Aus Anlass des 65. Jahrestags des Mauerbaus präsentiert die Bundesstiftung Aufarbeitung Fotos aus ihrem Archiv zusammen mit eindrücklichen Texten, die an die politische Vorgeschichte der Teilung, an die gewaltsame Abriegelung Berlins durch die DDR-Führung, an Flucht, Repression und den Tod an der Grenze, an den Mut derer, die sich dem Grenzregime widersetzten, an den Alltag mit der Mauer sowie an die Friedliche Revolution von 1989 erinnern. 

Die Texte stammen aus der Ausstellung „Die Mauer. Eine Grenze durch Deutschland“, die die Bundesstiftung Aufarbeitung gemeinsam mit den Zeitungen BILD und DIE WELT 2011 zum 50. Jahrestag des Mauerbaus herausgegeben haben. Die Ausstellung wurde damals in mehreren Tausend Exemplaren bundesweit präsentiert.

Autoren der Texte sind die Journalisten und Publizisten Dr. Ralf Georg Reuth und Sven Felix Kellerhoff. Dr. Ralf Georg Reuth, langjähriges Mitglied der Chefredaktion der „BILD“-Zeitung, ist promovierter Historiker und als Verfasser zahlreicher zeitgeschichtlicher Studien und Biografien (unter anderem zu Joseph Goebbels und Helmut Kohl) bekannt. Sven Felix Kellerhoff wirkt als Leitender Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte bei der Tageszeitung „Die Welt“ und hat sich als Autor einer Vielzahl von Büchern zur Berliner Stadtgeschichte sowie zur Aufarbeitung der deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts einen Namen gemacht.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Dossier „Mauerbau am 13. August 1961“.

Die Mauer – Eine Grenze durch Deutschland

Besatzungszonen – Der Eiserne Vorhang
Drei ältere Männer sitzen nebeneinander auf Stühlen und unterhalten sich
Der britische Premierminister Winston Churchill, US-Präsident Harry S. Truman und der sowjetische Diktator Josef Stalin beraten im Juli 1945 auf der Potsdamer Konferenz über die politische Ordnung Europas und die Zukunft des besiegten Deutschlands. © Bundesstiftung Aufarbeitung, Eastblockworld, EBW_PH_1224642.

Auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 bekräftigen die „Großen Drei“, der britische Premier Winston Churchill, US-Präsident Harry S. Truman und der sowjetische Diktator Josef Stalin, das besiegte Deutsche Reich gemeinsam zu verwalten. Deutschland wird in Besatzungszonen und seine Hauptstadt Berlin in Sektoren aufgeteilt. Die Siegermächte sollen ihre Territorien jeweils in eigener Verantwortung administrieren; über Deutschland als Ganzes betreffende Fragen wollen sie fortan gemeinsam in einem Kontrollrat in Berlin entscheiden. Allerdings zerfällt das so ungleiche Bündnis binnen weniger Monate. Die Demarkationslinie zwischen der britischen und amerikanischen Zone einerseits sowie der sowjetischen andererseits wird zur Weltanschauungsgrenze. Churchill hat das schon früh geahnt. Bereits vier Tage nach der deutschen Kapitulation verwendet er in einem Telegramm an Truman erstmals das Bild vom „Eisernen Vorhang“, der mitten in Europa niedergegangen sei und den Kontinent nun teile. Besonders in Berlin spitzt sich die Lage zu. Die ehemalige Reichshauptstadt ist in vier Sektoren aufgeteilt; hier sind die drei Siegermächte und zusätzlich Frankreich gezwungen, besonders eng zusammenzuarbeiten. Doch schon in den ersten Monaten der Vier-Mächte-Besatzung kommt es in Berlin zu harten Konflikten. 

Ab Frühjahr 1946 eskalieren die Auseinandersetzungen – sowohl offen in Form von Propagandaschlachten als auch verdeckt durch zahlreiche Geheimdienstaktionen. So scheitert die Hoffnung auf eine Zusammenarbeit der Siegermächte innerhalb kurzer Zeit. Statt Frieden für Europa und die Welt bricht nunmehr der Kalte Krieg zwischen Ost und West aus.

Blockade – Rettung aus der Luft
Menschenansammlung, über die ein Flugzeug hinwegfliegt
Ein „Rosinenbomber“ im Landeanflug auf den Flughafen Tempelhof. Während der sowjetischen Blockade 1948/49 versorgen die Westmächte die Bewohner West-Berlins im Rahmen einer Luftbrücke. © Bundesstiftung Aufarbeitung, Eastblockword, EBW_PH_1344518.

Nirgendwo ist die Konfrontation zwischen westlicher Demokratie und sowjetischer Diktatur deutlicher als in Berlin. Im Oktober 1946 gibt es freie Wahlen in der ganzen Stadt – die ersten seit 1932 und die letzten bis 1990. Die Menschen sprechen sich klar für die traditionsreiche Sozialdemokratie und die neu gegründete Christdemokratische Partei aus. Dagegen erhält die Sozialistische Einheitspartei (SED), die aus der KPD und den mit ihr zwangsweise vereinigten Teilen der SPD besteht, nur ein Fünftel der Stimmen. Dennoch verweigern die Sowjets im Juni 1947 dem gewählten Oberbürgermeister Ernst Reuter die Bestätigung. Als ein Jahr später in Westdeutschland die Deutsche Mark (DM) als neue Währung eingeführt wird, widersetzt sich der sowjetische Stadtkommandant einer Lösung des Währungsproblems in Berlin. Daraufhin bekommen auch die drei Westsektoren die DM. Stalin reagiert mit einer totalen Blockade aller Land- und Wasserwege von den westlichen Zonen in die Westsektoren Berlins. Auch die Stromversorgung und Nahrungslieferungen aus dem Umland in die Millionenstadt werden unterbrochen. Rund um Berlin sowie an der Sektorengrenze innerhalb der Stadt lässt die ostdeutsche Übergangsverwaltung Kontrollpunkte einrichten. 

Während der Blockade sind die drei westlichen Sektoren der Stadt vom Umland indes nicht völlig abgeschnitten; Besuche sind möglich. Wer allerdings von der ostdeutschen Polizei beim Schmuggeln erwischt wird, dem drohen empfindliche Strafen.
Der US-Militärgouverneur Lucius D. Clay widersetzt sich der sowjetischen Erpressung. Er greift den tollkühnen Vorschlag eines britischen Offiziers auf und setzt durch, dass die drei Westsektoren Berlins ab sofort per Flugzeug versorgt werden. Die Luftbrücke läuft an. Bald landen im Minutentakt Versorgungsflugzeuge. Kleinlaut lenken die Sowjets im Mai 1949 ein und geben die Verkehrswege von und nach West-Berlin wieder frei.

Klassenkampf – Politik gegen das Volk
Demonstranten werfen Steine auf sowjetische Panzer
Demonstranten werfen am 17. Juni 1953 in Ost-Berlin Steine auf sowjetische Panzer, die in der gesamten DDR den Volksaufstand gegen die SED-Diktatur niederschlagen. © Bundesstiftung Aufarbeitung, Eastblockworld, EBW_PH_1211645.

Im Jahr 1952 beschließt die SED den Aufbau des Sozialismus. In den Jahren zuvor hatte sie in Ostdeutschland mit sowjetischer Unterstützung ihre Diktatur errichtet. Seit 1949 ist Deutschland in zwei Staaten geteilt. Während sich in der westdeutschen Bundesrepublik die Lebensbedingungen stetig verbessern, führt die SED den Klassenkampf gegen die eigene Bevölkerung. Bauern werden in Genossenschaften gepresst, private Unternehmer mit immer höheren Steuern in die Knie gezwungen, Christen verfolgt. Als im Juni 1953 eine Steigerung der Arbeitsleistung von zehn Prozent angeordnet wird, gehen in Ost-Berlin die Bauarbeiter auf die Straße. Am 17. Juni weitet sich der Protest auf die ganze DDR aus. In über 700 Städten und Gemeinden gehen rund eine Million Menschen auf die Straße. Sie fordern freie Wahlen und ein Ende der Diktatur. Die SED-Herrschaft steht vor dem Aus. Da fahren sowjetische Panzer auf und schlagen den Protest nieder; mindestens 55 Menschen kommen ums Leben. Der Volksaufstand ist ein Schock für die SED. Zunächst reagiert die Parteiführung mit Zugeständnissen, die die Lage entspannen und die Versorgung verbessern sollen.

Gleichzeitig aber wird die Staatssicherheit ausgebaut. 1958 fühlt sich die Partei wieder erstarkt. Auf ihrem V. Parteitag kündigt sie an, den „Aufbau des Sozialismus“ wieder in allen Bereichen voranzutreiben. Die SED beschränkt sich dabei nicht auf ideologische Kampagnen. Mit Druck wird die Kollektivierung der Landwirtschaft durchgesetzt. Private Unternehmer, aber auch Handwerker, Bäcker, Fleischer und viele der verbliebenen privaten Einzelhändler werden enteignet oder in Produktionsgenossenschaften genötigt. Wieder werden Christen in der DDR drangsaliert. Die Landwirtschaft verzeichnet dramatische Einbrüche, die Versorgungslage spitzt sich zu. Anfang der sechziger Jahre hat die SED die DDR erneut in die Krise geführt.

Westwärts – Exodus aus der DDR
Zwei ältere Männer in Wollmänteln sprechen mit einer Gruppe von dicht gedrängten Menschen
Der Bundespräsident Theodor Heuss und der Regierende Bürgermeister von West-Berlin Willy Brandt, besuchen am 3. November 1958 das Notaufnahmelager Marienfelde. Gemeinsam sprechen sie mit Geflüchteten aus der DDR. © Bundesstiftung Aufarbeitung, Eastblockworld, EBW_PH_1212758.

Die Politik der SED gegen die eigene Bevölkerung und die damit einhergehende neuerliche Verschlechterung der Lebenslage lässt Ende der fünfziger Jahre die Zahl der Menschen sprunghaft ansteigen, die die DDR für immer gen Westen verlassen. Ihr Ziel ist die Bundesrepublik, wo Freiheit, Demokratie und Wirtschaftswunder die Flüchtlinge erwarten. Vor allem jüngere und gut ausgebildete Menschen entscheiden sich zur Flucht. Das ist allerdings längst nicht mehr einfach. Seit 1952 ist die innerdeutsche Grenze mit Stacheldraht abgeriegelt; die Übergänge werden scharf kontrolliert. Auch um ganz Berlin haben ostdeutsche Grenzpolizisten einen Sperrring gezogen. Dagegen wird die innerstädtische Grenze zwar überwacht, aber wegen der Zuständigkeit aller vier Alliierten für Berlin als Ganzes nicht vollständig gesperrt. Mehrere U- und S-Bahnlinien verkehren über die Sektorengrenze hinweg. Wer sich allerdings mit viel Gepäck der Demarkationslinie nähert, riskiert die Festnahme. Dennoch ist das West-Berliner Notaufnahmelager Marienfelde bald völlig überfüllt. Liegt die Zahl der Flüchtlinge 1959 monatlich noch bei rund 12 000 Menschen, steigt sie 1960 um die Hälfte. Bis zum Sommer 1961 sind es täglich bis zu 2400 Männer, Frauen und Kinder, die mit höchstens ein paar Koffern einen Neuanfang im Westen wagen.

 Wer als politischer Flüchtling anerkannt wird, bekommt entweder eine Wohnung in West-Berlin oder wird ausgeflogen. Da der zivile Luftverkehr von den westlichen Alliierten abgewickelt wird, sind die „Republikflüchtigen“ sicher. Die Forderung des sowjetischen Parteichefs Nikita Chruschtschow und des SED-Generalsekretärs Walter Ulbricht, den Flugverkehr von und nach West-Berlin zu kontrollieren, ist der durchsichtige Versuch, das Schlupfloch zu schließen.

 Mauerbau – Der 13. August 1961
Eine Gruppe von Menschen steht auf einem Platz mit einem Mauerteil
Nachdem der Zugang zu West-Berlin am 13. August 1961 zunächst provisorisch vor allem mit Stacheldraht abgeriegelt worden war, wird die Grenze um West-Berlin Schritt für Schritt immer dauerhafter und undurchlässiger gemacht. Unter dem wachsamen Blick bewaffneter DDR-Grenzer ziehen Ost-Berliner Bauarbeiter im Sommer 1962 am Haus der Ministerien – dem heutigen Finanzministerium – eine befestigte Mauer hoch. © Bundesstiftung Aufarbeitung, Eastblockworld, EBW_PH_1346147.

Mitten in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 ist es so weit: Um 1.05 Uhr gehen die Lichter aus. Das Brandenburger Tor, Symbol der offenen deutschen Frage, sonst hell erleuchtet, liegt in der lauen Sommernacht schlagartig im Dunkeln. Nur schemenhaft sind die Schützenpanzer zu erkennen, die durch das klassizistische Bauwerk rollen, und Uniformierte, die an der Bezirksgrenze von Mitte zu Tiergarten eine Postenkette bilden. Nicht nur hier, sondern überall rund um die drei westlichen Sektoren Berlins marschieren in diesen Minuten bewaffnete DDR-Kräfte auf. Sie sperren die etwa 80 bis dahin vorhandenen offiziellen Übergänge, ziehen über Straßen, durch Ruinengrundstücke und Parks Stacheldraht. Deutsche aus Ost-Berlin und der DDR dürfen die Sektorengrenze nur noch mit speziellen Passierscheinen überschreiten – also praktisch gar nicht. Gegen 1.45 Uhr ist ganz West-Berlin abgesperrt und von bewaffneten Posten umstellt. Vom Frühjahr 1961 an bedrohte die Fluchtwelle die Existenz der DDR. Mit diesem Argument setzte Walter Ulbricht bei Nikita Chruschtschow durch, dass West-Berlin völlig abgeriegelt wird. SED-Sicherheitschef Erich Honecker tarnt die „Operation Rose“ perfekt. 

Obwohl umfangreiche Vorbereitungen nötig sind, tausende Soldaten, Polizisten und Männer aus den paramilitärischen „Betriebskampfgruppen“ eingesetzt werden, gelangen vorab keine Details über die Abriegelung an die Öffentlichkeit. Einzelne Gerüchte lassen zwar den Bundesnachrichtendienst aufhorchen. Jedoch können sich Politiker in Bonn und West-Berlin nicht vorstellen, dass die DDR tatsächlich die Sperrung der innerstädtischen Sektorengrenze wagt und damit einen klaren Verstoß gegen den Vier-Mächte-Status begeht.

Realpolitik – Reaktion der Alliierten
Kennedy und seine Entourage am Brandenburger Tor
US-Präsident John F. Kennedy am Brandenburger Tor während seines Besuchs in West-Berlin am 26. Juni 1963. Am selben Tag spricht er in einer Rede den berühmten Satz aus: „Ich bin ein Berliner“. © Bundesstiftung Aufarbeitung, Eastblockworld, EBW_PH_1346150.

Der Westen wird durch den Mauerbau überrumpelt. Die drei Schutzmächte sehen aber keinen Grund für harte Gegenmaßnahmen. Man bleibt gelassen: US-Präsident John F. Kennedy segelt vor Massachusetts, der britische Premier Harold MacMillan jagt in Schottland, der französische Präsident Charles de Gaulle erholt sich in der Champagne. Alle drei sehen in der Abriegelung lediglich eine Festschreibung der politischen Realität. Kennedy stellt lapidar fest: „Wir werden jetzt nichts tun, denn es gibt keine Alternative außer Krieg.“ Peinlich genau achten die USA darauf, dass ihre Rechte nicht angetastet werden. Kennedy hat Nikita Chruschtschow schon am 25. Juli 1961 signalisiert, worauf der Westen bestehen wird – und worauf nicht. Unabdingbar sind für ihn die Präsenz der Alliierten in West-Berlin, freie Zugangswege von und nach West-Berlin sowie die Selbstbestimmung der West-Berliner. Ost-Berlin kommt in Kennedys Fernsehansprache nicht vor.

Die Deutschen aber sind nicht bereit, die Absperrung zu akzeptieren. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt schreibt nach Washington: „Untätigkeit und reine Defensive könnten eine Krise des Vertrauens gegenüber den Westmächten verursachen.“ Daraufhin schickt Kennedy seinen Vizepräsidenten Lyndon B. Johnson nach Berlin, ernennt Lucius D. Clay zu seinem Sonderbeauftragten und lässt die West-Berliner US-Garnison durch 1500 GIs verstärken; auch Briten und Franzosen schicken zusätzliches Militär. Mit Panzern zeigen die Schutzmächte Präsenz. Das Vertrauen der West-Berliner kehrt zurück, besonders als Kennedy im Juni 1963 selbst die Stadt besucht und die berühmten Worte spricht: „Ich bin ein Berliner!“ Offiziell geregelt wird der durch den Mauerbau radikal veränderte Status von Berlin erst 1972 im Viermächteabkommen.

Verzweiflung – Leid und Freiheitsdrang
Eine Person kriecht durch einen niedrigen und engen Tunnel.
57 DDR-Bürger fliehen am 3. und 4. Oktober 1964 durch den 145 Meter langen „Tunnel 57“ unter der Bernauer Straße von Ost- nach West-Berlin. West-Berliner Fluchthelfer gehen bei diesen Aktionen ein großes persönliches Risiko ein. © Bundesstiftung, Eastblockworld, EBW_PH_1101181.

Der Bau der Mauer spaltet nicht nur Berlin, er trennt auch Familien und Freunde. In den ersten Tagen nach dem 13. August hat die Absperrung der Demarkationslinie noch Lücken. Tausende Ost-Berliner nutzen diese Chance. Allein in den ersten zwölf Stunden setzen sich drei Dutzend junge Leute schwimmend durch den Landwehrkanal, den Heidekampgraben und den Britzer Zweigkanal in den Westen ab. Auch über Friedhofs- und Werksmauern an der Sektorengrenze ist anfangs noch relativ ungefährdet der Weg nach West-Berlin möglich. 
Viel schwieriger wird die Flucht, als vom 15. August 1961 an eine Sperre aus Beton- und Ziegelsteinen die Stacheldrahtverhaue in der Innenstadt ersetzt. Einigen Dutzend dienstverpflichteten Maurern gelingt der Sprung in die Freiheit; auch zahlreiche Grenzposten desertieren. Bis zum 23. August 1961 dürfen West-Berliner mit ihren Personalausweisen in den Ost-Teil fahren. Doch das SED-Politbüro unterbindet diese Möglichkeit, weil viele Ostdeutsche mit eingeschmuggelten West-Berliner Ausweisen die DDR verlassen. Für die nächsten zweieinhalb Jahre ist die Trennung der Menschen fast total. Nur Briefe und Telegramme kommen noch durch, stets streng kontrolliert und oft mit tagelanger Verspätung.

Bis in den Herbst 1961 hinein kriechen Flüchtlinge durch Abwasserkanäle in den Westen und scheuen sich dabei nicht, durch Fäkalien zu tauchen. An einigen Stellen gelingen noch im September 1961 am helllichten Tag gut koordinierte Massenfluchten durch zuvor zerschnittene Drahtverhaue. An den Grenzsperren kommt es zu erschütternden Szenen: Junge Brautpaare im Westen verabschieden sich von ihren Eltern im Osten; geflüchtete Väter sehen ihre Frauen und Kinder oft für Jahre zum letzten Mal; Verlobte oder Geschwister müssen Abschied nehmen.