75 Jahre Zwangsvereinigung der SPD mit der KPD

Berlin, am 21./22. April 1946: Im Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße beschließen Delegierte der SPD und KPD auf einem Sonderparteitag einstimmig die Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in der Sowjetischen Besatzungszone. Was vor 75 Jahren als Akt demokratischer Willensbildung inszeniert wurde, war eine wesentliche Etappe auf dem Weg in die kommunistische Diktatur in Ostdeutschland. Das Dossier „75 Jahre Zwangsvereinigung“ präsentiert u.a. Analysen, Leseempfehlungen, Debattenbeiträge und Zeitzeugenberichte zum Thema. Es richtet sich gleichermaßen an historisch interessierte Bürgerinnen und Bürger wie an Multiplikatoren der schulischen und außerschulischen Bildung.

Historischer Überblick

Die Gründung der SED im April 1946 gehört zu den geschichtlichen Schlüsselereignissen. Die Art und Weise, wie nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft im Ostteil Deutschlands die parteipolitische Landschaft geordnet wurde, verdient bis heute in Erinnerung gehalten zu werden.

Andreas Malycha, Historiker am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, gibt einen historischen Überblick über die Zerschlagung der Sozialdemokratie in der Sowjetischen Besatzungszone.
Zeitungsstapel

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Wolfgang Leonhard beschreibt den Stalinismus aus einer authentischen Innenperspektive.

Die Broschüre von Andreas Malycha bietet eine chronologische Übersicht der Geschichte und Organisation der SED von 1945 bis 1989.

Des Weiteren gibt es eine Tagungsdokumentation, die auch Beiträge zur Gleichschaltung der bürgerlichen Parteien in der Sowjetischen Besatzungszone zwischen 1946 und 1948/49 bereitstellt.

Weitere Publikationen von Beatrix Bouvier, Wilfried Loth, Klaus Schönhoven, Jörg K. Hoensch und Hans Lemberg bieten vertiefende Einblicke in das Thema.
Aufgeschlagenes Buch

Zeitzeugen berichten

Wolfgang Leonhard, der als junger KP-Funktionär 1945 mit der "Gruppe Ulbricht" aus Moskau nach Berlin kam, erklärt die Gründe für die Vereinigung von SPD und KPD zur SED aus kommunistischer Sicht.

Der Schriftsteller Erich Loest berichtet unter anderem über die Bevorzugung der Kommunisten sowie die Hilflosigkeit der Sozialdemokraten, die sich nach der Vereinigung von KPD und SPD wieder eine stärkere Position erhofften - und bitter enttäuscht wurden.

Gustav Just hielt die Vereinigung von KPD und SPD im April 1946 zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) für einen richtigen Schritt. Dass er unter Zwang geschah, war ihm nicht bewusst.
Filmrollen in einem Karton

Online-Dokumentationen

Eine audiovisuelle Webdokumentation des NDR nimmt die Zwangsvereinigung in Mecklenburg-Vorpommern in den Blick. Auf der digitalen Lernplattform Adenauer Campus der Konrad-Adenauer-Stiftung berichten einzelne Sozialdemokraten über den Widerstand gegen die Zwangsvereinigung von KPD und SPD. Die Internetpräsentation "Erinnerungsorte der Sozialdemokratie" der Friedrich-Ebert-Stiftung beschäftigt sich sowohl mit der Vorgeschichte der Zwangsvereinigung als auch mit den Folgen und den Reaktionen der (westlichen) SPD bis 2006. Auf der Website des Arbeitskreises der ehemals verfolgten und inhaftierten Sozialdemokraten (AvS) beim SPD-Parteivorstand finden sich Artikel und Reden rund um eine Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag der Zwangsvereinigung.
WWW Symbolbil

Bildung

Die Unterrichtseinheit ,,Die Geschichte der SED“ behandelt die Gründungsphase und die Entwicklung der SED. Das Material richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II. Es umfasst sechs bis acht Unterrichtsstunden. Der Beitrag „Geteiltes Deutschland – so entstand die DDR“ auf dem YouTube-Kanal von TerraX (ZDF) behandelt die Zwangsvereinigung im Rahmen der Gründung der DDR. So behandelt es auch der YouTuber Mirko Drotschmann („MrWissen2Go“) in seinem Videoclip „Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)“. Noch konkreter behandelt der Videoclip „Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands – SED“ mit historischen Bildern die Gründung der SED.

Erinnerungsorte

Zum 40. Jahrestag der Zwangsvereinigung der KPD und SPD zur SED wurde an der Zentrale des Berliner Landesverbandes der SPD im West-Berliner Bezirk Wedding am 31. März 1986 eine Gedenktafel enthüllt. Sie erinnert daran, dass die Sozialdemokratie die meisten Opfer unter den verfolgten Parteien in den beiden deutschen Diktaturen zu beklagen hatte.

Zum Gedenken an die sozialdemokratischen Opfer, die im Kampf gegen Unfreiheit, Unterdrückung und Ausbeutung ihr Leben verloren haben, wurde zudem am 27. September 2000 in der Bundeszentrale der SPD, dem Willy-Brandt-Haus in Berlin, ein Gedenkort eröffnet.