Brandenburg an der Havel. In der Steinstraße befand sich von 1863 bis 2004 das Amtsgericht der Stadt Brandenburg an der Havel. Seit Juni 2007 dient das Gebäude als Sitz der Generalstaatsanwaltschaft des Landes Brandenburg.
Vor dem Amtsgericht versammelten sich am 17. Juni 1953 tausende Einwohner der Stadt und protestierten gegen die Politik der SED. Die Menschen forderten freie Wahlen, die Senkung der Arbeitsnormen und die Freilassung der politischen Gefangenen. Schätzungen der Volkspolizei ergaben, dass am frühen Vormittag bereits 15 000 Menschen in der Innenstadt demonstrierten. Einige machten sich auf den Weg zum Amtsgericht sowie zur Untersuchungshaftanstalt und es gelang ihnen, die Freilassung von 42 politischen Häftlingen zu erreichen. Am Nachmittag wurde der Aufstand durch das sowjetische Militär niedergeschlagen. Volkspolizei und Staatssicherheit verhafteten die „Rädelsführer“ und „Provokateure“, die anschließend zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.
Es wurde lange in der Stadt diskutiert, wie ein würdiges Gedenken an die Ereignisse vom 17. Juni 1953 aussehen sollte. Der Fraktionsvorsitzende der Stadtverordneten der Linkspartei regte an, eine Tafel zum Gedenken an die Opfer des Stalinismus am Gebäude der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Kreisgerichts Brandenburg-Stadt anzubringen. Letztendlich entschied sich auch die Stadtverwaltung für Gedenktafeln an diesem Ort. Unter der Leitung der Generalstaatsanwaltschaft wurden zwei Gedenktafeln hergestellt und im Rahmen des Tags der Offenen Tür der Behörde, am 17. Juni 2009, enthüllt. Die Tafeln, eine Bronzetafel und eine Glastafel, befinden sich am Gebäude der früheren Untersuchungshaftanstalt im Hinterhof.
Zum 60. Jahrestag des Volksaufstands wurden 2013 auf Beschluss der Stadtverwaltung, des Generalstaatsanwaltes a.D., Prof. Dr. Rautenberg, sowie der Bürgerstiftung Brandenburg an der Havel vor dem Gebäude der Steinstraße 61 zusätzliche Stelen eingeweiht, die auf die Ereignisse am 17. Juni 1953 in der Stadt verweisen.
Im Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft befinden sich weitere Informationstafeln zum 17. Juni 1953 in Brandenburg sowie zur Geschichte der Stadt und des Gebäudes wie z.B. eine Bilddokumentation des Stadtmuseums Brandenburg.
Bronzetafel: Zum Gedenken / an die Opfer / des Stalinismus // 17. Juni 2009
Glastafel: Ehemalige / Untersuchungshaftanstalt / des Kreisgerichts / Brandenburg-Stadt // Am 17. Juni 1953 drangen zahlreiche / Demonstranten in das Kreisgericht ein / und forderten auf dem Hof vor der / Untersuchungshaftanstalt die Freilassung / der politischen Gefangenen. / Ein Verhandlungskomitee erhielt Einlass / und erreichte, dass ein Richter 28 Männer / und 14 Frauen aus der Haft entließ.
Brandenburg an der Havel, Steinstraße 61
Eisenhüttenstadt. Im Mai 1953 erhielt der Ort den Namen des im März verstorbenen sowjetischen Diktators Stalin. Hier, auf der grünen Wiese, unweit der polnischen Grenze, sollte ein Zentrum der DDR-Stahlindustrie entstehen. In der auf dem Reißbrett entworfenen Musterstadt arbeiteten damals bereits über 20 000 Menschen. Die Mehrzahl von ihnen wohnte noch in Barackenlagern. Der Ort war erst vier Monate zuvor zur Stadt erklärt worden. Bis 1961 trug er den Namen Stalinstadt.
Die Streiks in Stalinstadt begannen am frühen Nachmittag des 17. Juni 1953. Die ersten Bauarbeiter legten zum Schichtwechsel um 14.00 Uhr die Arbeit nieder. Sie marschierten über den riesigen Bauplatz und forderten ihre Kollegen auf, sich dem Protest anzuschließen. Von Stalinstadt aus marschierten tausende Demonstranten in den nahe gelegenen Ort Fürstenberg – beide Orte bildeten ab 1961 Eisenhüttenstadt. Auf dem Marktplatz von Fürstenberg kamen schließlich rund 2 000 Menschen zusammen, die unter anderem versuchten, die SED-Kreisleitung zu stürmen. In dieser Situation griff sowjetisches Militär ein und trieb mit Hilfe der Volkspolizei die Menschen auseinander. Mindestens 95 Demonstranten wurden verhaftet, unter ihnen viele, die nicht älter als 24 Jahre waren. Das Bezirksgericht verurteilte den 18-jährigen Werner Unger zu acht Jahren Zuchthaus, die anderen Mitangeklagten zu ein bis drei Jahren.
50 Jahre nach dem Volksaufstand, am 17. Juni 2003, wurde auf Initiative der Stadt Eisenhüttenstadt am historischen Marktplatz von Fürstenberg eine Gedenktafel enthüllt.
Wir erinnern an den 17. Juni 1953,/ als auch Bürger dieser Stadt / für Demokratie und bessere Lebens-/ verhältnisse demonstrierten. / Dieses Aufbegehren wurde von der/ SED-Führung und der sowjetischen Besatzungsmacht brutal unterdrückt. / Die Bürger von Eisenhüttenstadt / im Juni 2003
Eisenhüttenstadt, Rathaus Fürstenberg, Markt 1
Hennigsdorf. In Hennigsdorf begannen am 30. Mai 1953 die ersten Streiks gegen die vom SED-Regime angekündigte zehnprozentige Normenerhöhung – die praktisch einer entsprechenden Lohnkürzung gleichkam. Ein Teil der Frühschicht des Lokomotivbau Elektrotechnische Werke (LEW) Hennigsdorf protestierte, weil für einzelne Brigaden die Normen sogar um bis zu 39 Prozent erhöht werden sollten. Am 9. Juni streikten etwa 2 000 Arbeiter des Stahl- und Walzwerkes Hennigsdorf. Auch nachdem fünf Arbeiter verhaftet wurden, ging der Streik am folgenden Tag weiter. Das SED-Regime ließ die Festgenommenen frei und nahm die Normenerhöhung zurück. Dennoch gingen die Proteste weiter.
Am 17. Juni marschierten tausende Arbeiter zu Fuß von Hennigsdorf über West-Berlin nach Berlin-Mitte. Die Strecke umfasste mehr als 30 Kilometer. Sie durchbrachen dabei die Absperrung zum französischen Sektor, wurden in West-Berlin von der dortigen Polizei eskortiert und nahmen schließlich am Haus der Ministerien in Ost-Berlin an der Demonstration gegen die Regierung teil. Vor allem Arbeiter der Stahlwerke und des LEW gehörten zu den Demonstranten. Andere Belegschaften und Anwohner der angrenzenden Straßen schlossen sich dem Zug an, so dass dieser auf etwa 15 000 Menschen anschwoll. Die Volkspolizei berichtete, dass es ihr nicht gelungen sei, die Demonstrationen zu zerschlagen. Am 18. Juni die Streiks in Hennigsdorf fortgesetzt wurden, besetzten sowjetische Truppen, die Grenzpolizei und der Betriebsschutz das Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf.
Am 3. Oktober 1993, dem 3. Jahrestag der Deutschen Einheit, wurden auf dem ehemaligen Dorfanger in Hennigsdorf ein Kunstwerk von Heidi Wagner-Kerkhof eingeweiht, die sowohl dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 als auch dem Fall der Mauer im Herbst 1989 gewidmet ist. Zwischen drei Kalksteinstelen mit der Aufschrift „17. Juni 1953“ und einer horizontal und vertikal eingerissenen Stahlwand mit der Aufschrift „Herbst 1989“ liegt ein 36 Meter langer Weg, der die Jahre zwischen 1953 und 1989 symbolisieren soll.
Anlässlich des 60. Jahrestages des Volksaufstandes in der DDR erhielt am 16. Juni 2013 der Bereich vor dem Denkmal den Namen „Platz des 17. Juni 1953“. Die Einweihung erfolgte zum Abschluss einer Sonderfahrt mit dem Bus, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Weg der Hennigsdorfer Arbeiter am 17. Juni nachverfolgten.
Am Denkmal aus Kalkstein: 17. Juni 1953
Am Denkmal aus Stahl: Herbst 1989
Hennigsdorf, Auf dem alten Dorfanger
Neuruppin. Die Stadtverordnetenversammlung Neuruppin beschloss am 16. Juni 2003 auf Antrag der SPD die Errichtung einer Informationstafel, um über die Ereignisse des 17. Juni 1953 in Neuruppin zu erinnern. Sie reagierte damit auch auf einen Aufruf der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur anlässlich des 50. Jahrestages des Volksaufstandes, Orte des Erinnerns zu schaffen, indem Straßen oder Plätze nach Akteuren des 17. Juni benannt werden. Als Ort für die Informationstafel wurde das frühere Neuruppiner Gefängnis gewählt. Hier war es bereits am 12. Juni 1953 zu einer Demonstration von Einwohnern gekommen, die ihre inhaftierten Angehörigen befreien wollten. Zuvor war das Gerücht umgegangen, dass der Ministerrat der DDR eine Verordnung erlassen habe, wonach die Gefangenen freigelassen werden sollten.
17. Juni 1953 / Volksaufstand / in der DDR // Im Juni 1953 demonstrierten hunderttausende / Menschen in mehr als 500 Städten und Gemeinden / der DDR für demokratische Rechte und Freiheiten / und für die Wiederherstellung der deutschen Einheit. / Diese Proteste wurden durch den Einsatz der / Roten Armee niedergeschlagen. // In Neuruppin war eine Ausgangssperre erlassen / worden, russische Panzer waren in / der Karl-Marx-Straße, am Rheinsberger Tor und dem / Fontanedenkmal postiert. // Am 12. Juni versammelten sich hier an diesem / Standort weit über 600 Einwohner, die Blumensträuße / bei sich hatten. Sie wollten die Freilassung ihrer / Angehörigen, die im Gerichtsgefängnis inhaftiert / waren, erreichen. Der Protest dauerte zwei Stunden, / zu Zwischenfällen kam es nicht. Durch den / Hintereingang des Gefängnisses wurden / die Inhaftierten entlassen. // Am 10. Oktober 1989 fand in Neuruppin das erste / große Friedensgebet in der Klosterkirche / statt – weitere folgten. Diese Demonstrationen / und Proteste im ganzen Land führten dann zum / Ende der DDR und der Wiedervereinigung / Deutschlands. // Zur Erinnerung an diese Geschehnisse wurde / diese Tafel am 10. Oktober 2003 enthüllt.
Neuruppin, Karl-Marx-Straße (am Amtsgericht)
Strausberg. Am 17. Juni 1953 zog der damals 20-jährige Heinz Grünhagen – Vorarbeiter auf einer Baustelle bei Strausberg – mit 1 000 Bauarbeitern in einem Konvoi aus Lastern und Kippern Richtung Berlin los, um gegen die Normenerhöhungen zu demonstrieren. Aufgrund des noch am 17. Juni 1953 verhängten Ausnahmezustandes wurden die Protestierenden von russischen Soldaten zur Umkehr gezwungen. Grünhagen wurde am folgenden Tag verhaftet und nach Frankfurt (Oder) ins Gefängnis der Staatssicherheit gebracht. In einem Schauprozess gegen ihn und fünf andere Kollegen am 26. Juni 1953 wurde er zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Unter der Überschrift „Das Ende der Provokateure von Strausberg“ berichtete damals die Lokalzeitung über sein Schicksal. Heinz Grünhagen wurde nach 1990 rehabilitiert.
Am 48. Jahrestag des Volksaufstandes errichtete man 2001 in Strausberg einen Gedenkstein für die Opfer des 17. Juni 1953. Der Gedenkstein geht auf das Engagement Heinz Grünhagens zurück.
Nach jahrelanger Diskussion in der Stadt konnten der Bürgermeister und der damalige Streikleiter Heinz Grünhagen diesen Gedenkstein vor der heutigen Barnim-Kaserne enthüllen. Grünhagen bemühte sich auch danach weiter darum, die Erinnerung an die Ereignisse vom 17. Juni 1953 in Strausberg wachzuhalten. Anlässlich des 51. Jahrestages des Volksaufstandes in der DDR wurde am 17. Juni 2004 eine Zusatztafel mit den Namen aller Opfer aus Strausberg und ihren Haftstrafen angebracht. 2012 starb Heinz Grünhagen im Alter von 79 Jahren.
Auf dem Gedenkstein: Zur / Erinnerung / an die Opfer / des Aufstandes vom / 17. Juni 1953 in Strausberg. / Die Streikleitung wurde zu / langjährigen Haftstrafen / verurteilt
Auf der Zusatztafel: Günther Tillner 8 Jahre Zuchthaus / Heinz Grünhagen 5 Jahre Gefängnis / Walter Strak 3 Monate Gefängnis / Otto Fischer 7 Jahre Zuchthaus / Heinz Ritzleben 1 Jahr und / 6 Monate Gefängnis / Siegfried Kiehnast 9 Monate Gefängnis
Strausberg, Vor der Barnim-Kaserne, Hennickendorfer Chaussee
Teltow. In Teltow erinnert die Skulptur „Forderung“ an den Volksaufstand 1953. Das Streikkomitee aus Arbeitern des VEB Dralowid hatte sich am 17. Juni 1953 versammelt, um in einem Schreiben an den damaligen DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl auf die schlechte Versorgungslage, die stetige Normerhöhung und die miserablen Wohnverhältnisse aufmerksam zu machen. Die Arbeiter traten in einen Streik, woraufhin die Polizei das Werk umstellte und sieben von ihnen verhaftete. Die Frauen der Belegschaft entschieden sich, die Freilassung der Männer zu erpressen. Sie erklärten, ihre Arbeit erst wieder aufnehmen zu wollen, wenn die Entlassung der Verhafteten gewährleistet sei – mit Erfolg, denn die Staatsmacht beugte sich und die Männer kamen frei.
Schüler des Teltower Kant-Gymnasiums befassten sich im Rahmen eines Kunstprojekts mit den historischen Ereignissen des Aufstands 1953 in der Region. Unter anderem berichteten Zeitzeugen den Schülern von den Entwicklungen im VEB Dralowid. In Zusammenarbeit mit dem Geschichtslehrer Gregor Wilkening und dem Berliner Kunstschmied Thorsten Theel entwickelten die Schüler fünf Entwürfe für ein Denkmal, die der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt wurden. Die ausgewählte Skulptur versinnbildlicht den Zusammenhalt und die daraus resultierende Stärke der Menschen, wobei die gebündelten Stäbe die Frauen darstellen, die sich für die Freilassung der verhafteten Arbeiter einsetzten. Die rostbehafteten Kästen stehen für das System, gegen das sich die Demonstranten auflehnten. Während der Gedenkveranstaltung am 17. Juni 2011 erfolgte die feierliche Einweihung der Skulptur auf dem Hamburger Platz, der gegenüber dem früheren Eingangstor des VEB Dralowid liegt. Thomas Schmidt, Bürgermeister der Stadt Teltow, lobte das Gemeinschaftsprojekt von Gymnasium, der Stadt und dem Kunstschmied. Am Boden der Skulptur befindet sich eine Gedenktafel mit einer Inschrift.
Die Forderung / 17. Juni 1953 / Teltows historischer Streik / beginnt, als sieben Arbeiter des / Streikkomitees im VEB Dralowid / verhaftet werden. Die Frauen im / Betrieb reagieren mit einem / Ultimatum: ,Wenn unsere / Männer wieder zu Hause sind, / arbeiten wir weiter!‘ Die Verhafteten kommen frei. Die / mutigen Frauen setzen sich nach / drei Tagen gegen die politische / Führung durch. Sie zeigten, wie / entschlossener Zusammenhalt / einen Machtapparat überwinden / kann, Teltow ehrt sie in diesem / Denkmal. / Idee und Realisierung, 2011: Lena / Ritz, Marie-Therese Meye, Hannah / Schubert, Ivo Tittmann, Loreen / Westphal, Norbert Guratzsch, / Kira Fischer, Gregor Wilkening, / Immanuel Kant Gymnasium / Teltow und Torsten Theel, / Hofschmiede Dahlem.
Teltow, Hamburger Platz