicklungen des brutalen Russischen Reiches aufzeigen. Nur so sei zu verstehen, warum es so wenig Widerstand in seiner Heimat gegen den Überfall auf die Ukraine gibt.

In einem Parforceritt vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart beschreibt er höchst kenntnisreich und in lebendiger Sprache vor allem die Geschichte der Unterdrückung der Ukraine. Als Russe bilanziert er am Ende: „Wir sind eine Gefahr für andere und für uns selbst. Wir müssen aufhören, uns als Zentrum der Welt anzusehen. Wir müssen dem Staat das Recht nehmen, uns seine Sicht der Vergangenheit aufzuzwingen. Wir müssen die Geschichte der Völker, die dem Imperium zum Opfer fielen, völlig neu interpretieren. “ Sein Buch bietet dazu auf 500 Seiten einen atemberaubenden Überblick. Nicht nur für uns Ostdeutsche, die wir mit der russisch geprägten sowjetischen Lesart der Geschichte groß geworden sind, ist das ein ausgesprochener Augenöffner.

Bibliografische Angaben

Mikhail Zygar: „Krieg und Sühne. Der lange Kampf der Ukraine gegen die russische Unterdrückung“, Aufbau Verlag Berlin 2023, ISBN 978-3-351-04182-3

Mikhail Zygar

Krieg und Sühne. Der lange Kampf der Ukraine gegen die russische Unterdrückung

Lesetipp von Dr. Christoph Links, Gründer und langjähriger Verleger des Ch. Links Verlages, Autor, Publizist und Kulturhistoriker.
Lesetipp von Dr. Christoph Links mit dem Buch "Krieg und Sühne. Der lange Kampf der Ukraine gegen die russische Unterdrückung" von Mikhail Zygar