„Wenn man sich wehrt, kann man etwas verändern.“

Wenn Petra Stephan auf ihren Alltag in der DDR zurückblickt, sagt sie, dass sie sich „Vieles erst erkämpfen“ musste: den Studienabschluss in Psychologie, die Stelle als Dozentin an der Berliner Charité, vor allem aber ein selbstbestimmtes Leben. Nach Meinung der herrschenden Partei SED war Selbstbestimmung für DDR-Bürger nicht vorgesehen – erst recht nicht für Menschen wie Petra Stephan. Denn die Dresdnerin sitzt aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung im Rollstuhl.

Ihre Geschichte ist Teil eines Zeitzeugenprojekts von bifos e.V. und im Interview-Band „Wir sind mutig, stark und schön“ festgehalten. Zwölf Menschen mit Behinderungen berichten darin, wie sie seit den 1970er-Jahren in West- und Ostdeutschland für Teilhabe und Selbstbestimmung gekämpft haben – oft gegen Barrieren in der Umwelt und in den Köpfen ihrer (nichtbehinderten) Mitmenschen. Gerade in der DDR besaß die Forderung nach einem selbstbestimmten Leben stets politische Sprengkraft: Sie stellte den allumfassenden Fürsorge- und Machtanspruch der SED infrage und konnte als politische Abweichung bestraft werden. Schon Selbsthilfegruppen agierten am Rande zur Illegalität, weil es keine unabhängigen Betroffenenverbände geben durfte.

Diesen Gegenwird spürte auch Hans-Reiner Bönning aus Halle. Der studierte Mathematiker ist seit einem Unfall in der Jugend querschnittsgelähmt und setzte sich schon früh in seinem Umfeld für Rampen und behindertengerechte Verkehrsmittel ein. Seit 1980 engagierte er sich in Ost-Berlin in einer halblegalen Gruppe, die auf die mangelhafte Situation von Betroffenen in der DDR aufmerksam machen wollte. Gemeinsam mit Petra Stephan versuchte Bönning „aus der Gruppe mehr zu machen. Da sind wir aber ganz schnell an unsere Grenzen gestoßen.“ Die Stasi hatte interveniert.

Wie es für Petra Stephan und Hans-Reiner Bönning danach weiterging, erfahren Sie im Buch – oder in unserer Mediathek, wo Sie die Diskussionsveranstaltung "Protestgeschichte von Menschen mit Behinderungen in der DDR" anschauen können.

Bibliografische Angaben

Barbara Vieweg: Wir sind mutig, stark und schön. 12 Interviews aus der Behindertenbewegung, Kassel 2019.

Barbara Vieweg (Hrsg.)

Wir sind mutig, stark und schön

Lesetipp von Dr. Christine Schoenmakers, Referentin für inklusive und interkulturelle Bildung bei der Bundesstiftung Aufarbeitung.
Dr. Christine Schoenmakers hält das Buch "Wir sind mutig, stark und schön" in der Hand.