Charlottenburg-Wilmersdorf. Im Anschluss an eine Kundgebung der Berliner Heimatvertriebenen im Titaniapalast wurde am 10. September 1955 auf dem Reichskanzlerplatz (heute: Theodor-Heuss-Platz) ein Wiedervereinigungsmahnmal eingeweiht. Der damalige Bundespräsident Theodor Heuss entzündete eine Flamme, die bis zur Wiedervereinigung brennen und geleichzeitig auch an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR erinnern sollte. An einem Kunststeinkubus ist die Inschrift „Freiheit – Recht – Friede“ zu lesen. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 fanden an diesem Platz auch Protestkundgebungen statt.
Mit der Deutschen Einheit wurde die Flamme am 3. Oktober 1990 zunächst gelöscht. Am 10. Dezember 1990 wurde das Mahnmal umgewidmet. Die wieder entzündete Flamme brennt nun symbolisch für den Kampf um Menschen- und Völkerrechte weltweit. Im Jahr 1999 brachte die CDU/CSU-Fraktion einen Antrag in den Deutschen Bundestag ein, wonach das Denkmal auf dem Theodor-Heuss-Platz als zentrales Mahnmal gegen Flucht und Vertreibung in die Gedenkstättenkonzeption des Bundes aufzunehmen sei. Der Antrag folgte einer Empfehlung der Enquete-Kommission „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit“. Der Bundestag stellte daraufhin fest, dass der Erhalt des Denkmals eine gesamtstaatliche Aufgabe sei.
Freiheit – Recht – Friede
Diese Flamme mahnt: / Nie wieder Vertreibung!
Berlin/Charlottenburg-Wilmersdorf, Theodor-Heuss-Platz
Friedrichshain-Kreuzberg. Im Viktoriapark, der zwischen 1888 und 1894 nach Plänen des Stadtgartendirektors Hermann Mächtig auf dem 66 Meter hohen Kreuzberg entstand, wurde am 16. Juni 1954 an der Ecke Möckernstraße/ Kreuzbergstraße ein Mahnkreuz für die Opfer des Volksaufstandes am 17. Juni in der DDR errichtet. 1980 wurde der Park als erste öffentliche Grünanlage Berlins unter Denkmalschutz gestellt und das seit 1954 mehrfach erneuerte Holzkreuz wurde später ergänzt durch einen Gedenkstein aus Rosenquarz, der eine Inschrift trägt.
17. Juni / 1953
Berlin/Friedrichshain-Kreuzberg, Viktoriapark, Möckernstraße/ Kreuzbergstraße
Friedrichshain-Kreuzberg. Diese Gedenktafel erinnert daran, dass der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 auf den Baustellen der damaligen Stalinallee (heute: Karl-Marx-Allee) seinen Anfang nahm. Unmittelbarer Anlass für die Unzufriedenheit der Arbeiter war die kurz zuvor beschlossene Erhöhung der Arbeitsnormen für die Bauarbeiter bei gleichbleibendem Lohn.
Bereits am Montag, dem 15. Juni 1953, regte sich großer Unmut, als die Löhne erstmals nach den neuen Vorgaben ausgezahlt worden waren. Hinzu kam, dass die Arbeit an der Stalinallee – einem Prestigeobjekt der SED-Führung – wegen Materialmangels und schlechter Organisation häufig stockten, was zu zusätzlichen Lohneinbußen führte. Am Morgen des 16. Juni streikten die Arbeiter der nahegelegenen Baustelle am Krankenhaus Friedrichshain. Einige Arbeiter vom Block 40 der Stalinallee nahmen daran teil und informierten auch ihre Kollegen. Als es hieß, die Arbeiter am Krankenhaus Friedrichshain würden auf der Baustelle festgehalten, formierte sich in der Stalinallee spontan ein erster Demonstrationszug. Diesem Protestzug schlossen sich immer mehr Menschen an, so dass wenige Stunden später über 2 000 von der Stalinallee zum Haus der Ministerien in der Leipziger Straße zogen. Der Protest der Arbeiter von Block 40 weitete sich zu einem landesweiten Aufstand aus. Einen Tag später wurde der Aufstand durch Panzer der Roten Armee niedergeschlagen.
Am 17. Juni 2003 wurde zum 50. Jahrestages des Volksaufstandes gegenüber dem ehemaligen Block 40 auf Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Berlin-Brandenburg und der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg eine Tafel zur Würdigung jener Menschen installiert, die den Mut zum Streik gegen das SED-Regime aufbrachten. Angebracht ist die Tafel an einer 60 Zentimeter hohen Mauer, die zu diesem Zweck in einer gemeinsamen Bauaktion mit dem Namen „Denkbaustein“ aus solchen Steinen errichtet wurde, wie sie 1953 für den Bau der Häuser in der Stalinallee benutzt wurden.
Die Tafel wurde wiederholt gestohlen und beschädigt, die Steine wurden beschmiert. Die ursprüngliche Glasplatte wurde mehrfach ausgetauscht und schließlich durch eine Metallplatte ersetzt. Als Teil eines Informations- und Leitsystems durch die Karl-Marx- und die Frankfurter Allee erinnert neben der Mauer eine in Deutsch und Englisch abgefasste Schautafel an die „Die Ereignisse um den 17. Juni 1953“. Über einen QR-Code können weitere Tafeln digital abgerufen werden, darunter auch eine zur „Baustelle Stalinallee“, die nicht mehr vor Ort ist. Jedes Jahr veranstaltet der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg unter Teilnahme der Bezirksbürgermeisterin am 17. Juni ein „Stilles Gedenken“ an dem Gedenkort.
„Wir wollen freie Menschen sein“ / Am Rosengarten begannen die Bauarbeiter am 16. Juni 1953 / ihren Protest gegen die Normerhöhung der SED-Regierung. / Ihre Aktion führte am 17. Juni 1953 zum landesweiten Aufstand.
Berlin/Friedrichshain-Kreuzberg, Am Rosengarten, Karl-Marx-Allee 103–105
Friedrichshain-Kreuzberg. Der 46-jährige Max Fettling war Vorsitzender der Betriebsgewerkschaft des VEB Industriebau in Berlin, als Ende Mai 1953 auf Betreiben der SED-Führung in der DDR eine allgemeine Erhöhung der Arbeitsnorm um zehn Prozent beschlossen wurde und sich die Stimmung unter den Arbeitern rapide verschlechterte. Der Betrieb war u. a. für die Baustelle des Krankenhauses Berlin-Friedrichshain zuständig, die einer der Ausgangspunkte der Streiks am 16. Juni war. Anlässlich des 50. Jahrestages des Volksaufstandes wurde der bis dahin namenlose Platz vor der Einfahrt des Krankenhauses in Friedrichshain am 17. Juni 2003 in Max-Fettling-Platz benannt.
Auf dem Straßenbegleitschild: Max Bruno Fettling / geb.1907 in Berlin, gest. 1974 in Berlin / Bauarbeiter / Gewerkschafter / wegen Beteiligung am Arbeiteraufstand im Juni 1953 zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Berlin/ Friedrichshain-Kreuzberg, Max-Fettling-Platz
Lichtenberg. Als am 17. Juni 1953 die Arbeiter des Funkwerkes Berlin-Köpenick streikten und in die Innenstadt zogen, stand Siegfried Berger an ihrer Spitze. Aus dem anfänglichen Protest gegen die Ende Mai von der SED-Führung beschlossene Normerhöhung, die eine Lohnkürzung für die Arbeiter bedeutete, entwickelte sich ein Volksaufstand. Wie an zahlreichen anderen Orten wurden auch in der von Köpenick ausgehenden Demonstration der Rücktritt der Regierung, freie und geheime Wahlen und die Wiedervereinigung gefordert. Berger, der schon 1947 in seiner Heimatstadt Dresden versucht hatte, eine illegale SPD-Gruppe zu organisieren, war Mitglied der SPD. Als einer der Streikführer vom 17. Juni 1953 wurde er drei Tage später durch die Staatssicherheit verhaftet.
Am 2. Oktober 1953 wurde Berger von einem sowjetischen Militärtribunal (SMT) zu sieben Jahren Arbeitslager verurteilt und nach Workuta in Sibirien deportiert, von wo er 1955 nach Deutschland entlassen wurde. Siegfried Berger starb 2002 in Kiel.
Auf Antrag der SPD-Fraktion beschloss die Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg im Mai 2004 zur Erinnerung an Siegfried Berger, an seinem früheren Wohnhaus eine Gedenktafel anzubringen. Die Finanzierung übernahm die Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE. Anlässlich des 51. Jahrestages des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 wurde die Tafel enthüllt.
In diesem Haus wohnte von 1951 bis 1953 / Siegfried Berger / * 24. Juli 1918 † 29. Januar 2002 / Der Sozialdemokrat wollte keiner Diktatur dienen. / Am 17. Juni 1953 stand er an der Spitze eines / Demonstrationszuges streikender Arbeiter aus / dem Funkwerk Köpenick durch Ostberlin. Die / Demonstranten forderten „Freie und geheime / Wahlen“ und „Wiedervereinigung“. Siegfried / Berger wurde von einem sowjetischen Militär-/ tribunal zu sieben Jahren Arbeitslager verurteilt. / 1955 konnte auch er aus Workuta nach Westberlin / zurückkehren. / Als „Opfer politischer Repression“ wurde Siegfried / Berger 1996 von den russischen Behörden / rehabilitiert.
Berlin/Lichtenberg, Römerweg 40
Mitte. Das 1935/36 errichtete und weitgehend unzerstört gebliebene Reichsluftfahrtministerium blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg ein zentraler Ort deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert. In dem monumentalen Verwaltungsgebäude an der Wilhelmstraße, Ecke Leipziger Straße wurde am 7. Oktober 1949 der zweite deutsche Staat, die DDR, feierlich aus der Taufe gehoben. Auch beim Volksaufstand am 16. und 17. Juni 1953 stand das als „Haus der Ministerien“ bekannte Gebäude im Zentrum des Geschehens.
Am 16. Juni demonstrierten Tausende Arbeiter aus Ost-Berliner Betrieben und viele Menschen, die sich ihrem Ruf angeschlossen hatten, vor dem Sitz der DDR-Regierung für die Rücknahme der staatlich verordneten Normerhöhung, die faktisch einer Lohnkürzung gleichkam. Die Initialzündung ging von den bestreikten Baustellen am Krankenhaus Friedrichshain und an der Stalinallee aus. Dem sich um 9 Uhr formierenden Protestmarsch von ursprünglich knapp 100 Arbeitern schlossen sich etwa 10 000 Menschen an. Die SED-Funktionäre, die sich den Demonstranten stellten, wurden niedergeschrien und mit Forderungen konfrontiert, die weit über das ursprüngliche Anliegen hinausgingen: Generalstreik, Rücktritt der DDR-Führung, insbesondere von Walter Ulbricht, Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck, sowie freie Wahlen. Die Bewegung griff rasch auf das Umland und die gesamte DDR über und führte am Folgetag zum Generalstreik, obwohl die Normenerhöhungen am 16. Juni zurückgenommen worden waren. Am 17. Juni gingen allein in Ost-Berlin über 100 000 Menschen auf die Straße. Der Aufstand wurde landesweit am 17. Juni 1953 von sowjetischen Truppen niedergeschlagen.
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands fiel der größte Verwaltungsbau Berlins an die Bundesregierung und beherbergte in der Zeit von 1991 bis 1994 die am 1. März 1990 gegründete Treuhandanstalt zur Privatisierung des Volkseigentums der DDR. Seit 1994 hat das Bundesfinanzministerium hier seinen Sitz.
Eine Gedenktafel in der Pfeilerhalle neben dem Haupteingang erinnert an die Harnack/ Schulze-Boysen-Organisation, die Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur leistete, eine zweite an den ermordeten ersten Leiter der Treuhandanstalt Dr. Detlev Rohwedder. Die Gedenktafel für die Opfer des Volksaufstandes befindet sich links neben Max Lingners bekanntem Wandbild „Aufbau der Republik“ (1952/1953) und wurde am 17. Juni 1993 eingeweiht.
Am 16. Juni 2000 wurde vor der Säulenhalle des Eingangs an der Leipziger Straße Ecke Wilhelmstraße ein Bodendenkmal zur Erinnerung an den 17. Juni 1953 eingeweiht. Das von dem Künstler Wolfgang Rüppel geschaffene und von Senat und Bund finanzierte Denkmal zeigt ein vergrößertes historisches Foto. Es ist in Glas geätzt, verfremdet und gerastert und zeigt Arbeiter unterschiedlichen Alters, die untergehakt die erste Reihe des Demonstrationszuges bilden – eine Szene der spontanen Solidarität und des entschlossenen Mutes an jenem 16. und 17. Juni 1953. Eine seitlich an der Bodenplatte befestigte Tafel trägt eine Inschrift.
Auf Antrag des Bundesfinanzministeriums beschloss das Bezirksamt Berlin-Mitte am 26. März 2013, den bisher namenlosen Vorplatz an der Leipziger Straße/ Wilhelmstraße als „Platz des Volksaufstandes von 1953“ zu führen. Opferverbände und Aufarbeitungsinitiativen sowie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hatten sich seit vielen Jahren dafür eingesetzt. Der ursprüngliche Vorschlag diesen Platz als „Platz des 17. Juni 1953“ zu bezeichnen, wurde unter Hinweis auf eine mögliche Verwechslung mit der „Straße des 17. Juni“ abgelehnt.
Anlässlich des 60. Jahrestages des Volksaufstandes erhielt der Vorplatz am 16. Juni 2013 den Namen „Platz des Volksaufstandes von 1953“.
Im Ehrenhof des Bundesfinanzministeriums befinden sich seit dem 8. November 2001 vier Stahlskulpturen des Leverkusener Künstlers Eberhard Foest, die an die Teilung Deutschlands erinnern.
Gedenktafel für die Opfer des Volksaufstandes neben dem Wandbild von Max Lingner:
An dieser Stelle / vor dem Haus der / Ministerien der DDR / forderten am 16. Juni 1953 / die Bauarbeiter der / Stalinallee / im Bezirk Friedrichshain / die Senkung der / Arbeitsnormen / den Rücktritt der Regierung / die Freilassung aller / politischen Gefangenen / sowie freie und geheime / Wahlen. / Diese Protestversammlung / war Ausgangspunkt / des Volksaufstandes / am 17. Juni 1953. / Wir gedenken der Opfer / 17. Juni 1993.
Informationstafel an der Bodenplatte:
Zur Erinnerung an den Aufstand des / siebzehnten Juni Neunzehnhundertdreiundfünfzig / Wolfgang Rüppel 16. Juni 2000 / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung / Kunst im Stadtraum.
Berlin/Mitte, Platz des Volksaufstandes vom 17. Juni
Mitte. Auf dem Städtischen Urnenfriedhof an der Seestraße im damaligen West-Berliner Bezirk Wedding wurden am 23. Juni 1953 acht Opfer des Aufstandes vom 17. Juni 1953 in Ost-Berlin, die in West-Berliner Krankenhäusern gestorben waren, beigesetzt. Stellvertretend für alle Opfer wurde ein Mahnmal errichtet. Die Trauerfeier fand mit 125 000 Teilnehmern vor dem Rathaus Schöneberg statt. Dort waren die Opfer aufgebahrt worden, bevor sie durch die von hunderttausenden Berlinern gesäumten Straßen auf den Friedhof zur Beisetzung überführt wurden.
Bereits am 22. Juni 1953 hatte der Senat beschlossen, den durch den Großen Tiergarten führenden Straßenzug Charlottenburger Chaussee/ Berliner Straße vom Brandenburger Tor zum Ernst-Reuter-Platz zum Gedenken an die Opfer des Volksaufstands in „Straße des 17. Juni“ umzubenennen. Am 3. Juli 1953 erklärte der Deutsche Bundestag den 17. Juni als „Tag der Deutschen Einheit“ zum gesetzlichen Feiertag. Zum zehnten Jahrestag des Aufstandes im Jahr 1963 erhob ihn der Bundespräsident in den Rang eines nationalen Gedenktages, der bis 1990 alljährlich mit einem offiziellen Festakt im Reichstagsgebäude begangen wurde. 1990 wurde der 17. Juni durch den 3. Oktober ersetzt.
Das steinerne Mahnmal wurde vom Bildhauer Karl Wenke geschaffen und am 17. Juni 1955 an der Stirnseite der Grabanlage auf dem Friedhof an der Seestraße eingeweiht. Alljährlich finden auf dieser gesonderten Fläche des Städtischen Urnenfriedhofes offizielle Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen der Bundesregierung und des Senats statt. Im Jahr 2010 wurde die Gedenkanlage um eine neue Informationstafel erweitert.
Auf dem Denkmal: Den Opfern des 17. Juni 1953
Auf den Grabsteinen: Horst Bernhagen / 16.3.1932 / 17.6.1953 // Willi Göttling / 14.4.1918 / 17.6.1953 // Edgar Krawetzke / 16.3.1933 / 18.6.1953 // Oskar Pohl / 3.11.1927 / 17.6.1953 // Gerhard Santura / 6.5.1934 / 17.6.1953 // Gerhard Schulze / 8.9.1911 / 18.6.1953 // Rudi Schwander / 3.8.1938 / 17.6.1953 // Werner Sendisitzky / 17.6.1937 / 17.6.1953
Auf der Informationstafel (Deutsch und Englisch):
Im Juni 1953 kam es zu der ersten Massenerhebung / im Machtbereich der Sowjetunion. Sinkender Lebens- / standard und steigende Arbeitsnormen waren der / Anlass für eine weit verbreitete Unzufriedenheit. Am / 16. Juni 1953 protestierten zunächst die Bauarbeiter / an der Stalinallee. Am folgenden 17. Juni zeigten mehr / als eine Million Menschen in Ost-Berlin und in der / gesamten DDR mit Streiks und Demonstrationen / ihren Widerstand gegen politische Repression und / Willkürjustiz. Die Aufständischen forderten den Rück- / tritt der kommunistischen Regierung und freie Wahlen. / Nur der Einsatz sowjetischer Panzer und die Verhän- / gung des Ausnahmezustands konnten das von der / Sowjetunion ausgehaltene Regime der Sozialistischen / Einheitspartei Deutschlands retten. // Die landesweite Erhebung für politische Selbstbe- / stimmung wurde blutig niedergeschlagen. Es gab / mindestens fünfundfünfzig Tote. Weit mehr als ein- / tausend Aufständische wurden zu teils langjährigen / Haftstrafen verurteilt. // Auf diesem Friedhof richtete der Senat von Berlin / eine Grabanlage für die Berliner Opfer des / Volksaufstandes ein. Das Denkmal hat Karl Wenke / 1955 geschaffen. Die Seitenfelder sind seit 2005 ehe- / maligen Teilnehmern am 17. Juni 1953 vorbehalten.
Berlin/Mitte, Städtischer Urnenfriedhof, Seestraße 92/93
Reinickendorf. Am Vormittag des 17. Juni 1953 marschierten 12 000 streikende Stahlarbeiter aus dem nördlich von Berlin gelegenen Hennigsdorf bei strömendem Regen durch den französischen Sektor in Richtung Zentrum, um vor dem 27 Kilometer entfernten Haus der Ministerien zusammen mit zehntausenden Demonstranten gegen die SED-Herrschaft zu protestierten.
Gegenüber dem alten Borsig-Werkstor im Ortsteil Tegel wurde am 14. Juni 1963 in einer kleinen Parkanlage eine etwa zwei Meter hohe Stele des ungarischen Bildhauers Sartory enthüllt, die an den Marsch der Stahlwerker während Volksaufstandes in der DDR erinnert. Die neben der Stele befindliche Bronzetafel trägt eine Inschrift. Nach einem Diebstahl der Gedenktafel 2013, wurde diese erneuert und befindet sich wieder neben der Stele.
Hier zogen am 17. Juni 1953 / die Hennigsdorfer Stahlarbeiter / vorbei zur Stadtmitte / und forderten / die Wiedervereinigung / des deutschen Volkes / durch freie Wahlen
Berlin/Reinickendorf, Berliner Straße
Treptow-Köpenick. Kurz vor dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 unternahmen 600 Arbeiter der Krankenhaus-Baustelle am Friedrichshain einen Betriebsausflug in den Berliner Osten. Hauptgesprächsthema war dabei die staatlich verordnete Normerhöhung, die reale Einkommensverluste bedeuten würde. An diesem Sonnabend fiel der Entschluss zum Streik, der schließlich die landesweite Erhebung auslöste. In Treptow und Köpenick beteiligten sich 17 000 von 20 000 Arbeitern am Streik. Die großen an der Spree gelegenen Betriebe wie das Elektro-Apparate-Werk Treptow, das Kabelwerk Oberspree, die Yachtwerft Wendenschloss und das Funkwerk Köpenick waren durch den Streik fast vollständig blockiert.
Zum 60. Jahrestag der Ereignisse im Jahr 2013 wurde am Ausflugslokal „Rübezahl“ auf Initiative des Heimatvereins Köpenick und insbesondere des Lokalreporters Ralf Dreschers, ein Gedenkstein eingeweiht, der an die wenig bekannte Vorgeschichte erinnert. In seiner Eröffnungsrede würdigte der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel, das Aufbegehren der Industriearbeiter des Bezirks gegen das SED-Regime sowie die zivilgesellschaftliche Initiative zur Errichtung des Erinnerungsortes. Der vom Technischen Hilfswerk aufgestellte rötliche Findling trägt eine Inschrift.
Zur Erinnerung an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 // Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR hatte hier / seinen Ausgangspunkt. Bei einem Ausflug der Arbeiter der / Baustelle Krankenhaus Friedrichshain vier Tage zuvor wurden / bereits auf der Fahrt zum Müggelsee die von der SED-Führung / beschlossenen Normerhöhungen diskutiert. Hier, im nahen / Biergarten der Gaststätte "Rübezahl", entschlossen sich die / Arbeiter zum Streik. // In den folgenden Tagen kam es zu ersten Arbeitsnieder- / legungen, die sich bis zum 17. Juni zu einem Volksaufstand in / der gesamten DDR ausweiteten. Mehr als eine Million / Menschen beteiligten sich in über 700 Orten an dem / Volksaufstand, der gewaltsam niedergeschlagen wurde.
Berlin/Treptow-Köpenick, Müggelheimer Damm 143
Steglitz-Zehlendorf. Mit einer Reihe von Gedenkveranstaltungen wurde jedes Jahr in der Bundesrepublik Deutschland und besonders im Westteil Berlins an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR erinnert. Dabei entstand die Tradition, an höhergelegenen Orten jeweils am Vorabend des 17. Juni Mahnfeuer zu entzünden. Diese Mahnfeuer sollten bis weit in die DDR bzw. auch nach Ost-Berlin leuchten. Im West-Berliner Bezirk Steglitz entstand 1959 auf dem Rodelberg an der Osdorfer Straße das „Mahnmal für die Opfer der Unfreiheit“. Auf dem aus Sandstein des Reichstagsgebäudes bestehenden Denkmal wurde eine Feuerschale installiert, in der während der Einweihung am Abend des 16. Juni 1959 erstmals ein solches Mahnfeuer entzündet wurde. Die Feuerschale ist heute nicht mehr vorhanden.
Den / Opfern / der / Unfreiheit // Errichtet / am / 17. Juni 1959
Berlin/Steglitz-Zehlendorf, an der Kuppe des Rodelberges, von Lichterfelder Ring / Osdorfer Straße abgehende Kleingartenanlage Kolonie an der Rodelbahn
Steglitz-Zehlendorf. Eine Woche nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR und in Ost-Berlin errichteten Beteiligte, die nach West-Berlin geflüchtet waren, ein provisorisches Gedenkkreuz vor dem sowjetischen Panzer, der nach dem Sieg der Roten Armee 1945 auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Chaussee aufgestellt worden war. Das bereits an diesem 25. Juni 1953 spontan errichtete Holzkreuz vor dem Panzer wurde am 20. Juli 1953 durch ein neues Holzkreuz mit Gedenktafel ersetzt. Der Panzer musste durch einen Maschendrahtkäfig vor Anschlägen geschützt werden und wurde einige Jahre später schließlich auf das Gebiet der DDR nahe dem früheren Grenzübergang Dreilinden verlegt. Hier findet alljährlich am Vorabend des 17. Juni eine Gedenkfeier der Vereinigung des 17. Juni 1953 e. V. statt.
Gegenüber dem Kreuz hat im Beisein von Alexander Kerenski, Ministerpräsident der durch die Oktoberevolution 1917 gestürzten sozialistisch-liberalen Regierung Russlands, die Vereinigung 17. Juni 1953 e. V. 1954 einen Gedenkstein eingeweiht. Dieser soll an jene sowjetischen Soldaten und Offiziere erinnern, die bisher unbestätigten Berichten zufolge, während des Volksaufstandes den Befehl verweigerten, deutsche „Aufrührer“ zu erschießen. Die Informationen, die zur Errichtung des Denkmals führten, entstammen einem Flugblatt, das eine russische Emigranten- und Widerstandsorganisation herausgegeben hat. Danach sind im Morgengrauen des 27. Juni 1953 bei Biedritz, im damaligen Bezirk Magdeburg, vor dem angetretenen 73. sowjetischen Schützenregiment 18 Soldaten erschossen worden. Doch weder in den deutschen noch in den russischen Archiven fand sich eine Spur dieser Exekution. Der sowjetische Offizier, von dem die Informationen stammten, war bereits im April 1953 in den Westen geflohen, also Monate vor dem Volksaufstand. Die Forschung geht gegenwärtig davon aus, dass es sich bei der Nachricht von den erschossenen Sowjetsoldaten um eine Fehlinformation gehandelt hat.
Auf der Gedenktafel: Den Opfern / und / unerschrockenen / Kämpfern / für / Menschenrecht / Menschenwürde / für / Wahrheit und Freiheit / 17. Juni 1953
Auf dem Gedenkstein: Den / russischen / Offizieren / und / Soldaten, / die sterben mussten, / weil sie sich / weigerten, auf die / Freiheitskämpfer / des 17. Juni 1953 / zu schießen
Auf dem Hinweisschild: Gedenkstätte / 17. Juni 1953
Auf der Erinnerungstafel: Wieviel Menschen sind froh, dass DU gelebt - // Unserem 1. Vorsitzenden, / dem aktiven Kämpfer des Volksaufstandes 1953 // Manfred Plöckinger // 19.01.1932 - 19.12. 2002 // zum ehrenden Gedenken // Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.
Berlin/Steglitz-Zehlendorf, Potsdamer Chaussee, Avuseinfahrt