Sowjetische Speziallager in der SBZ/DDR

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs errichtete die sowjetische Besatzungsmacht auf dem Gebiet ihrer Besatzungszone insgesamt zehn sogenannte Speziallager. In diesen sollten entsprechend alliierter Festlegungen zur Entnazifizierung der deutschen Gesellschaft aktive Nationalsozialisten interniert werden. Zu den in den Lagern Gefangenen gehörten kleine und mittlere Funktionäre von NS-Organisationen, NSDAP-Mitglieder, aber auch willkürlich Verhaftete sowie Gegner des sowjetischen Gesellschaftsmodells. Die Lager wurden in ehemaligen Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagern eingerichtet. Von den etwa 158.000 Gefangenen überlebte wegen der katastrophalen Bedingungen etwa ein Drittel nicht.
Eine Einführung

Jörg Morré: Sowjetische Speziallager in Deutschland

Am Ende des Zweiten Weltkrieges begannen die Alliierten auf Grundlage der auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 getroffenen Absprachen, Nationalsozialisten und Kriegsverbrecher in Lagern zu internieren. Auch die Rote Armee richtete auf ihrem Vormarsch entsprechend dem NKWD-Befehl Nr. 00315 vom 18. April 1945 sogenannte Speziallager zur „Säuberung des Hinterlandes der kämpfenden Truppen der Roten Armee von feindlichen Elementen” ein.
Aquarell von Detlev Putzar - Sachsenhausen. Baracke 47 Zone II
Sowjetische Speziallager

Historischer Hintergrund und Forschungsstand

Die sowjetischen Speziallager sind in vielerlei Hinsicht ein komplexes Thema. Vereinigt doch die Geschichte der zehn Lager in der Sowjetischen Besatzungszone von 1945 bis 1950 und die Geschichte ihrer Aufarbeitung eine Menge Brüche und Dissense wie kaum ein anderes Thema der deutschen Zeitgeschichte. Wie ist der aktuelle Forschungsstand zum Thema und wie sind die Lager historisch einzuordnen?
Erfurt: Am 45. Jahrestag der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald machten Vertreter der Jungen Union Weimar auch auf die Greuel des sowjetischen Sicherheitsdienstes NKWD aufmerksam, der auf dem Territorium des ehemaligen KZ das "Speziallager 2" unterhielt.
Geboren hinter Stacheldraht

Kinder in den sowjetischen Speziallagern

Zu Opfern, die keinerlei persönliche Schuld auf sich gezogen und trotzdem ihr ganzes Leben von den Lagererfahrungen geprägt waren, sind Kinder. Kinder, die es offiziell nicht geben durfte, die aber nichtdestotrotz „hinter dem Stacheldraht“ der Speziallager zur Welt kamen. In allen zehn Speziallagern in der Sowjetischen Besatzungszone kamen Kinder zur Welt. In unserer Interviewreihe erzählen acht von ihnen ihre Geschichte und sprechen auch über das Schicksal ihrer Eltern.
Zeichnung einer Mutter, die ihr Baby in den Armen hält. Im Hintergrund ein Soldat mit einem Knüppel
Publikation

Erinnerungsorte

Im Rahmen unseres Dokumentationsprojektes „Erinnerungsorte an die kommunistischen Diktaturen“ haben wir eine Übersicht „Orte des Erinnerns an die Sowjetischen Speziallager und NKWD-Gefängnisse in der SBZ/DDR“ zusammengetragen. Darin werden über 60 Orte in Deutschland vorgestellt, die an dieses leidvolle Kapitel der DDR-Geschichte erinnern. Die Publikation kann kostenlos in unserem Shop heruntergeladen werden.
An dem Massengrab „An der Düne“ erinnert ein Gedenkstein an die Opfer des Speziallagers Sachsenhausen
Film, Kunst und Literatur
Filme, Literatur, Webportale

Materialien

Wir haben Materialien zum Thema „Sowjetische Speziallager in der SBZ/DDR“ für Sie zusammengetragen, darunter Publikationen, Filme, Literatur und Webportale.
Publikationsheft der Bundesstiftung Aufarbeitung
Aus dem Stiftungsarchiv

Bildkunst von Detlev Putzar und Wilhelm Sprick

Nur selten gibt es bildliche Darstellungen des Haftalltags. Detlev Putzar wurde selbst zu zehn Jahren Straflager verurteilt. In unserem Archiv verwahren wir seine Bilder und autobiographische Aufzeichnungen aus dieser Zeit. Auch Wilhelm Sprick war inhaftiert. Seine Darstellungen vom Lager Sachsenhausen und vom Häftlingsaufstand in Bautzen offenbaren das Leid der Häftlinge.
Malerei von Häftlingen, die einen anderen Insassen stützen